Warum Spontanität in einer Beziehung wichtig ist

Abenteuer können einem um die nächste Ecke begegnen. Man braucht dazu nur den eigenen Impuls -und einen Partner, der einen dabei nicht blockiert.

"Die Musik ist grad so schön", sagte ich, "fahren wir doch einfach weiter!" Er antwortete nicht, bog aber auch nicht nach links zu seiner Wohnung ab. Aus dem Autoradio schwebten die Klänge einer CD, die nicht zufällig Flying Carpet hieß. Wir kamen durch eine Villengegend mit üppigen Gärten, dann einen kleinen Hügel hinauf, und plötzlich waren wir mitten in einem mystischen Wäldchen. Vor einem Schloss, das auf einmal in einer Lichtung emporwuchs, stellten wir das Auto ab, fanden einen stillen, kleinen Pfad in die Kathedrale der Bäume hinein - und fühlten uns wie Adam und Eva im Paradies.

Plan für heute: Spontan sein

Wir hätten auch wie geplant nach Hause fahren, etwas essen und uns vor den Fernseher knotzen können. Stattdessen hatten wir den fliegenden Teppich genommen und eine verzauberte Gegend entdeckt. Und die war nicht einmal weit weg, sondern nur zwei Kilometer von seinem Fernseher entfernt. Spontan gesagt: Ich liebe es, wenn ich einen Mann von seinem Fernseher fernhalten kann. Es gab Zeiten, wo mir das nicht so gut geglückt ist (bitte wahlweise Konsole oder Computer einsetzen). Besonders schätze ich es, wenn ER sich nicht gleich querlegt, wenn ICH mit einer spontanen Idee daherkomme. Auch wenn die im ersten Moment ein wenig schräg wirkt, so wie letztens, als ich unbedingt die bemoosten Steine vom Sonntagsspaziergang mitnehmen wollte. (Die haben dann im Steingarten aber auch wirklich gut ausgeschaut, nur ein paar Ameisen waren halt im Auto.)

Sind die Männer die Faden?

Wieso ist das mit einem Mann eigentlich oft so mühsam, das gemeinsame Spontansein? Sind sie die faden Mulis? Ist man es selber? Oder ist in unseren algorithmisierten Leben einfach kaum Platz dafür? Dabei ist Spontansein ja überhaupt nicht schwer. Es ist nur ein Schritt neben dem Trampelpfad des Alltags. Ein einziger. Und schon kann sich eine neue Welt auftun. Einmal habe ich auf diese Art bei einem Bali-Urlaub das süßeste Restaurant, komplett mit Hundewelpen und Blumendeko, entdeckt. Bin einfach in eine schmuddelige, kleine Seitengasse abgebogen - und da war es. Vielleicht sind ja auch die Völkerwanderungen früher so gelaufen: Plötzlich sind 10.000 Menschen nach rechts abgebogen, und auf einmal waren sie im Zwischenstromland.

"Wenn Sie mit so einem sturen Esel zusammen sind, der nie bei was mitmacht -dann werfen Sie ihn doch spontan raus!"
von Karen Müllers Freund G.

Na ja, zurück zu den Männern. Ich habe den Verdacht, dass da ein stiller Machtkampf vorliegt, wenn Spontanität mit IHM nicht möglich ist. Da gönnt einer dem anderen nicht, dass der mit seiner Idee die Führung übernimmt -und erstickt jedes Lebenszeichen des anderen in Styropor. Könnte natürlich auch sein, dass einer erfahrungsgemäß immer nur blöde Ideen hat, aber warum sollte man mit so jemandem zusammen sein? Einen Impuls spüren, ihn zulassen und dann noch erfolgreich übertragen - so muss Beziehung! Was sonst kann einen vor der tödlichen Ödnis des Alltags retten? Übrigens, mein Freund G. hat einen Tipp an alle Frauen, den ich ausrichten soll: "Wenn Sie mit so einem sturen Esel zusammen sind, der nie bei was mitmacht -dann werfen Sie ihn doch spontan raus!"

 

Aktuell