Warum so bescheiden?

Bescheidenheit ist eine Zier, sprach die Mutter. Doch weiter kommt frau ohne ihr – sagen wir. Warten Sie also nicht länger auf das Wunder des Entdecktwerdens. Sondern fordern Sie den Lohn für Ihre Leistungen ein.

Die Bescheidenheitsfalle: Frauen haben bessere Abschlüsse, tadellose Lebensläufe und ein ausgeprägtes Tüchtigkeitsgen. Doch bei der Beförderung ziehen die Männer vorbei. Und was tut Frau? Schluckt die Wut hinunter und leistet noch mehr. Irgendwann wird sich der Einsatz schon lohnen ...
Tut er aber nicht. Schließlich wäre der Chef schön blöd, die Mitarbeiterin, die klaglos jede Überstunde schluckt, zu befördern. Arbeitet sie ja jetzt für zwei. Und so wartet am Ende der Karriere nur der Burn-out. Es sei denn, Frau befreit sich aus der Bescheidenheitsfalle. So geht's:

1. Seien Sie stolz auf sich

Viele Frauen ernten keine Lorbeeren, weil sie - so eine GEWIS-Umfrage - kaum stolz auf ihre Leistung sind und ihre Fähigkeiten unterschätzen. Das Problem: Wie soll Ihr Chef etwas von Ihren Erfolgen merken, wenn Sie selbst nicht dazu stehen und sie mit einem "Ach, das war doch nichts ..." kleinreden?
Schärfen Sie Ihr Bewusstsein für Ihre Leistungen. Listen Sie schriftlich auf, was Sie in jüngster Zeit erreicht haben. Vergessen Sie dabei nicht (zwischen-) menschliche Highlights, z.B. jenes Meeting, in dem Sie Ihrem arroganten Kollegen endlich Kontra gegeben haben. Und streichen Sie "Zufall" und "Glück" aus Ihrem Wortschatz: Erfolg fällt nicht vom Himmel. Sie haben ihn sich erarbeitet.

2. Reden Sie über Ihren Erfolg

Taten sagen mehr als Worte? Vergessen Sie's. Denn: Chefs sind blind, hören aber sehr gut. Weshalb Erfolge, über die nicht gesprochen wird, unbemerkt bleiben. Im schlimmsten Fall werden Ihre Ideen gar von anderen als die ihren ausgegeben. Klappern gehört also zum Handwerk.
Ihr Kapital ist, was Sie können, und das sollen alle wissen: Erzählen Sie Chef und Kollegen von Ihrem Projekt. Suchen Sie Netzwerkpartner im Unternehmen, lancieren Sie einen Artikel in der Mitarbeiterzeitung. Und feiern Sie Ihre Meilensteine nicht nur als Team-Events, sondern nutzen Sie die Gelegenheit, Vorgesetzte einzuladen und Ihre Arbeit zu präsentieren.

3. Lassen Sie sich selbst etwas kosten

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen betragen bei gleichen Aufgaben durchschnittlich fast 20 Prozent. Ein Grund: Frauen neigen dazu, Ihren Arbeitsaufwand eher herunterzuspielen als zuzugeben, dass sie doch einige Tage über einem Projekt saßen. Der Chef könnte ja denken, sie seien faul, ineffizient oder gar überfordert. Doch das Gegenteil ist der Fall: Was nichts kostet, ist nichts wert. Weshalb Männer gerne damit hausieren gehen, bis 3 Uhr morgens im Büro gesessen zu haben, obwohl sie den Computer schon um 21 Uhr abgedreht hatten. Das ist echter Einsatz.
Scheuen Sie sich also nicht länger davor, Ihren Arbeitsaufwand zu dokumentieren und auch voll zu berechnen. Das ist weder gierig noch unverschämt. Sondern nur klug: Wer seine Mittel nicht zum eigenen Zweck einsetzt, verhält sich letztlich selbstschädigend.

4. Mit Fleiß (allein) kein Preis

Übertriebener Fleiß zahlt sich im Berufsleben nicht aus. Er kann ganz im Gegenteil sogar kontraproduktiv sein. Beruflicher Erfolg ist eine Sache des richtigen Zeitpunkts. Seien Sie deshalb auch im Hinblick auf Ihre Schwächen nicht bescheiden, sondern sagen Sie offen, wenn Sie etwas (noch) nicht können. Wenn also Dinge anstehen, die nicht wirklich in Ihren Zuständigkeits- und Machtbereich fallen und wo Sie Ihre Stärken nicht ausspielen können, lassen Sie die Finger davon. Aufträge anzunehmen, die ein Kollege aufgrund seiner Kompetenzen besser erledigen könnte, ist dumm.
Bewährt hat sich die Strategie "duck and cover". Sie bewahrt davor, Bauernopfer zu werden und für das Versagen anderer zu bluten. Verzögerung kann eine gute Taktik sein, manche Probleme kann man aussitzen, sie lösen sich von selbst.

Übertriebener Fleiß zahlt sich im Berufsleben nicht aus, er kann ganz im Gegenteil sogar kontraproduktiv sein.
von Daniela Schuster
 

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