Warum sitzen so viele inkompetente Männer in Führungspositionen?

Ein neuer Artikel im "Harvard Business Review" beleuchtet diese spannende Frage - und kommt zum Schluss: das Problem sind nicht zu wenige qualifizierte Frauen, sondern zu viele inkompetente Männer.

Die Frage, warum und wie manche Chefs, Geschäftsführer & Co. in ihre Positionen gekommen sind, hat sich sicher jede von uns schon einmal gestellt. Angesichts der offensichtlichen Inkompetenz mancher Führungskräfte ist das auch wenig verwunderlich.

Noch immer zu wenige Frauen in Führungspositionen


Als Gründe, warum nach wie vor so wenige Frauen in Führungspositionen sitzen, werden meist drei Dinge von unterschiedlichen Seiten angeführt, schreibt Tomas Chamorro-Premuzic im "Harvard Business Review": 1) sie sind nicht fähig; 2) sie sind nicht interessiert; 3) sie sind sowohl fähig als auch interessiert - aber können die geschlechterspezifische "gläserne Decke" nicht durchbrechen.

Letzteres sei meistens der Fall. Und trotzdem, so der Autor, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: bei Männern in Führungspositionen wird Selbstvertrauen mit Kompetenz verwechselt. Selbstbewusstsein, Extrovertiertheit und alles, was damit zusammenhängt, bringt viele dazu zu glauben, dass diese Menschen auch für Führungspositionen geeignet sind.

Persönlichkeitsstörungen bei Führungskräften


So werden oft narzisstische, egozentrische und überselbstbewusste Personen in Chefsessel gehievt - anstatt auf deren Kompetenz zu achten. "Der Mythos des ,Anführers' verkörpert viele Charakteristika, die man in Persönlichkeitsstörungen wiederfindet - wie etwa Narzissmus (Steve Jobs oder Wladimir Putin), Psychopathie (Despoten), die histrionische Persönlichkeitsstörung (...)", schreibt der Autor weiter.

Das Traurige daran: genau diese Führungskräfte würden kontinuierlich scheitern, wie die Geschichte und das schlechte Management vieler Unternehmen zeigen. "Gute Führung war und ist immer eine Ausnahme, nicht die Norm", so Chamorro-Premuzic weiter. Deshalb sei die Debatte darüber, dass Frauen sich genau diese schlechten Charaktereigenschaften aneignen sollen, um erfolgreich zu sein, mehr als verfehlt.

So sieht gute Führung aus


Stattdessen sollten folgende Führungsqualitäten von Bedeutung sein: die MitarbeiterInnen zu fördern, Respekt zu zeigen, eine Vision zu kommunizieren, zu bestärken und zu leiten, Probleme kreativ und flexibel zu lösen und gute Leistungen zu belohnen.

Die Schlussfolgerung: Frauen stehen unter einer sehr dicken gläsernen Decke, die es ihnen fast nicht möglich macht, nach oben zu kommen. Doch ein weiteres Problem ist auch, dass inkompetente Männer keine Karrierehürden haben, weil gewisse Charaktereigenschaften leider als kompetent und cheftauglich wahrgenommen werden. "Das Ergebnis ist ein pathologisches System, dass Männer für ihre Inkompetenz belohnt, während es Frauen für ihre Kompetenz bestraft. Zu unser aller Nachteil."

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