Warum Scheidungen immer weniger werden

Bei der Anzahl an Promi-Ehen, die derzeit in die Brüche gehen (aktuellstes Beispiel: Channing Tatum und Frau Jenna Dewan), könnte einem direkt die Lust auf's Heiraten vergehen. Doch die Statistik zeigt: So viel Scheidungen, wie angenommen, gibt es gar nicht.

"Ich will nicht heiraten, die Hälfte der Ehen wird eh wieder geschieden", ist immer häufiger der Grund, warum gerade junge Paare der Institution Ehe skeptisch gegenüberstehen. Dabei zeigen jüngste Daten das Gegenteil: Die Scheidungsrate ist in den letzten Jahren stark gesunken und das könnte in der Zukunft auch so bleiben.

Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur:

Grund 1: Es ist teuer

ExpertInnen gehen beispielsweise in Österreich davon aus, dass es aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage seit der Wirtschaftskrise weniger Ehen geschieden wurden.

Das Scheidungsverfahren kostet je nach Aufwand und Anwaltskosten mindestens mehrere hundert Euro, das kann und will sich nicht jeder leisten. Sind Kinder im Spiel, kommen außerdem Fragen nach dem Unterhalt dazu. Eine Haushaltsteilung ist ein weiterer belastender Kostenfaktor für viele Paare. Besonders für Frauen ist die wirtschaftliche Abhängigkeit (leider) oft ein Grund, beim Partner zu bleiben.

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Jüngste Promi-Scheidungen (Channing Tatum und Frau Jenna Dewan verkündeten gestern nach 9 Jahren ihr Eheaus) sprechen nicht unbedingt für langanhaltende Ehen. Die Statistik sagt aber etwas anderes.

Grund 2: Ehen werden später geschlossen

Im Gegensatz zu früher, werden Ehen heutzutage später und nach längerer Bedenkzeit eingegangen. Schloss man vor einigen Jahren bereits nach wenigen Monaten eine Ehe, ist es heuzutage völlig normal viele Jahre in einer Partnerschaft ohne Ehevertrag zu leben, bevor man den Schritt in die "ewige Bindung" wagt. Frauen sehen sich aufgrund zunehmender Emanzipation seltener gezwungen sich zu binden, auch eine Schwangerschaft ist lange kein unbedingter Grund mehr eine Ehe einzugehen.

"Der Umstand, dass Menschen heutzutage zusammenleben, bevor sie heiraten heißt auch, dass dsyfunktionale Beziehungen in einer Trennung statt in einer Scheidung enden. Die wachsende Akzeptanz von AlleinerzieherInnen-Haushalten hat die Zahl von Schnellschuss-Ehen, die die instabilste Form von Partnerschaften waren, reduziert", erklärt Uni-Professorin Stephanie Coontz vom Evergreen State College in derNew York Times.

Grund 3: Zweckheiraten sind nicht mehr

Begab man sich als Frau früher durch eine Eheschließung in ein Abhängigkeitsverhältnis, sind die Rollen heutzutage fairer und gleicherwertiger aufgeteilt. Das klassische "Ernährerprinzip" ist ein Auslaufmodell, gehen Frauen heutzutage eine Ehe ein, können sie sich in vielen Fällen ohnehin selbst versorgen. Dies schafft eine Ausgangslage, die Machtverhältnisse innerhalb der Beziehung ausgleicht.

Statistiken der New York Times zeigen, dass durch spätere Heirat, die aus Liebe und nicht aus Zweckmäßigkeit passiert, Ehen immer länger halten. Wurden Ehen, die im Jahr 1980 geschlossen wurden, noch knapp zur Hälfte geschieden, liegt die Scheidungsrate bei Ehen, die im Jahre 2000 geschlossen wurden, derzeit nur bei knapp 15 Prozent (bei entsprechend kürzerer Ehedauer).

Der gesellschaftliche Wandel und die zunehmende Emanzipation der Frau ist laut New York Times nachweisbar: Wirft man an einen Blick auf die Verlaufskurve ist ein deutlich langsameres Wachstum an Scheidungen zu erkennen, je später sie geschlossen wurden.

Österreich: Mehr Ehen, weniger Scheidungen

Rückläufe sind laut Statistik Austria auch in Österreich zu beobachten. Nach einem Allzeithoch im Jahr 2007, mit einer Scheidungsrate von 49,5 Prozent, sind Scheidungen seither rückläufig: Im Jahr 2016 betrug die Gesamtscheidungsrate 40,5 Prozent. Im Gegenzug konnte man 2016 auch eine gestiegene Heiratsrate beobachten, die noch dazu höher als die heimische Scheidungsrate war.

Für viele mag die Ehe heute ein veraltetes Modell sein, das sich mit den Werten der Generation Y nicht mehr vereinbaren lässt. Wer allerdings mit dem Gedanken, eine Ehe einzugehen, spielt, sollte sich jedenfalls nicht von dystopischen Statistiken und Hörensagen abbringen lassen. Denn, wie man sieht, haben diese auch nicht immer recht.

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