Warum nicht alle um Queen Elizabeth II. trauern

Für viele Menschen aus BPOC-Communitys symbolisiert die Queen nämlich Unterdrückung und Schmerz. Jetzt lassen sie auf Twitter ihren Gefühlen freien Lauf.

Queen Elizabeth II.

Die ganze Welt trauert um Queen Elizabeth II. Naja fast. Wer bei Erinnerungen an die ehemalige Monarchin an stylische Hüte und eine süße Omi denkt, gehört vermutlich zum privilegierten (weißen) Teil unserer Gesellschaft. Denn viele können die Trauer um das Staatsoberhaupt, das 70 Jahre lang an der Macht war, nicht teilen. Warum? Für Schwarze Personen und Menschen aus POC-Communitys repräsentiert die britische Monarchin nämlich Schrecken, Unterdrückung und Tod. Wie kann es sein, dass eine Person zur Symbolfigur für Leid wird?

Blood Diamonds

Schon einmal gefragt, woher die vielen Juwelen der britischen Königskronen kommen? Ein Beispiel: Die Imperial State Crown ist mit 2868 Diamanten, 273 Perlen, 17 Saphiren, elf Smaragden und fünf Rubinen besetzt. Und das ist nur eine Krone. Die Kopfbedeckung hat Schätzungen zufolge einen Wert von mehreren Millionen US-Dollar. Woher kommen die Diamanten?

Viele der Schmuckstücke stammen aus ehemaligen britischen Kolonien. Somit ist klar: Die vielen Diamanten, die aus Südafrika sind, wurden nicht freiwillig an das britische Königshaus übergeben. Vielmehr haben sich die Kolonialführer die Schmuckstücke aus den Ländern durch Folter und Unterdrückung angeeignet. Übrigens: Auch Queen Elizabeth II. hat bei ihrer Krönung die Imperial State Crown getragen. Doch was hat die Kolonialgeschichte noch mit der verstorbenen Monarchin zu tun? Schließlich liegt diese Zeit schon lange zurück, oder?

Commonwealth = Gemeinsames Vermögen?

Falsch! Erst dieses Jahr feierte Nigeria seinen 62. Unabhängigkeitstag. 1960 erlangte das westafrikanische Land "Freiheit" vom Birtish Empire. Zur Erinnerung: die Queen war zu dieser Zeit bereits sieben Jahre lang britisches Staatsoberhaupt. "Das britische Imperium hat global homophobe Gesetze eingeführt und Völkern ihrer Geschichte und Identität beraubt", twittert der Journalist Malcolm Ohanwe. Länder und Regionen-Namen wurden während der Zeit des Imperialismus frei erfunden. Menschen, sogar Familien, nach Belieben durch willkürliche Grenzen getrennt. Chaos, generationale Armut, Kriege und Trauma sind Folgen, unter denen die Menschen in diesen Ländern (Indien, Kamerun, Palästina, Nigeria u.v.m.) bis heute leiden! Von der Queen wurden diese Maßnahmen toleriert, während sie in ihrem pruckvollen Palast residierte. Der Queen und ihrer Familie verschaffte das Weltreich also Reichtum. Der Rest der Welt erbte Folgen ihrer Ausbeutung.

Generationentrauma

"Warum schreiben wir unsere Tweets auf Englisch? Wie konnte das passieren, hm?", schreibt die afroamerikanische Autorin Ebony Elizabeth Thomas auf Twitter. "Warum erwartet die Gesellschaft immer Mitgefühl von den Unterdrückten und nicht von den Unterdrückern?", fragt auch die US-amerikanische Ärztin Uché Blackstock. Mit ihren Kommentaren machen die Frauen auf den transatlantischen Sklavenhandel und das europäische Erbe der Kolonialzeit aufmerksam. Aber eben auch auf den Rassismus der von der Königsfamilie bis heute anhält und ausgelebt wird. Stimmt nicht?

Wer erinnert sich an die Reise des Prince William und seine Frau Kate Middleton auf die Salomon-Inseln? Dort ließ sich das royale Paar auf den Rücken der Schwarzen Einheimischen durch die Straßen tragen. Wer sich jetzt denkt: "Das Tragen auf dem Thron ist vielleicht eine Tradition der Insel" , sollte sich einmal überlegen, woher dieser Brauch kommt. Stichwort: Kolonialzeit. William und seine Frau waren übrigens erst 2012 auf der Insel. Das passiert also alles in unserer Zeit.

"Die Queen, als Repräsentantin UKs, musste sich dafür nie rehabilitieren", so Ohanwe. Während Queen Elizabeth II. in einem Teil der Gesellschaft "spirituelle, großmütterliche" Gefühle auslöst, dient sie und die Monarchie für viele Völker weltweit als Symbolbild der Unterdrückung. Trotzdem erwartet die Gesellschaft Mitgefühl und Anteilnahme von Schwarzen Menschen und POC-Communitys? Not gonna happen. Ganz im Gegenteil. Der Tod der Queen ist lediglich ein Anlass, um Jahrhunderte alten Frust raus zu lassen. Es wird nämlich nie einen "richtigen" Zeitpunkt geben, um über Unterdrückung und Rassismus zu sprechen., solange Unterdrücker*innen ihre Taten nicht anerkennen.

Es gibt hier also zwei Seiten, die berücksichtigt werden müssen. Und auf welcher Seite der Geschichte man stehen möchte, liegt ganz bei uns. Junge Menschen aus den BPOC Communitys sind sich sicher: Die einseitige Berichterstattung der Medien lassen sie sich nicht gefallen. Über Twitter und Co. teilen Betroffene ihre Gedanken zur Monarchie:

 

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