Warum Netflix-, YouTube- und Pornhub-Schauen dem Klima schadet

Video-Streaming im Internet ist nicht nur datenintensiv sondern schadet auch dem Klima. Die Emissionsbelastung ist schon jetzt bedenklich - und könnte in den nächsten Jahren noch weiter steigen. ForscherInnen glauben, dass man schon mit keinen Änderungen einiges bewirken könnte.

Bingewatching klimaschädlich Netflix

"Nur noch eine einzige Folge", flüstern wir uns leise zu, während wir unschuldig auf den "nächste Folge abspielen"-Button drücken. Streaming-Fans wissen, von welchen Phänomen die Rede ist: Binge-Watching. Unter dem englischen Terminus verstehen wir unsere exzessive Liebe (oder, erm, Sucht) zu Video-Streaming-Inhalten, vorzugsweise auf Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime.

Was als harmlose Alternative zum linearen Fernsehen begann, ist mittlerweile kein Trend, sondern fester Bestandteil unseres Freizeitprogramms. Knapp 30 Prozent der ÖsterreicherInnen zahlen laut einer Statista-Erhebung des Vorjahres bereits monatlich für einen Video-Streamingdienst, Tendenz stark steigend.

Video-Streaming für ein Prozent globaler Emissionen verantwortlich

Mit der steigenden Nutzungsdauer erhöht sich aber nicht nur unser Datenverbrauch, sondern auch die Menge an Strom, die für unser Sehverhalten aufgewendet werden muss. ForscherInnen des französischen Think-Tanks "Shift-Project" haben nun herausgefunden, wie sehr unser Konsum das Klima belastet. Die Zahlen sind eindeutig: Pro Jahr verursacht der durch das Videoschauen entstandene Strom- und Datenverbrauch mehr als 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid weltweit. Das ist so viel, wie Spanien in einem Jahr an Treibhausgasemissionen ausstößt. Anders gesagt: Ein Prozent der weltweiten Emissionen gehen auf Video-Streaming zurück.

Das mag nach verhältnismäßig wenig klingen. Setzt man das ganze in Relation zum derzeit viel diskutierten Flugverkehr, klingen diese Zahlen aber dann doch ganz schön gewichtig. Denn Fliegen macht derzeit 2,5 Prozent der weltweiten Emissionen aus.

Insgesamt haben digitale Technologien den Sektor "Fliegen" in Sachen Emissionsbelastung schon längst überholt. Allein knapp vier Prozent der globalen Treibhausgase werden durch Digitales verursacht. Und Bewegtbild-Inhalte nehmen als Unterhaltungs- oder Informationskanal einen immer höheren Stellenwert ein. Die Folgen für's Klima bedenken dabei die wenigsten, dabei zeigt ein Vergleich eindeutig, wie groß die Unterschiede sind: Zehn Stunden HD-Film erfordern laut "The Shift Project" mehr Bits und Bytes als alle Artikel der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (englisch) zusammen.

Netflix & Co. deutlich vor Porno-Diensten

Schaut man sich die Emissionsverursacher im Video-Bereich im Detail an, schneiden die Video-OnDemand-Streamingdienste (Netflix, Amazon Prime, HBO, Hulu) am schlechtesten ab. Sie sind sie allein für ein Drittel (34 Prozent) der 300 Millionen Tonnen an Emissionen verantwortlich. Nicht weit dahinter folgen Porno-Anbieter wie Pornhub, in Summe sind diese für 27 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. In absoluten Zahlen kann dieser Sektor mit dem Treibhausgas-Jahresverbrauch von ganz Österreich mithalten.

Was muss sich ändern?

Freilich bedeuten diese Zahlen nicht, dass wir nun unseren Streaming-Verbrauch komplett drosseln müssen. Die ForscherInnen wollen mit der Studie vor allem zum Nachdenken in der Nutzung anregen. Maxime Efoui-Hess, Umweltingenieur und Mit-Autor der Shift Project-Studie, plädiert daher für mehr "digitale Bescheidenheit" - bei der Internetnutzung müsse man sich auch der begrenzten weltweiten Energieressourcen zunehmend bewusst werden. Zwar gibt es in einigen Ländern schon einen hohen Ökostrom-Anteil, allerdings wird global gesehen der meiste Strom immer noch mit fossilen Brennstoffen hergestellt. Und die meisten Internetkonzerne lassen ihre Daten schließlich dort verarbeiten, wo der Strom am günstigsten - und nicht am grünsten ist.

In Sachen Video-Streaming müssten vor allem die Anbieter der Dienste ihre Praxis dringend überdenken, fordern die ExpertInnen. Diese würden mit ihren Einstellungen den Emissionsverbrauch unnötig in die Höhe treiben. So könnte man bereits Einsparungen erreichen, wenn man Funktionen wie die automatische Wiedergabe von Titeln ("Auto-Play") einschränken würde, auch könnte man die Wiedergabe-Qualität nicht automatisch auf die höchste Stufe einstellen. Dadurch würde man, global gesehen, die Emissionen bereits um einiges zurückfahren, glauben die ForscherInnen. Ob sich die profitorientierten Unternehmen auf diese Maßnahmen einlassen, ist allerdings mehr als fraglich - schließlich lukrieren Unternehmen wie YouTube mit der "AutoPlay"-Funktion einen Großteil ihrer Werbegelder.

"Umweltfreundlich" bingen?

Womit die Verantwortung letztlich wohl doch wieder an uns KonsumentInnen hängen bleibt. Wenn du also umweltbewusster "Bingen" willst, schalte die Qualität ein wenig hinunter und lasse Videos nicht unnötig im Hintergrund laufen - kurzum: nutze Streaming-Services bewusst und verzichte das ein oder andere Mal auf "die nächste Folge". Damit tust du letztlich nicht nur der Umwelt und deiner Stromrechnung was Gutes, sondern auch dir selbst.

 

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