Warum Mütter ihre Milch im Internet verkaufen

Das Geschäft mit der Muttermilch boomt - Hauptabnehmer sind aber nicht Mütter in Not.

Die Engländerin Jade Biddle (22) hat eine ungewöhnliche Methode, um an Geld zu kommen: sie verkauft ihre Muttermilch im Internet. An ihren ersten Kunden kann sie sich auch ganz genau erinnern: "Ein Mann zwischen 50 und 60 Jahren. Er klingelte an der Tür und sagte: ,Ich komme die Muttermilch holen.'" Er bezahlte rund 80 Euro für 890 Milliliter Milch.

Mit ihrer Verkaufsidee ist die junge Frau nicht alleine. Viele Frauen verkaufen ihre überschüssige Muttermilch an Fremde. Biddle erzählt in einem BBC-Bericht, dass es ihr dabei vor allem um das Geld geht: "Die Idee ging mir schon lange durch den Kopf. Zuerst wollte ich meine Milch einem Spital spenden." Doch die Tests und strengen Kontrollen der offiziellen Milchbanken machten ihr da einen Strich durch die Rechnung. Also verkaufte sie die Milch einfach im Internet. Um ihr Taschengeld aufzubessern, wie sie sagt. Denn schnell wurde ihre klar, dass die Abnehmer nicht Mütter in Not sind, sondern Männer.

Biddle gab ein Inserat auf der Online-Plattform "Only the Breast" auf, auf der Frauen ihre Milch für rund 10 Euro pro 100 Milliliter anbieten. Von ihren Freunden habe sie oft gehört, sie solle das nicht tun, weil sie nicht wisse, was mit der Milch passiere. "Aber das ist mir egal", sagt sie gegenüber der BBC.

Natascha (24) aus Nottingham wollte am Anfang auch Babys helfen, deren Mütter nicht genug Milch haben. "Am Anfang fand ich es sinnvoll, meine Milch an Familien zu verkaufen." Doch nur einen Monat später merkte sie: Ihre Kunden waren vor allem Männer. Die "Kunden" waren oft Sportler, die mithilfe der Muttermilch laut eigenen Angaben Höchstleistungen erreichen können. Aber es gäbe auch jene Männer, die einfach einen Fetisch für Muttermilch haben.

Gefährliche Keime

Doch ganz so ungefährlich ist das Ganze nicht: das Geschäft mit der Muttermilch ist ein umstrittener Trend. Ärzte und Behören warnen vor Viren, Bakterien und Giftstoffen, die mit der Muttermilch transportiert werden. Die Milch wird über den Blutkreislauf der Mutter erzeugt und kann auch Nikotinbestandteile, Medikamente, Erreger von Hepatitis C oder HIV enthalten.

Denn Websites wie Onlythebreast.com vermitteln nur die Kontakte, übernehmen aber keine Verantwortung. Weder werden die Spenderinnen überprüft, noch die Milch kontrolliert.

Die Universität Columbia führte im Jahr 2013 eine Studie durch, die zum Ergebnis kam, dass drei Viertel der im Internet verkauften Muttermilchproben so verkeimt sind, dass offizielle Milchbanken sie nicht annehmen würden.

Offizielle Milchsammelstellen

In Österreich gibt es derzeit zwei offizielle Milchsammelstellen, in denen Mütter ihre überschüssige Milch abgegeben können, eine an der Wiener Semmelweisklinik und eine an der Universitätsklinik Graz. Dort wird die Muttermilch untersucht, kontrolliert und pasteurisiert. Die Hauptabnehmer der Milchsammelstelle der Semmelweisklinik sind laut Website vor allem Spitäler, Neonatologien und Geburtenstationen. Die pasteurisierte Milch kann mit ärztlicher Verordnung zum Preis von 7,28€ pro Liter bezogen werden.

 

Aktuell