Warum Multitasking schlecht für Sie ist

Lange Zeit war es fast ein Statussymbol: gestresst sein, weil man alles gleichzeitig macht. Aber mittlerweile wird immer klarer, dass Multitasking nur stressig und ineffizient ist.

Können Sie gut multitasken? Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Frage mit Ja beantworten, ist relativ hoch – die Chance, dass das auch stimmt, sehr niedrig. Denn tatsächlich können sich nur zwei Prozent der Menschen auf mehr als zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren, ohne dass die Qualität ihrer Arbeit darunter leidet.

Der Multi-Mythos

Multitasking ist unmenschlich. Ganz wörtlich. Denn der Begriff kommt aus der Computersprache und beschreibt gleichzeitig ablaufende Rechenvorgänge in Prozessoren. Das Problem dabei? Unser Hirn kann nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Wenn wir versuchen, Dinge parallel zu machen, schalten wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder von der einen zur anderen Sache; ähnlich, wie wenn wir zwei Gläser Wasser gleichzeitig füllen wollen – da geht auch einiges daneben. Wie viel, das zeigten englische Forscher in einem Experiment: Sie machten IQ-Tests mit zwei Gruppen – die erste musste währenddessen immer wieder Mails beantworten, der zweiten wurde Marihuana verabreicht. Das Ergebnis? Deutlich besser abgeschnitten haben die Bekifften.

Wie häufig solche Unterbrechungen bei der Arbeit vorkommen, zeigt eine Studie aus Kalifornien: Dort wurden 24 Büroangestellte über 700 Arbeitsstunden beobachtet. Im Schnitt kamen sie alle elf Minuten auf eine Unterbrechung. Es dauerte 25 Minuten, bis sie wieder zu ihrer ursprüng­lichen Arbeit zurückkehrten. Und dann brauchten sie acht Minuten, bis sie wieder ganz bei der Sache waren. Bleiben also nur drei Minuten produktiver Arbeit bis zur nächsten Unterbrechung.

Süchtig nach Ablenkung

Aber nicht nur die anderen sind schuld am Stress, wenn sie uns mit E-Mails und Anrufen bombardieren. In ruhigen Stunden machen wir das auch selbst – schnell mal den Posteingang checken oder „zwischendurch“ was anderes erledigen. Impulsivität nennen das die Arbeitspsychologen Roman Prem und Bettina Kubicek von der Uni Wien. „Viele multitasken vielleicht nicht deshalb, weil sie es gerne möchten oder weil es nötig ist, sondern weil sie sich nicht auf eine Sache konzentrieren können.“

Und ein zweiter Faktor kommt auch noch dazu: das subjektive Gefühl, gerade besonders effizient zu sein, wenn man mit den Aufgaben jongliert. „Wenn man sehr viel erledigt und ein bisschen unter Druck steht, kann das positiv erlebt werden: Ich schaffe etwas, ich komme voran. Langfristig wirkt es negativ, weil Ressourcen erschöpft werden.“

Single sucht Tasking

Sich nur noch auf eine Sache konzentrieren. Etwas von Anfang bis Ende fertig machen – das klingt für viele nach reinem Wunschdenken. Was kann man tun, um Singletasker zu werden? „Grenzen setzen und nach außen kommunizieren, wann man konzentriert arbeiten muss“, empfiehlt Roman Prem. „Es ist auch wichtig, dass man Achtsamkeit übt und darauf schaut, was für einen selbst passt. Dann kann man seinen Job proaktiv gestalten.“

Devora Zack, Autorin von Die ­Multitasking-Falle. Warum wir nicht alles gleichzeitig können, hat eine ganze Sammlung von Singletasking-Tipps zusammengestellt: Sie empfiehlt, Aufgaben, die einem dazwischenkommen, an sicheren Orten zu „parken“. Das heißt, Sie unterbrechen Ihre Arbeit nur so lange, um zu notieren, was der Kollege braucht, und erledigen das erst, wenn Sie wieder Zeit haben. Zusätzlich können Sie ähnliche Aufgaben bündeln: Dann haben Sie fixe Zeiten, an denen Sie Mails beantworten oder Rechnungen ablegen – das nennt sich Clustertasking.

Und lernen Sie, früher Nein zu sagen, rät die Autorin. So vermeiden Sie Überforderung, die nur zu noch mehr Hin- und Herspringen führt. Dann wandelt sich mit der Zeit vielleicht auch die Einstellung der Chefs, die ihre Mitarbeiter gerne voll eingedeckt sehen. Vielleicht ist eines Tages Multitasking nur ein anderes Wort für chaotisch. Und welcher Chef will schon ein Team von Chaoten?

Lesen Sie unsere 6 Tipps für konzentriertes Arbeiten.

 

Aktuell