Warum mögt ihr mein Vogelhäuschen denn nicht, liebe Vögel?

WIENERIN-Kolumnistin Olivia Peter versucht sich seit kurzem als Hobbyornithologin mit eigenem Vogelhäuschen im Garten - doch irgendwie wollen die Vöglein nicht so wie sie.

Olivia Peter Juni Kolumne

Seit ich am Land wohne, also in der Wiener Vorstadt, bin ich ein wenig wunderlich. Ich begutachte beinahe stündlich den Blütenstand von Narzissen, Primeln oder Löwenmäulchen - und sehe ich nur den Hauch einer Blütenspitze, zucke ich aus wie damals beim Einser bei der Matheschularbeit. Ich unterhalte mich mit Nachbar*innen darüber, ob es klüger wäre, den Rasen zu vertikutieren oder zu aerifizieren (ja, es ist völlig okay, dieses Wort nicht zu kennen). Und fühle mich - das ist das wirklich Erschreckende (!) - nicht eine Sekunde seltsam dabei!

Vorstadtleben

Jetzt gibt es in meinem neuen Zuhause nicht nur Blumen, sondern auch Getier. Marder und Füchse, die in der Nacht lautstark kämpfen. Möglicherweise sind es auch miauende Füchse - ich trage meine Brille selten, da kann schon mal eine Katze als Fuchs durchgehen. Jedenfalls lebt da irgendwas, das gerne Häufchen in meinem Garten setzt. Und ganz viele Vögel gibt's auch. Solche, die - wenn sie nicht von den Fuchs-Katzen gefressen und anschließend als Häufchen ins Gras gesetzt werden - fröhlich durch die Lüfte sausen.

Ebenjenen Vögeln wollte ich etwas Gutes tun und habe ein Vogelhäuschen aufgehängt. Hoch oben in einem alten Mandelbaum. Ganz idyllisch. Mit vielen köstlichen Sonnenblumenkernen drin. Wenn der Wind bläst, schaukelt das grün-rot-gelbe Häuschen fröhlich vor sich hin. Wenn Schnee fällt, bildet sich eine süße Schneedecke auf dem schiefen Dach, und wenn die Sonne vom Himmel brennt, wirft es einen langen Schatten in den Garten. Vogel? Hat sich noch nie einer hineinverirrt.

Meine Mutter meint, das Häuschen sei zu grell und hinge an der falschen Stelle. Was macht man als gute Tochter? Man widerspricht! Lässt das Vogelhäuschen, wo es ist! Was macht man als gute Mutter? Man schenkt der Tochter ein anderes! Ein helles ohne Farbe, das sie dann aufhängen muss. War ja schließlich ein Geschenk. Jetzt hängen in meinem Garten zwei Vogelhäuschen. Das Grelle im Baum vor dem Haus. Das Helle im Baum hinterm Haus. Vögel? Sind weder da noch dort.

Ich befrage Dr. Google, wie man die Vögel denn zum Häuschen bringt. Dr. Google bringt mir Erleichterung, weil veranschaulicht wird: Ich bin nicht die einzige Komische auf der Welt. Auch in anderen Gärten sitzen wunderliche Hobbyornithologinnen mit genau jener Frage! Da stehen dann viele Gründe, und auch ein paar Tipps, wie man die Vögel anlocken kann. Machen wir es kurz: Ich habe alle versucht - keiner hat funktioniert.

Maus, Maus, komm heraus

Dafür habe ich jetzt Mäuse in der Gartenhütte. Die waren nämlich sehr begeistert vom Vogelfutter. Den Sonnenblumenkernen. Sie kommen jetzt regelmäßig vorbei. Auch ganz ohne Vogelhaus.

 

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