Warum mir dieser Weihnachtswahnsinn auf die Nerven geht

Die glitzernde Weihnachtskulisse glänzt nicht für alle.

Da sind sie also wieder: volle Einkaufsstraßen, Menschen, die hastig mit zwanzig Sackerln auf jedem Arm vorbeirauschen, überall glitzernde Schaufenster und vor Erschöpfung errötete, schnaufende Gesichter. "Bin im Stress" ist wohl der häufigste Satz, den man in dieser "besinnlichen" Zeit zu hören bekommt. Dabei ist die einzige "Ruhe", die man sich gönnt, der feierabendliche Punsch, der preislich schon mit einem Cocktail mithalten kann.

Die glitzernde Weihnachtskulisse glänzt nicht für alle


Was wir bei der ganzen Raserei aber allzu oft vergessen, ist innezuhalten und uns umzusehen. Da sieht man dann neben dem schönen Parfum, das man unbedingt der Mama schenken muss, auch jene, die sich neben U-Bahn-Schächten aufwärmen. Jene, die sich abends beim Suppenbus anstellen. Und jene, die froh sind, wenn sie an Heiligabend einfach nur einen ruhigen Schlafplatz bekommen. Denn auch das ist Wien: Während manche im Überfluss leben, zählen andere ihre Centmünzen. Jährlich werden rund 70.000 Tonnen Lebensmittel in Wien vernichtet - während 22,7 Prozent der EinwohnerInnen in hohem Armutsrisiko leben.

Neben den geschätzten 8.000 permanent Obdachlosen nehmen über 7.100 Menschen zeitweise Obdachloseneinrichtungen in Anspruch. Doch haben nicht alle Anspruch auf städtisch finanzierte Quartiere - diese bleiben Wienerinnen und Wienern vorbehalten. EU-BürgerInnen und Personen aus den Bundesländern müssen draußen bleiben - zumindest über den größten Teil des Jahres. Im Winter werden die Notquartiere aufgestockt. Susanne Peter, leitende Sozialarbeiterin in der Wiener Gruft, sagt im WIENERIN-Gespräch: "Wir haben Raum für Kinder, Hundezonen, aber für obdachlose Menschen wird der Raum knapper. Mein Wunsch wäre ein bisschen mehr Toleranz von allen Seiten."

Und die brauchen wir in dieser Zeit mehr denn je. Schließlich kann jeder und jede von uns einen Beitrag leisten - auch, wenn es "nur" ein Euro ist, den man schnell in einen Becher wirft. Damit schenken wir nämlich so viel mehr Freude als mit dem fünften 400-Euro-Smartphone, das niemand braucht.

Wenn Sie den Schlafplatz eines obdachlosen Menschen bemerken und rasch und unkompliziert helfen möchten, rufen Sie uns bitte unter dem Kältetelefon, 01-480 45 53, an. Das Telefon ist von November bis Ende April rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche besetzt. Sie können uns auch eine Nachricht auf Band hinterlassen, wenn besetzt ist oder eine E-Mail an kaeltetelefon@caritas-wien.at schicken.

 

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