Warum Menstruation im Sport kein Tabu sein sollte

Regelschmerzen kosteten der Sprint-Favoritin Dina Asher-Smith den EM-Sieg. Die britische Athletin ist sich sicher: Wäre die Menstruation Männersache, wäre das nicht passiert. Sie fordert, dass der Einfluss der Periode auf die sportliche Leistung von Sportlerinnen besser erforscht wird.

Dina Asher-Smith bei den Women Championships in Eugene, Oregon 2022

Wer die Regel bekommt, weiß: Die ersten Tage sind die Hölle! Bauchkrämpfe, Übelkeit und Stimmungsschwankungen bestimmen den Alltag. Vor lauter Schmerzen kippen manche Frauen in den schlimmsten Fällen sogar im Bus oder auf'm WC um. Wie eine dunkle Wolke begleitet uns neben den körperlichen Schmerzen auch die ständige Sorge, nicht durch unsere Kleidung zu bluten. Und während sich eben die Schleimhaut von unserem Uterus ablöst, wird in den meisten Fällen auch noch Produktivität von uns erwartet. Wir sind ja schließlich (Super-)Frauen und beherrschen Multitasking.

Mit Schmerzmitteln gedopt, schleppen wir uns also in die Arbeit. In einem Bürojob ist das vielleicht noch möglich – auch wenn moralisch verwerflich. Doch was passiert, wenn Sportlerinnen während einer Europameisterschaft ihre Tage bekommen? Geben diese dann die Chance auf einen Sieg, für den sie hart trainiert haben, auf? Natürlich nicht! Die Sprinterin und EM-Finalistin Dina Asher-Smith hat diese Situation nun am eigenen Leib erlebt. Ihre Kollegin Imani-Lara Lansiquot stand ihr bei. Auch sie hatte zur selben Zeit ihre Periode. Die Athletinnen beschreiben, warum es wichtig ist, offen über Menstruation im Sport zu sprechen.

"Girl Problems"

Es hätte ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den zwei schnellsten britischen Sprinterinnen werden sollen. Eine von ihnen war Dina Asher-Smith. Neben anderen Läuferinnen trat die britische Rekordhalterin als Favoritin bei der Europameisterschaft 2022 in München an. Beim Wettkampf klagte die Sprinterin allerdings über Wadenkrämpfe. Für das Publikum kam dieses Handicap überraschend. Und für den Sieg reichte der Einsatz der Sportlerin am Ende leider auch nicht. Dina erklärte in einem Interview "noch nie in ihrem Leben solche Krämpfe gehabt zu haben", wie der Guardian berichtet. Der Auslöser? Regelschmerzen. Oder wie die Sportlerin sagte "Girl Stuff".

"Es ist frustrierend", beschreibt sie, "es ist wirklich schade, weil ich eigentlich in Topform bin. Oft kommt es vor, dass Mädchen, die normalerweise gut performen, auf einmal einen Einbruch in ihrer Leistung haben. Auf die Außenwelt wirkt diese Veränderung komplett random. Doch hinter den Kulissen hat die Sportlerin einfach gelitten". Die 26-Jährige fordert, dass der Einfluss der Periode auf die sportliche Leistung von Sportlerinnen besser erforscht wird. Welche Daten gibt es zum Thema Menstruation im Sport bzw. am Arbeitsplatz bisher?

Rotes Tabu

Laut einer Umfrage des Stern-Magazins geben 70 % der befragten Frauen an, sich mit Schmerzmitteln in die Arbeit zu schleppen, obwohl sie sich wegen ihrer Periode arbeitsunfähig fühlen. Außerdem waren rund 50 % der arbeitsfähigen Menstruierenden schon einmal wegen ihrer Periode im Krankenstand. Diese Tatsachen sollten von Arbeitgeber*innen nicht ignoriert werden.

Sowohl am Arbeits- als auch auf dem Sportplatz. "Ich denke, wenn das eine Männersache wäre, hätten wir Millionen Lösungsansätze, um dieses Problem zu bekämpfen", so Dina. Auch ihre KolleginImani-Lara Lansiquotbestätigt: "Es sollte viel mehr Förderungen geben! Ich habe gerade meine Tage. Ich bin mir sicher, dass wir alle schon einmal in der Situation waren und einfach nichts gesagt haben, nicht einmal zu anderen Frauen. Einfach weil es sich wie ein riesen Tabu anfühlt, über das nicht geredet werden darf." Wer also (im Sport) über die Periode spricht, bricht ein Tabu. So können Lösungen gefunden und sogar die Produktivität erhöht werden. Nämlich durch besseres Verständnis, Offenheit und den gemeinsamen Austausch.

 

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