Warum man nicht glücklich ist, nur weil man "schön" ist

Denkst du auch, dass Schönsein glücklich macht? Emily Ratajkowski, ein US-Model mit polnischen Wurzeln, erzählt in ihrem Buch von gegenteiligen Erfahrungen.

Frau mit nacktem Oberkörper

Emily Ratajkowski ist schön, schlank und sexy. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ist ihr Verhältnis zu ihrem Körper ein Schlachtfeld. Ihr Buch My Body: Was es heißt, eine Frau zu sein, ein New York Times-Bestseller, der soeben auf Deutsch erschienen ist, erlaubt den Blick in das Leben und die Gedanken des bald 31-jährigen Supermodels.

Und auch, wenn die Beschreibung „schön, schlank, sexy“ vielleicht nicht vollständig auf dich und mich zutrifft, so er­innern Emilys Zeilen doch daran, warum es uns Frauen oft schwerfällt, uns in unserem Körper sicher und geborgen zu fühlen und zufrieden zu sein.

Die Abwertung weiblicher Lust

Für die Außenwelt begann Emilys Karriere 2013 mit dem Video zum Song Blurred Lines von Robin Thicke. Darin tanzte das damals 21-jährige Model zusammen mit zwei anderen jungen Frauen nackt bis halb nackt zwischen drei angezogenen Musikern. Das Team hinter der Kamera bestand aus Frauen. Emily hatte Spaß am Herumtanzen.

Dann erschien das Video und das Model wurde dafür als antifeministisch kritisiert. Nach dem Motto "Mein Körper – meine Regeln" konterte sie damit, sie würde lediglich selbst­bewusst mit ihrer Nacktheit und Sexualität umgehen: "Das Problem bestand für mich nicht darin, dass junge Frauen sich selbst sexualisierten, sondern in deren Erniedrigung. Warum sollten wir uns anpassen, uns für unseren Körper entschuldigen und ihn verhüllen?"

Wenn der Körper zur Ware wird

Beim Videodreh kam Sänger Robin Thicke nach einer Mittagspause angetrunken zurück. Beim Drehen fasste er Emily an die Brust, das Frauenteam war sprachlos. Die Regisseurin reagierte mit einem peinlich berührten "Nicht vergessen – keine Berührungen!", dann wurde wieder gedreht.

Emily empfand Scham, schüttelte sie aber ab und wollte kein Drama daraus machen – schließlich arbeiteten ja alle für den Mann. Sie schreibt: "Mit nur einer Geste hatte Robin Thicke alle am Set daran erinnert, dass wir Frauen in Wahrheit nichts zu melden hatten. Als nackte Tänzerin in seinem Video hatte ich keine echte Macht, ich war nichts anderes als ein gemietetes Mannequin."

Ich betrachte meinen Körper. Er fühlt sich nicht an, als gehöre er mir. Er ist nur ein Werkzeug.

von Emily Ratajkowski

Der Körper merkt sich unangenehme Situationen

Emily beschreibt, wie sie in unangenehmen Situationen wie bei Castings oder Fotoshootings mit sich unangebracht verhaltenden Fotografen ihren Körper als von sich getrennt empfindet: "Ich betrachte meinen Körper. Er fühlt sich nicht an, als gehöre er mir. Er ist etwas, aber kein Teil von mir. Sie können mich so viel ansehen, wie sie wollen, denn sie haben recht – mein Körper ist nur ein Werkzeug." Sie sagt: "Es fällt mir schwer, mich in meinem Körper wohlzufühlen – und einfach zu sein."

Der Körper weiß bescheid

Emily beendet ihr Buch mit dem Besuch bei der Therapeutin. ein Schlüsselmoment, in dem sie ihre Wut mithilfe bereitgelegter Wasserbomben aus sich rausschleudern soll. Das ist Emily zuerst peinlich, dann fordert die Therapeutin Emily auf, statt der bunten weichen Wasserbomben ein Einmachglas gegen die Wand zu schleudern. Sie sagt: "Es hilft, an jemanden zu denken, den du bestrafen willst." Emily wirft, das Glas zersplittert in tausend Teile. Die Therapeutin sagt: "Der Körper weiß Bescheid."

 

Aktuell