Warum lassen wir uns abwerten und zahlen auch noch dafür?

Kommentar. Nach einem Interview mit Marktexpertin Dr. Helene Karmasin wundert sich Beauty-Redakteurin Lucie Knapp über das Body Shaming der Kosmetikindustrie und fasst einen guten Vorsatz.

Laut Marktforscherin Dr. Helene Karmasin werden Kosmetika mithilfe eines fragwürdigen Frauenbildes verkauft. "Frauenkörper werden prinzipiell als defizitär dargestellt: Hier dringt was nach außen (Tränen, Cellulite). Da bricht was zusammen. Man muss dauernd Ratschläge geben."

Nach dem Gespräch frage ich mich: "Geht’s uns eigentlich noch gut? Da lassen wir Frauen uns einreden, dass wir fehlerhaft und falsch sind, dass wir sogar konstant schlechter werden und befeuern die Industrie auch noch, indem wir einen Haufen Geld für vermeintlich rettende Gegenmaßnahmen ausgeben. Im Kosmetikbereich vertrauen wir dabei anscheinend vor allem auf männliche Wissenschaftler.

Es ist zum Heulen.

Neben dem Heulen muss ich dann auch noch speiben, wenn Presseaussendungen in meinen E-Mails landen, die Männerparfums so bewerben: „Seit Jahrtausenden fasziniert uns das männliche Geschlecht mit denselben Attributen: überragende Muskelkraft, geistige Überlegenheit und betörende Männlichkeit. All das haben wir jetzt in flüssiger Form parat: Das Parfum Blablabla - die reine, feine und pure Essenz des Mannes!“

Geistige Überlegenheit? Kotz!

Ist es uns denn nicht zu blöd, dass da viel Geld mit der Abwertung unserer Körper gemacht wird? Die Amerikaner nennen dieses Beschämen anderer Menschen über deren Physiognomie "Body Shaming". Passiert im Kleinen, z.B. in Schulen zwischen Kindern und Jugendlichen oder in der Familie, wenn Eltern das Aussehen ihrer Kinder kritisieren. Aber auch im Großen: Die Beauty Industrie ist das beste Beispiel und Frauenzeitschriften sind ein Rad im Gefüge. Sorry dafür - keine Absicht sondern vielmehr allgemeiner Modus, den wir alle leben.

Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wenn ich nicht als 13jährige gelesen hätte, was Cellulite oder Hängebrüste sind und das die schlecht sind? (Stichwort Kneif- und Bleistifttest)

Ohne mich!

Jedenfalls will ich als Beauty-Redakteurin niemand anderem einreden, dass sein Körper, sein Gesicht schlechter ist als das eines anderen. Daher fasse ich einen Vorsatz für meinen Job bei der WIENERIN für 2016: Beauty ohne Shaming.
Haut, Haare, Make-up und Schönheit - die Themen, über die ich gerne schreibe, werden bleiben - aber die unbewusste Abwertung weiblicher Körper wird darin keinen Raum haben.

Mal sehen, wie das wird!

Hier geht's zum gesamten Interview mit Dr. Helene Karmasin.

 

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