Warum Kuscheln in einer Beziehung genauso wichtig ist wie Sex

Ja, eh: Ein gesundes Sexleben ist die Basis einer glücklichen Beziehung. Bevor jetzt aber alle Langzeit-Pärchen nervös aus ihrer Kuscheleinheit hochschrecken: Keine Sorge! Ihr macht ziemlich viel richtig.

Kuscheln ist genauso wichtig wie Sex

Nach ein paar Jahren Beziehung reißt man einander nur noch selten voller Leidenschaft die Kleider vom Körper. Sachtes Ausziehen der eigenen Hose und ein wohliges Schlüpfen in die Jogginghose, bevor man sich auf der Couch aneinanderkuschelt, sind schon eher Alltag. Das ist völlig normal: "Nach einer Zeit der Verliebtheit verändern sich schlicht und ergreifend die Hormone, die beim Anblick der Partnerin oder des Partners ausgeschüttet werden", zitiert ze.ttdie Sexexpertin Yella Cremer. "Verstärkend kommt hinzu, dass wir Liebe und Sex im Alltag oft viel zu wenig Zeit einräumen."

Wenn wir kuscheln, erzeugen wir Nähe

In jeder Beziehung verändert sich der Sex mit der Zeit. Aufregung und Leidenschaft kommen eben auch mit dem Unbekannten. Ist man schon länger zusammen, kennt man den/die PartnerIn schon und weiß, woran man ist - und was sich für beide gut anfühlt. Das geht zu Lasten der Schmetterlinge, schafft dafür aber Sicherheit. "Immer Sex zu wollen, der so ist, wie er war, als man sich frisch kennengelernt hat – das ist wie zu erwarten, dass die Stadt, in der man wohnt, sich jeden Tag wie die Lieblingsurlaubsstadt beim ersten Besuch anfühlt“, sagt Cremer. Bei öfteren Besuchen, verläuft man sich in der einst fremden Stadt ja auch nicht mehr so leicht. Dafür beschleicht einen das schöne Gefühl des Ankommens - und diese Analogie ist nicht so weit von vertrautem Sex weg, wenn wir ehrlich sind.

Manche ExpertInnen meinen, wie oft Paare miteinander kuscheln sage sogar mehr über den Zustand einer Beziehung aus, als die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. Eine Studie aus 2015 kam gar zu dem Ergebnis, dass es auch beim Sex die Nähe und Zärtlichkeit wären, die uns glücklich machen würden. Cremer sieht das ein bisserl pragmatischer und meint: "Am meisten verrät es daher über den Zustand der Beziehung, ob Paare beides tun. Sowohl Kuscheln als auch Sex erfüllen wichtige Bedürfnisse nach Kontakt, Nähe und Intimität."

Kuscheln hilft über sexlose Phasen hinweg

Und wenn es - aus Gründen, und hey! die können echt vielfältig sein - mal länger eine sexuelle Flaute geben sollte, sorgt ausgiebiges Kuscheln trotzdem für das nötige Zusammengehörigkeitsgefühl. "Sex ist kein Pflichtfach in der Beziehung", betont Cremer. "Viele Paare haben Zeiten, in denen sie weniger Sex haben. Ein Schwerpunkt auf Kuscheln lässt zum Beispiel Paare mit kleinen Kindern sexlose Zeiten überstehen." Streicheln, Küssen und Umarmen würde den "Hauthunger" stillen, durch die körperliche Nähe wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, das auch beim Orgasmus, während der Geburt und beim Stillen freigesetzt wird.

Bevor du jetzt rufst: "Aber die anderen haben doch alle sooo viel Sex!" Stop! Vom Vergleich mit anderen Paaren rät Cremer ausdrücklich ab, die Balance zwischen Sex und Kuscheln sei sehr individuell und nach außen sehr selten sichtbar. "Dann denken viele, alle anderen hätten ständig fantastischen Sex, nur sie nicht." Das kann für unnötigen Druck sorgen - und der ist weder für guten Sex noch für gutes Kuscheln hilfreich. Schlussendlich komme es ohnehin nur auf die eigenen Bedürfnisse und die des/der PartnerIn an - seid ihr in Sachen Sex und Kuscheln voll auf einer Wellenlänge, können euch alle Anderen echt egal sein.

 

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