Warum ist kontrolliertes Weinen so gut für uns?

Manchmal muss man einfach eine Stunde zu Titanic schluchzen. Macht ihr das auch? Und was hilft euch dabei, wenn ihr bewusst weinen möchtet, um Stress abzubauen?

Warum ist kontrolliertes Weinen so gut für uns?

Warum existieren Filme wie Beim Leben meiner Schwester, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, P.S. Ich liebe dich, The Notebook oder Drei Schritt zu dir? Meiner Meinung nach gibt es dafür nur einen einzigen, logischen Grund. Für kontrolliertes Weinen. Wer sich jetzt denkt "Oh Gott", die*den bitte ich kurz innezuhalten und mir zu zuhören.

Kennt ihr das, wenn ihr eine furchtbare Woche hattet. Es sind Unmengen Scheiß-Dinge passiert. Und ihr wisst genau, wenn jetzt noch eine winzige Kleinigkeit dazu kommt, und sei es nur dass jemand euren Lieblingsjoghurt aus dem Kühlschrank klaut, dann wars das. Dann ist es zuviel. Dann sitzt ihr mit einem Mental Breakdown am Boden und weint?

Besser kontrolliert als in der U-Bahn

Genau. Und darum geht es. Manchmal passieren viele Kleinigkeiten, die alle nicht groß genug wären, um ein Grund zu sein, um zusammen zu brechen. (Das sind diese Momente wo irgendwelche Idioten dann fragen "DESWEGEN weint sie jetzt?" Nein. Nicht deswegen.)

Aber sie summieren sich. Und summieren sich. Und irgendwann ist der Geduldsfaden so dünn, dass jeder weitere Tropfen das Glas zum Überlaufen bringen wird. Und das ist weder hübsch, noch praktisch. Denn wer weiß wann das passiert. In meinem Fall gerne in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und im Zug oder der U-Bahn weinen ist zwar sehr dramatisch, aber nicht besonders nachhaltig.

Druck rauslassen

Und genau aus diesem Grund gibt es meiner Meinung nach die angesprochenen Filme. Damit man bewusst und reguliert diese Gefühle abbauen kann. Durch kontrolliertes Weinen. Weiß ich, dass ich Rotz und Wasser weinen werde, wenn ich Das Schicksal ist ein mieser Verräter aufdrehe. Natürlich! Aber das mache ich ja genau deshalb. Weil ich das brauche. Weil ich diesen Gefühlen Raum geben muss, bevor diese während eines Meetings, einem Interview, nach zwei Gläsern Wein oder in öffentlichen Verkehrsmitteln (again, schon viel zu oft passiert) einfach Aufmerksamkeit verlangen. Das Schönste beim kontrollierten Weinen ist nämlich, dass man vielleicht wegen Hazel und ihrer Krebsdiagnose zu weinen beginnt. Aber wenn man dann schon dabei ist, kann man sich reinwaschen.

Medizinische Fakten

Und jede*r, die*der sich jetzt denkt, dass diese Theorie kompletter Wahnsinn ist: Stopp, ich habe dazu Fakten. Und zwar von Harvard Medical Research. Dort wurde untersucht, ob Weinen gut für uns ist. Und die Antwort ist: JA! Forscher haben festgestellt, dass beim Weinen Oxytocin und körpereigene Opioide, auch bekannt als Endorphine, freigesetzt werden. Diese Wohlfühlchemikalien helfen, sowohl körperliche als auch emotionale Schmerzen zu lindern.

Und das sind keine News. Der medizinische Nutzen des Weinens ist bereits seit der Antike bekannt. Denker*innen und Ärzt*innen des antiken Griechenlands und Roms vertraten die Ansicht, dass Tränen wie ein Abführmittel wirken, das uns entleert und reinigt. Weinen ist ein wichtiges Sicherheitsventil, vor allem weil das Zurückhalten schwieriger Gefühle - was Psycholog*innen als repressive Bewältigung bezeichnen - unserer Gesundheit schaden kann. Studien haben repressive Bewältigung mit einem weniger widerstandsfähigen Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck sowie mit psychischen Erkrankungen wie Stress, Angst und Depression in Verbindung gebracht.

Gemeinsames Weinen

Also bitte. Weinen ist gut für uns. Dabei muss man sagen: Ist es vielleicht etwas seltsam, dass wir (vor allem Frauen) bewusst Filme anschalten um zu weinen? Vielleicht. Aber ist es trotzdem besser als in die Welt hinaus zu gehen, die Gefühle runterzuschlucken und dann jemand in einer Bar anzustänkern und einen Streit zu beginnen? Um Welten!

Ermutigt deshalb auch gerne eure Partner*innen mit euch zu weinen. Denn wenn man gemeinsam weint, werden Bindungshormone ausgeschüttet, die euch noch näher verbinden. Weinen für Männer ist nämlich schon lange nicht mehr out! Gefühle in sich reinfressen dagegen schon.

 

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