Warum ist die Friendzone eigentlich Blödsinn?

Denn viele Beziehungen entstehen aus Freundschaften.

Friendzone Blödsinn

In die Friendzone geschoben werden, ist wahrscheinlich uns allen ein Begriff. Es ist der Moment, wenn man entscheidet, dass man eine Person zwar leiden kann und gerne mit ihr*ihm befreundet sein möchte, aber man kein sexuelles bzw. romantisches Interesse hat. Es ist wahrscheinlich eines der Phänomene, über das in der Popkultur am meisten Scherze gemacht wurde und eine Box, in die vor allem "nette Männer" ihrer Meinung nach gerne geschoben werden. Oder das zumindest behaupten.

Freundschaft weniger wert?

Dabei hat dieses Konzept einen gravierenden Fehler. Eigentlich sogar zwei. Denn einerseits macht es deutlich, dass eine Freundschaft ein Trostpreis ist und romantische oder sexuelle Verbindungen mehr wert sind als Freundschaften. Es ist nicht so, dass Menschen (auch wenn sie Singles sind) permanent auf der Suche nach einer sexuellen oder romantischen Verbindung sind. Davon wird aber häufig ausgegangen. Singles kennen dieses Problem vermutlich zur Genüge. Grund dafür ist, dass lange Zeit eine Partnerschaft und Fortpflanzung das große Ziel von Menschen war. Diese Werte verändern sich gerade, aber zu langsam, als dass diese Veränderung nachdrücklich spürbar ist. Die Ideen bleiben in uns verhaftet. Viele von uns leben immer noch unter diesem Einfluss und dieser Normen.

Freundschaft wird manchmal Liebe

Der zweite Fehler dieses Konzepts ist, dass sich viele Beziehungen aus Freundschaften heraus entwickeln. Die Friendzone ins Lächerliche zu ziehen ist damit ein dummer Fehler. Denn wenn jemand mit dir befreundet sein möchte, dann heißt das, dass diese Person gerne Zeit mit dir verbringt, dass sie dir vertraut, gerne mit dir spricht und sich in deiner Umgebung wohl fühlt. Das ist nicht wertlos.

Bäng, bam, Liebe

Natürlich gibt es Menschen, die sich kennen lernen und da sind sofort Funken und sexuelle Spannung. Bäng, bam, Liebe oder Liebe auf den ersten Blick. Doch gerade diese Funken und sexuelle Spannung sind oft nicht das, was zu einer langfristigen, funktionierenden Beziehung führt. Funktionierende Beziehungen brauchen häufig ähnliche Einstellungen, Gesprächsthemen, gleiche Wertvorstellungen, Sympathie. All die Dinge, die man in einer Freundschaft hat.

Denn gerade aus Freundschaften entstehen immer und immer wieder Beziehungen. Wir kennen das aus Serien, Büchern und Filmen. Und viele von uns wissen: Kaum etwas ist so sexy wie ein langes, vertrautes Gespräch. Menschliche Beziehungen, darunter auch Freundschaften, verändern sich ständig.

Unglaublich viel Zeit

Und eigentlich gibt es sogar noch einen dritten Fehler bei dem Konzept. Denn was die Friendzone auch aussagt, ist dass Freundschaft und Beziehung nichts miteinander zu tun haben. Das stimmt aber in vielen Fällen nicht. Optimalerweise ist ein*e Partner*in auch ein*e gute*r oder sogar der*die beste Freund*in. Sexuelle Spannung allein reicht nicht, um miteinander alt zu werden. Du wirst mit einem*einer Partner*in hunderttausende Mahlzeiten einnehmen, hunderte Urlaube machen, täglich mehrere Entscheidungen treffen für den Rest eures Lebens (oder zumindest der Zeit der Beziehung). Wäre es nicht gut, wenn ihr auch Freund*innen seid?

Freundschaft ist kein Trostpreis. Egal ob sich eine Beziehung daraus entwickelt oder nicht. Und es so zu behandeln zeigt eigentlich, dass man mehr am Körper oder den sexuellen Möglichkeiten mit einer Person interessiert ist, als an der Person selbst.

 

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