Warum intelligente Menschen so oft unglücklich sind

Sollten intelligente Menschen nicht mehr Möglichkeiten haben, ihr Glück zu maximieren? Ein Professor geht dem Paradoxon auf den Grund, warum so viele intelligente Menschen unglücklich sind.

Es gibt einige Dinge von denen bewiesen ist, dass sie glücklich machen: enge soziale Verbindungen, sich mit Dingen zu beschäftigen, in denen man talentiert ist und die Freiheit, Entscheidungen autonom zu treffen. Was nicht dazu gehört: Bildung, Reichtum und Intelligenz.

Du bist doch intelligent, warum bist du dann nicht glücklich?

Aber sollten intelligente Menschen nicht eher fähig dazu sein, Lebensentwürfe umzusetzen, von denen sie wissen, dass sie glücklich machen? Der Marketingprofessor Raj Raghunathan hat sich damit beschäftigt und die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus diesem Bereich in dem Buch "If You're So Smart, Why Aren't You Happy?" zusammengefasst. The Atlantic hat den Autor zum Interview getroffen.

Erfolg anders definieren

Laut Raghunathan hat das Unglück intelligenter Menschen etwas mit ihrer Herangehensweise an Erfolg zu tun. Man kann Erfolg darin definieren, sehr gut in einer bestimmten Aktivität zu werden. Die meisten Leute definieren ihren eigenen Erfolg aber immer im Vergleich zu anderen, und wollen Die Beste in etwas sein.

Das nächste Problem besteht darin, dass es sehr viele Parameter gibt, anhand derer man Menschen vergleichen kann. Eine Professorin kann man beispielsweise daran vergleichen, wie ihre Schülerinnen sie evaluieren, wie viele Schüler die Prüfung bestehen oder wie viele Auszeichnungen sie bekommt. Menschen neigen dazu, sich anhand klar definierbarer Parameter wie Gehalt und oder externe Auszeichnungen zu vergleichen. Diese Größen sagen aber nichts darüber aus, wie gut jemand seine Arbeit macht. Außerdem verschiebt man seine Vergleichswerte sehr schnell nach oben. Nach einer Gehaltserhöhung beispielsweise gewöhnt man sich sehr schnell an das höhere Einkommen und ist wieder unzufrieden.

Sich auf darauf konzentrieren, was man gerne tut

Die alternative Herangehensweise laut Prof. Raghunathan ist es, sich darüber klar zu werden, worin man besonders gut ist und was einem Spaß macht. Wenn es nicht um den Vergleich geht, steuert man intuitiv auf etwas zu, das einem Freude bereitet. Wenn man sich lange genug darauf konzentriert, sind die Chancen ohnehin sehr gut, dass man sehr gut darin wird und Geld, Status und Macht werden ein Nebenprodukt dieses Erfolgs.

Prof. Raghunathan unterscheidet diese beiden Weltbilder in eine Mangel- und eine Überfluss-basierte Sichtweise. Bei der Mangel-basierten Sichtweise glauben Menschen, dass ihr Erfolg auf Kosten von jemand anderes' Verlust kommt und er vergleicht sich regelmäßig. Wer seine Sichtweise an Überfluss orientiert, hat das Gefühl, dass es genug Erfolg und Raum für alle gibt.

Um das Gefühl von Mangel zu überkommen, schlägt der Wissenschaftler vor, Glücksgefühle weniger an Erfolgserlebnisse zu knüpfen und die Aufmerksamkeit mehr auf kleine Dinge zu lenken, die einen glücklich machen.

 

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