Warum immer mehr Mädchen und Frauen ADHS haben

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität wird ja meist mit Männern und Buben in Verbindung gebracht. Doch immer mehr Frauen und Mädchen leiden daran, zeigt eine neue Studie.

DasAufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität wird in der Gesellschaft meist mit jungen Buben in Verbindung gebracht, die nicht ruhig sitzen können. Bei Mädchen können die Symptome aber anders aussehen - auch weil viele sie verstecken. Deshalb wurden sie bei Mädchen lange nicht erkannt - bis jetzt.

Denn immer mehr Frauen und Mädchen leiden an ADHS, zeigt eine neue Studie im The Journal of Clinical Psychiatry. Die Diagnosen seien demnach zwischen 2003 und 2011 um 55 Prozent gestiegen. Bei den Buben waren es 40 Prozent. Bei Frauen zwischen 26 und 34 sind die ADHS-Rezepte zwischen 2008 und 2012 um 85 Prozent gestiegen.

Zu wenig Forschung über Mädchen


Die ForscherInnen schreiben, dass sich ADHS bei Mädchen anders auswirkt und schlimmere Folgen haben kann: "Im Gegensatz zu Buben, die ihre Hyperaktivität herzeigen, gehen die Symptome bei Mädchen eher in die Richtung von Unaufmerksamkeit und Desorganisation. Mädchen entwickeln ADHS später als Jungs. Sie verstecken es oft, um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen. Und während manche Symptome bei Buben nach der Pubertät weniger intensiv werden, werden sie für viele Mädchen schlimmer."

Das größte Problem dabei sei, dass viele Mädchen nicht wissen, dass sie an ADHS leiden, was dazu führt, dass sie sich fragen, warum sie schlecht in der Schule sind und sich daraufhin weniger Selbstbewusstsein, Essstörungen und gewalttätige Beziehungen entwickeln - bis hin zum Selbstmord.

"Wir haben eine verlorene Generation von Frauen, die spät in ihrem Leben eine ADHS-Diagnose bekommen haben, die versucht haben, die Situation selbst zu managen", schreibt die Klinische Psychologin Michelle Frank. "Viele fragen sich, was anders gelaufen wäre, hätten sie es früher gewusst." Ähnlich wie bei Autismus habe sich die ADHS-Forschung viel zu lange nur um junge weiße Buben gekümmert. Nur ein Prozent der Forschung rückte Mädchen ins Zentrum.

 

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