Warum ich Schlafenszeit von Herzen hasse

Wenn ein Tag voller "Mamaaaaa" zu Ende geht, sind die Batterien manchmal leer. Zu leer für noch eine Geschichte, noch ein Glas Wasser. Ein ehrlicher Bericht von der "Schlaf endlich!"-Front.

Mama? Mamaaa! Mamaaaaa!

Die Szenerie kommt euch wahrscheinlich bekannt vor. Du hast dich gerade hingesetzt, endlich. Du hast ein Glas Wein in der Hand oder endlich mal einen warmen Kaffee, vielleicht eine Tafel Schokolade liebevoll auf dem Couchtisch vor dir drapiert. Was. Zum. Teufel braucht das Kind jetzt noch?! Du weißt es natürlich. Du kennst den Ablauf, du hast ihn hunderte Mal durchlebt. Noch ein Glas Wasser. Nochmal aufs Klo. Noch ein Bussi. Noch einmal die Decke richten. Das Kuscheltier suchen. Vielleicht hat es wieder den komischen Schatten gesehen. Oder ein Geräusch gehört. Oder Rotz in der Nase.

Wer weiß das schon. Du bleibst kurz sitzen und überlegst, ob das Kind vielleicht eh gleich einschläft. Ohne, dass du jetzt aufstehen musst.

Schließlich stehst du doch im Ganz und schreist flüsternd (Eltern wissen, was ich damit meine): „Waaas?“ Denn wehe, durch das Theater wacht das kleine Kind auf. In dir lebt die Hoffnung, dass du das Kind beruhigen kannst, ohne dass der Kaffee wieder kalt wird und du die Sendung oder den Film, fassen wir es als „Erwachsenenprogramm“ zusammen, auf Pause schalten musst.

"Mamaaaa!" - "Ich komm gleich!"

Natürlich liegst du falsch. Also drückst du den „Pause“-Knopf und stoppst die wertvolle Zeit, auf die du dich gefreut hast, seit deine Zweijährige morgens um 5.30 singend auf dem Töpfchen saß und zum ersten Mal nach dir geschrien hat.

Du holst den letzten Rest Geduld aus deinem müden Körper und gehst ins Kinderzimmer. Noch einmal.

Kannst du mir noch eine Geschichte vorlesen?, fragt das Kind, während es ein Buch in der Hand hält und mit seinem Finger auf die 10 Zentimeter freien Platz in seinem Bett zeigt, der nicht mit Kuscheltieren und Playmobil-Figuren übersät ist.

Ja, sicher, ich … ich muss nur schnell … ich komm gleich.

Aber du kommst nicht, nicht gleich, nicht später. Heute Abend nicht. Zumindest nicht, wenn du ich bist.

Bevor jetzt die Supermamas mit endlosem Geduldsfaden die Heugabeln zücken und zur Jagd auf mich Rabenmutter rufen: Ich mache das alles. Ich lese Bücher, ich frage mein Kind, wie sein Tag war, worüber es im Kindergarten heute am lautesten gelacht hat, ich kuschle, küsse und sage ihm, wie lieb ich es hab.

Wenn das Mama-Glas leer ist

Aber an manchen Abend tue ich das nicht. An diesen Abenden ist das Mama-Glas einfach leer.
Wenn es kurz vor 21 Uhr ist und ich seit 16 Stunden auf den Beinen bin. 16 Stunden, die mit „Mama, kannst du auswischen kommen“ begonnen haben, mit Cornflakes und kindlichen Wutanfällen angesichts der falschen Cornflakes. Die damit enden, dass das Abendessen nicht schmeckt und das Kind im Bett weint, weil es hungrig ist, mit Geschwisterstreits und Mama, Mamaaa, Mamaaaa

An manchen Abenden ist Mama durch damit. Dann hat sie keinen Bock mehr. Und dann ist dieses „noch eine Geschichte“ einfach eins zu viel.

Ich habe nur eine bestimmte Kapazität für einen 24-Stunden-Tag (der meistens mitten in der Nacht beginnt). Ich starte ihn mit Geduld, Energie und Verständnis. Aber irgendwann sind die Ressourcen erschöpft. Meistens reicht es noch für das Zu-Bett-Bringen, aber manchmal tut es das nicht. Dann wird aus einer kleinen Bitte meines Kindes eine für mich unmögliche Anstrengung.

Dann sage ich „Ich komm gleich“ und bete, dass das Kind heute einfach einschläft. Ich gehe zurück zur Couch, drücke auf „Play“ und atme lang und tief durch.

 

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