Warum ich nicht arbeiten möchte, wenn ich meine Tage habe

Mit Schmerzen arbeiten gehen? Das geht gar nicht. Freiwilliger Menstruationsurlaub sollte in Unternehmen die Regel sein.

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Kennt ihr diesen einen Traum, der immer wieder kommt? Dieser eine, in dem ihr eine Prüfung schreiben müsst und den schlimmsten Schweißausbruch eures Lebens habt, weil ihr nicht gelernt habt. Der Traum fühlt sich so real an, dabei seid ihr schon längst aus der Schule oder Uni raus. Nein? Ich auch nicht.

Dafür habe ich schon öfter geträumt, dass ich panisch in meiner Wohnung herumlaufe, weil ich meine Tampons und Schmerzmittel nicht finden kann. Und die Schmerzen in meinem Unterleib und Beinen immer schlimmer werden, während ich mich für die Arbeit fertig mache. BOOM! Es ist fünf Uhr morgens und plötzlich reißt mich ein stechender Schmerz aus dem Albtraum. Puuh, die Schmerzen sind zwar echt, aber ich werde es zum Glück pünktlich in die Arbeit schaffen.

Ich krieche also aus meinem Bett, gehe von Schmerzen geplagt in die Küche und fülle mir meine Wärmeflasche auf. Schließlich muss ich in zwei Stunden fit sein.

The struggle is real

Wenn die Bauchschmerzen von einer Magen-Darmverstimmung kommen würden, würde ich mich logischerweise krankmelden, aber die Periode ist nun mal keine Krankheit. Sie ist – man glaubt es kaum – eine natürliche, monatlich wiederkehrende Sache, unter der ich, so wie viele Frauen und Menstruierende, richtig leide. Einige kippen in Bussen oder auf dem WC vor lauter Schmerzen sogar um, doch arbeiten gehen wir trotzdem. Warum?

Angst vor Konsequenzen

Erst einmal habe ich mich getraut meinem (männlichen) Vorgesetzen zu sagen, dass ich wegen Regelschmerzen nicht arbeiten kann. Naja, ich habe mich samt Schmerzen und Schmerzmitteln ins Büro geschleppt. Schwindel, Übelkeit und Schmerzen des Todes zogen sich von meinem Unterleib, über meine Oberschenkel bis in meine Füße. Nach 30 Minuten arbeiten, habe ich meinem Chef Bescheid gesagt. "Du kannst auch gerne nachhause gehen und dich ausruhen." Mit dieser Reaktion meines Chefs habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Trotzdem habe ich mich lieber für zwei Stunden auf das Sofa im Gemeinschaftsraum gelegt, als nachhause zu gehen. Ich bin doch nicht schwach und kann wegen meiner Periode nicht arbeiten. Lol.

"Menstruationsurlaub"

Zuhause bleiben, weil die Vagina blutet, hat wenig mit Urlaub zu tun. Diese freien Stunden oder Tage, in denen frau in Ruhe das Blut abtropfen lassen kann, würden bestimmt zu mehr Produktivität führen. Und das ist es doch, was die Chefs wollen, oder?

Mir ist schon klar, dass nicht jede mit der Welt teilen möchte, wann die "rote Tante zu Besuch kommt" oder die "Erdbeerwoche" beginnt. Andere Gegner*innen sehen im Menstruationsurlaub sogar eine Gefahr für ihre Karriere. Doch wäre die Menstruation kein gesellschaftliches Tabu könnte offen über berufliche Absicherungen gesprochen werden. Und auch die bescheuerten Verniedlichungen für die Periode könnten abgelöst werden.

 

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