Warum ich es liebe, Freunde und Familie zu beschenken

Übers Schenken und Kaufen wird in der Vorweihnachtszeit viel diskutiert, die einen finden´s schrecklich und stressig – WIENERIN Stv. CR Ursula Neubauer liebt es.

Unsere Chefredakteurin Barbara Haas findet Schenken übrigens total grässlich. Ihre Anti-Meinung lesen Sie hier.

Geschenke? Check! Schade!

Lauter Hakerl. Auf meiner Weihnachts-Geschenke-Liste, die ich nie zu Papier bringe, sondern immer nur in meinem Kopf habe, sind lauter gedankliche Hakerl. Das Geschenkebesorgen hab ich für heuer schon Anfang Dezember erledigt. Bin fertig, alles abge-hakerlt. Und ich bin fast traurig darüber. Denn ich liebe die Schenkerei zu Weihnachten! Und das Geschenkesuchen! Weil ich finde: Es gibt einfach nichts Herrlicheres, als sich zu überlegen, womit man jemand anderem eine Freude machen kann. Und dann Dinge zu finden, wo man weiß: Hey, davon wird J. total begeistert sein! Ah, himmlisch! Das macht eben auch mir eine irrsinnige Freude. Schon lang vor der eigentlichen Geschenkübergabe. Und dann bei der Übergabe halt noch einmal.

Bester Helfer: Geschenke-Kiste

Vielleicht hab ich einfach auch Glück, weil meine Verwandtschaft recht überschaubar ist und mit einer kleineren Zahl von Personen das Schenken möglicherweise leichter geht. Kann sein. Dann kommt man eventuell seltener bis gar nicht in die Verlegenheit, in letzter Sekunde seinen Abstellraum nach was Schenkbarem absuchen zu müssen, weil man eine Tante vergessen hat. Vielleicht trägt aber auch meine Geschenke-Kisten-Strategie zu meiner vorweihnachtlichen Entspanntheit bei. Besagte Kiste in meinem Arbeitszimmer wird nämlich das ganze Jahr über befüllt. Mir laufen halt immer wieder Dinge über den Weg, wo ich mir denk: Ah, das wär was für die T.! Oder: Das könnt dem P. gefallen! Nur dummerweise haben die selten ausgerechnet dann Geburtstag, wenn ich diese Sachen finde und Weihnachten ist eben auch nur einmal im Jahr. Die Dinge kauf ich dann aber trotzdem und pack sie – mit einem Post-It versehen (schließlich muss ich mir ja auch merken, was für wen gedacht war) – in die Kiste. Ein super Fundus vor Weihnachten! Einziger Nachteil: Ich bin total lange versucht, die Dinge dann doch nicht aufzuheben, sondern schon vorher ohne Anlass zu verschenken. Macht aber auch allen Freude, wenn das mal passiert.

Weg mit den Zeigefingern!

Aber auch abgesehen davon, dass meine Sammlung das ganze Jahr über schön brav wächst, besorg ich auch gern in der Adventzeit Geschenke. Ich mag das Gwurl und das Treiben in den Geschäften.

Dabei darf ich nur nicht an die Konsumaufreger denken, über die könnt ich mich nämlich maßlos aufregen. Über die Moralisten mit den erhobenen Zeigefingern, die bei allen, die Geschenke besorgen, einen Mangel an Besinnlichkeit oder übermäßige Konsumgier orten. Ich möchte bitte zu Weihnachten jemandem eine Freude machen dürfen. Danke. Ohne dafür ein schlechtes Gewissen haben zu sollen. Danke. Manchmal sind das freilich auch selbst gemachte Sachen oder Gutscheine für irgendeine schöne gemeinsame Aktivität und das hat dann nur am Rande was mit Konsum zu tun. Manchmal sind es aber eben auch materielle Dinge, die ich – huch wie verwerflich – gekauft habe. Aber auch in diesem Fall kann ich nichts Schlimmes am Schenken finden. Weil so Packerl können einfach ganz viel ausdrücken: Ich hab dir zugehört und weiß, was du dir wünschst, zum Beispiel. Oder: Ich kenn dich. Ich hab mir Zeit genommen, Marmelade für dich zu machen. Danke für alles in diesem Jahr. Ich hab dich lieb. Komm, lass uns Zeit miteinander verbringen. Ich hab viel an dich gedacht und mir Mühe gegeben, was Schönes für dich zu finden. Und so weiter …

Das drückt doch Wertschätzung aus oder nicht? Ich freu mich ja auch narrisch, dass mir eine Freundin ein Bikini-Bag näht, weil sie bei unserem letzten gemeinsamen Thermenabend erkannt hat, dass mir sowas wirklich fehlt. Total aufmerksam und lieb von ihr, oder? Eben! Es geht drum, einander zu Weihnachten eine Freude zu machen. Und das geht mit Geschenken einfach schon ganz gut. Schade, dass ich für heuer schon alle … naja, aber ich kann mich ja noch aufs Einpacken freuen und aufs Verschenken an sich! Juhu!

 

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