Warum ich diese neue Mama-Jammerei nicht mehr aushalte

Chefredakteurin Barbara Haas hält nicht viel von der Social Media-Bewegung #regrettingmotherhood.

Die Mama im Fokus. Wie originell. Und zufällig geht es mal nicht um die „Vereinbarkeits-Lüge“, „Kind oder Karriere“ oder die Übermutter alias „Helikopter-Mama“. Nein: Es geht um die „Scheiße, ich wollte nie eine Mutter sein“-Mama. Social-Media-tauglich heißt das #regrettingmotherhood – also: Ich bereue es, Mutter geworden zu sein. Ausgelöst durch eine Interviewserie der israelischen Soziologin Orna Donath, in der 23 Frauen abjammern, wie schlimm es ist, Mutter zu sein. Seitdem poppt unter dem Hashtag viel Interessantes auf. Kürzlich etwa ein Spiegel-Interview, in dem eine dreifache Mutter (49) erzählt, dass sie nie ein Kind wollte, geschweige denn drei. Ein Vergewaltigungsopfer? Nein. Hatte einfach geheiratet und selbst wenig Pläne fürs Leben. Dachte sich, Kinder kriegen, das tut doch jede.

Promis und Kids

„Die Region hier ist sehr ländlich, ur-religiös, katholisch“, sagt sie. Hätte sie sich trotzdem Gedanken zu Ehe / Kindern machen können, vielleicht sogar zu Ehe /
Kindern / Beruf? Hätte sie, hat sie aber nicht. Hat jetzt lieber miese Laune. Und, wie nett: Die älteste Tochter (19) ist nun in ihr Leiden eingeweiht. Was die davon hält, dass Mama sie nie wollte? „Ich kann es verstehen, weil sie es mir erklärt hat.“ Schön, dass das Kind Verständnis hat. Ist nämlich kein Honigschlecken, das Leben mit Kindern. Leider sieht man die blöden Promis halt stets gut gelaunt mit ihren Lifestyle-Kids. Wie bitte sollte man da ahnen, dass das eigentlich anders läuft? Den Horror der Nächte? Fieberattacken, angespiebene Bettwäsche, Zähne, die kommen, Herumgeraunze beim Schuhezubinden / Zähneputzen / Schlafengehen, Pubertät? Tja, das gibt’s halt nicht auf Instagram.



Kinder sind das pure Glück

Kinder sind das pure Glück! Echt wahr. Aber eben nicht in einer hippen Yoga-to-go-Variante, denn Kinder sind anstrengend. War immer schon so. Für alle Mütter. Und 2016 könnte man sagen: auch für alle Väter. Lustigerweise ist das aber kein Thema. Für Frauen scheint es leichter, ihr eigenes Kind abzulehnen, als von den Papas ein bisschen 50/50 einzufordern. Und das ist die eigentliche Bankrotterklärung der ach so modernen #regrettingmotherhood-Wahrheit: dass sie das Frauenbild der 1950er-Jahre skizziert. Nicht gut.

 

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