Warum ich den Gewichtsverlust von Kim Kardashian für ihr Met Gala Kleid nicht feiere

7,2 Kilo verlor Kim Kardashian in drei Wochen, um in das Kleid zu passen, das zuletzt Marilyn Monroe trug. Darum müssen wir aufhören, das zu verherrlichen und es als das betrachten, was es ist: Gesundheitlich problematisch!

Was ist so problematisch am Gewichtsverlust von Kim Kardashian für ihr Met Gala Kleid?

7,2 Kilo. So viel verlor Kim Kardashian innerhalb kürzester Zeit, um in das Kleid zu passen, das sie bei der Met Gala am 2. Mai trug. Ein Kleid, das übrigens eine ganz besondere Geschichte hat. Es gehört nämlich Marilyn Monroe. Genau. Dieser Marilyn. Kim Kardashian trug als einzige Person jemals neben Marilyn Monroe das Kleid, in dem diese vor 60 Jahren das Geburtstagslied des amerikanischen Präsidenten sang. 6.000 Kristalle zieren das Kleid, die alle vor sechs Jahrzehnten mit der Hand angenäht wurden. Es ist selbsterklärend, dass dieses Kleid nicht einfach zugeschnitten oder verändert werden konnte.

Aber Fakt ist, dass Kim Kardashian nicht dieselbe Figur hat, wie Marilyn Monroe, wie sie selbst erklärt: "Ich dachte immer, dass Marilyn Monroe extrem kurvig war", sagte Kim. "Ich stellte mir vor, dass ich an einigen Stellen kleiner sein könnte, wo sie größer war, und größer an Stellen, wo sie kleiner war. Als es mir dann nicht passte, wollte ich weinen, weil man es überhaupt nicht ändern kann."

Drei Wochen

Also setzte Kim Kardashian alles daran, innerhalb von drei Wochen das nötige Gewicht zu verlieren, um das Kleid tragen zu können. Und das waren genau 7,2 Kilo. Als sie auf dem Red Carpet der Met Gala auf das Kleid angesprochen wurde, erklärte sie dem Journalisten der Vogue, dass viele in ihrem Umfeld nicht glaubten, dass sie diesen Gewichtverlust schaffen würde. Daraufhin wurde ihr herzlich gratuliert. Gratuliert, zu einer absurden und vor allem ungesunden Leistung.

Noch während das auf dem Roten Teppich geschah, startete das Magazin Allure bereits online eine wichtige Diskussion: Hatte sich unsere Diät-Kultur in den letzten Jahren wirklich verändert? Sind die Körperstandards wirklich anders als in den 2.000er Jahren? Oder werden wir immer noch von toxischer Diät-Kultur festgehalten? Und warum wurde dieser (unnötige und ungesunde) Gewichtsverlust beklatscht und gefeiert, anstatt die Frage zu stellen, ob so etwas nötig ist und welches Zeichen es setzt?

Perspektive

In wenigen glorreichen Momenten, wenn echte Frauen etwas Repräsentation in den Medien bekommen, fühlt es sich an, als würden sich die Werte in Bezug auf Schönheitsideale verändern. Die Realität ist aber leider eine andere. Auch wenn die Medien (zum Teil) durch Inklusion von Plus-Size oder Mid-Size-Modells dagegen arbeiten, so sind wir trotzdem noch nicht so weit gekommen, wie man sich wünschen würde.

Laut einer Studie (die Forschungsergebnisse aus mehr als 100 anderen Studien zusammenstellte) von Marie Galmiche und ihrem Team über weltweite Essstörungen von 2000 bis 2018 ist die Prävalenz von Essstörungen "im Studienzeitraum von 3,5 Prozent im Zeitraum 2000-2006 auf 7,8 Prozent im Zeitraum 2013-2018 gestiegen." Eine weitere aktuelle Studie aus den USA belegt, dass die Pandemie die Essstörungsraten ab 2020 nur noch weiter ansteigen lässt. Die Gedanken von viel zu vielen Menschen und vor allem Frauen drehen sich immer noch ständig um Essen, um Kalorien, darum nicht zu viel zu essen und sich selbst zu maßregeln.

Die Google-Suche

Sieht man sich nun also diese Geschichte rund um Kim Kardashian an, so stellten sich viele Google-Nutzerinnen nach der Met Gala vor allem eine Frage: Wie hat Kim Kardashian das geschafft? Kann ich das auch schaffen? Kann auch ich 7 Kilo in drei Wochen verlieren und so auf ein spezielles Event, eine Hochzeit, den Sommer hinfiebern? Denn dünner ist immer besser, oder? Und traurigerweise haben genug Medien diese Frage beantwortet. Es gibt inzwischen etliche Artikel, in denen erklärt wird, wie die Met Gala-Diät funktioniert.

Wir werden euch genau das natürlich nicht verraten. Was ihr aber wissen solltet: Diätolog*innen und Ärzt*innen weltweit sprechen sich dagegen aus, solche Diäten nachzumachen und weisen auf die gesundheitlichen Schwierigkeiten für den Körper hin. Diätologe Jonathan Valdez, Sprecher der New York State Academy of Nutrition and Dietetics, erklärte gegenüber Womens Health: "Zu den Risiken einer schnellen Gewichtsabnahme gehören Elektrolytstörungen, Gallensteine, Gicht, Müdigkeit, Verstopfung, Durchfall und Übelkeit." Zusätzlich kann laut ihm der Stress- und Cortisolspiegel ansteigen und so eine Diät negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben und sogar zum Muskelabbau führen kann.

Was lehrt uns diese Geschichte, davon abgesehen, dass sich Kim Kardashian nach der Met Gala feiern ließ, als sie Pizza, Donuts und mehr binge-gegessen hat und diese (erneute) ungesunde Ernährungsform damit erklärt, dass sie so lange auf so viel verzichten musste. Dünner ist nicht immer besser. Vor allem weil man seinen Körper ja nicht nur bis zum nächsten Event braucht, sondern für ein gutes, langes, gesundes Leben lang. Und davon haben wir noch jede Menge vor uns.

 

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