Warum Grenzen wichtiger sind, als dass einen die eigenen Kinder mögen

Kinder brauchen Regeln, um sich im Leben zu orientieren. Wie diese aussehen könnten und welche Sanktionen Verstöße nach sich ziehen sollten, verrät Coach Konstanze Hörburger.

Eltern werden ist (meist) nicht schwer, Eltern sein hingegen sehr. Nicht selten stößt man als Vater oder Mutter an seine eigenen Grenzen, wenn es um die Erziehung der lieben Kleinen geht. Wie man dem Kind wiederum Grenzen beibringt, passiert weit nicht so automatisch. „Kinder brauchen aber Strukturen, denn diese geben ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit", erklärt Coach Konstanze Hörburger. Hörburger, selbst Mutter zweier Töchter, empfiehlt Kindern acht bis zehn solcher Grenzen vorzugeben. Wie man dabei vorgeht, verrät sie Typischich.at:

Die Grenzen für sich selbst festlegen

„Wer seinem Kind Grenzen setzen will, muss sich zuerst über die eigenen Werte im Klaren werden", erklärt Coach Hörburger. Weiter: „Grenzen orientieren sich an dem, was mir persönlich wichtig ist, was ich für ein glückliches Zusammensein brauche. Mir zum Beispiel ist es wichtig, dass die Familie um 19 Uhr zu Abend isst."

Grenzen richtig kommunizieren

„Man muss den Kindern die Grenzen dem jeweiligen Entwicklungsalter passend sagen. Ich empfehle dabei kurze und prägnante Sätze. Also nicht „Zieh jetzt bitte den Pyjama an, damit wir danach gemeinsam alle bei Tisch Abendessen können", sondern „Zieh jetzt bitte den Pyjama an", erklärt die Expertin. Sie rät auch dazu positive Formulierungen zu verwenden. „Also nicht „Vergiss nicht dein Turnsackerl", sondern „denke an dein Turnsackerl."

Vorbildwirkung

Wie die Eltern so die Kinder. „Wer immer bei Tisch liest, kann nicht von seinen Kindern erwarten, das nicht zu tun. In diesem Fall muss man selbst auch darauf verzichten", sagt Hörburger.

Grenzen überprüfen

„Wurde einmal eine Regel gesetzt, heißt das nicht, dass diese für immer und ewig in Stein gemeißelt ist", so Hörburger. „Vielmehr muss man diese ständig an das Alter der Kinder adaptieren. Ein Beispiel: Bei Kleinkindern ist es ganz wichtig, dass das Zimmer aufgeräumt wird, bei Jugendlichen muss man nicht so streng sein, wenn einmal einige Bücher am Boden liegen."

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Freiräume lassen

Nicht nur Grenzen sind wichtig, sondern Kinder brauchen auch Freiräume. „Kinder brauchen das Gefühl wählen zu können. Man kann sie aussuchen lassen, welche Kleidung sie tragen, solange diese dem Wetter entspricht oder über die Frisur entscheiden lassen", sagt der Coach.

Schimpfwörter in Grenzen halten

„Ein Thema, das Eltern immer wieder in diesem Zusammenhang bringen, ist der Umgang mit Schimpfwörtern", erzählt Hörburger aus der Praxis. „Ich selbst halte das so, dass ich meinen Kindern sage, dass ich diese nicht hören will. Wenn sie diese gebrauchen wollen, dann sollen sie in ihr Zimmer gehen und die Türe zumachen. Manchmal höre ich meine Tochter bei geschlossener Kinderzimmertüre „blöde Mama" sagen und dann muss ich schmunzeln."

Positives Verhalten bestärken

Klappt das Einhalten der vorgegebene Regeln und Grenzen, dann gehört das auch gesagt, so die Expertin. „Man kann sich auch bedanken und sagen, ich finde es schön, dass wir heute gemeinsam pünktlich um 19 Uhr beim Abendessen sitzen."

Ausnahmen kommunizieren

Werden Regeln einmal nicht eingehalten und man weiß das im Vorhinein, gehört das kommuniziert. „Dann sagt man, dass an dem Tag zum Beispiel die Tante Sophie kommt und dass deswegen etwas später gegessen wird. Dann wissen die Kinder Bescheid und können sich orientieren."

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Sanktionen setzen

Hält sich das Kind nicht an vorgegeben Grenzen, dann sollte darauf eine Konsequenz folgen. „Üblicherweise sind das Fernseh- oder Süßigkeitenverbote oder Ausgangssperre. Bevor man solche allerdings ausspricht, sollte man sich überlegen, ob man sich damit selbst ins eigene Fleisch schneidet. Eine Mutter hat mir in einem Seminar erzählt, dass es bei ihr immer ein Fernsehverbot gibt, aber dass sie das ganz verrückt macht, weil sie die Zeit, in der die Kinder fernsehen, eigentlich braucht", erzählt Hörburger.

Außerdem müsse die Strafe sofort erfolgen. „Ich musste selbst schon einmal ein Treffen mit Freunden verlassen, weil ich meiner Tochter zweimal gedroht hatte, dass wir gehen, wenn sie nicht brav sei und das musste ich dann auch durchziehen. Aber das passiert nur zwei bis dreimal, dann wissen die Kinder, dass man es ernst meint."

Konstanze Hörburger weiter: „Man muss aber auch darauf achten, dass das Kind das zeitliche Limit versteht. Wenn ich einer Dreijährigen sage „Iss jetzt auf, dann bedeutet das „jetzt" für sie vielleicht etwas anderes, als für die Eltern. Wenn man sagt, du hast zehn Minuten Zeit, ich stelle dir die Küchenuhr hin und wenn diese klingelt, dann hast du fertig gegessen, dann ist das klarer."

Grenzen von Empfehlungen abgrenzen

„Wenn es im Kinderzimmer unordentlich ist und man selbst findet das nicht so schlimm, dann sollte man auch nicht keine Handlungsaufforderung kommunizieren, wenn man nicht bereits ist die Konsequenzen zu ziehen, wenn das nicht passiert. Man kann dann sagen „Das Zimmer gehört wieder einmal aufgeräumt" oder „Es wäre schön, wenn du wieder einmal aufräumst" und nicht „Räum jetzt dein Zimmer auf".

Wenn die Eltern auszucken

Und wenn die Kleinen es gar zu wild treiben, heißt es Ruhe bewahren. „Man darf als Elternteil auch einmal schreien, das gehört dazu, allerding sollte man nicht persönlich werden. Wenn man wütend ist, ist es am besten mit geschlossenem Mund von zehn hinunterzuzählen und dann vielleicht zu schimpfen „Das macht mich wahnsinnig" oder „Du weißt, dass ich das nicht möchte". Hat man sich beruhig, kann man dem Kind genauer erklären, was einen stört und was die Kinder besser mache

 

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