Warum für LehrerInnen viele Kindernamen ausfallen

Sich zu entscheiden, wie man seine Kinder nennen will, sorgt grundsätzlich für Diskussionen. LehrerInnen finden, sie haben es da noch schwerer als andere - unserer Kollegin Ursula Neubauer haben sie erzählt, warum.

"Nein, verdammt, jetzt hab ich einen Valentin in meiner Klasse", jammert unlängst eine Lehrerinnenfreundin. Ich schau sie verdutzt an und verstehe im ersten Moment nicht, was daran falsch oder schlecht sein könnte. "Naja, ich wollte mein Kind mal so nennen. Jetzt fällt der Name aus. Jetzt verbinde ich sein Gesicht damit. Jetzt geht das nicht mehr. Da sind so viele Kinder und Jugendliche und so viele Namen, die als potenzielle Kindernamen ausfallen. Sofort siehst du alle deine SchülerInnen vor dir. Das ist wirklich ein Jammer, wenn du mit so vielen Kindern arbeitest." Ah! Verstehe! Ich frage bei anderen Lehrerinnenfreundinnen, die Kinder haben oder wollen, nach, sie alle bestätigen das Namensdilemma:

"Nein, nein, geht auch nicht. So heißt schon ein Kind in der 3a."

"Als mein Mann und ich über den Namen unserer ersten Tochter diskutiert haben, war das wirklich langwierig. Egal, was er vorgeschlagen hat, ich sah sofort eine Schülerin vor mir. Sagte er Lisa, sagte ich, nein, 3. Klasse, so klein. Sagte er Anna, sagte ich, nein, gleich zwei in der 4. Klasse, beide komisch ... das ging ganz lang so, bis wir uns auf einen ganz ungewöhnlichen Namen geeinigt haben. Damit sind wir alle glücklich und ich habe auch einige Jahre nach ihrer Geburt noch keine Schülerin mit demselben Namen unterrichten müssen."

"Ich weiß auch nicht, warum das so wichtig ist - aber ich will einen Namen für mein Kind, mit dem ich nichts und niemanden verbinde. Weder ein bestimmtes Aussehen, noch ein bestimmtes Verhalten oder bestimmte Charaktereigenschaften - und je länger man unterrichtet, desto mehr Namen fallen logischerweise aus."

"Ich kenn das nicht nur von mir selber, sondern auch von den Erzählungen meiner Mama - die hatte mit beeinträchtigten Kindern gearbeitet, bevor sie selber Mutter wurde. Und sie hat immer erzählt, sie war sich ganz sicher, wie sie ihre Tochter nennen würde, bis sie dann ein Kind mit diesem Namen betreuen musste. Sie hat sich mit meinem Vater dann für einen anderen Namen entschieden und erzählt noch heute davon."

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

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