Warum Frauen in Island ein besseres Leben haben

Am Montag haben Frauen in Island ihre Arbeitsplätze früher verlassen, um gegen die Lohnschere zu demonstrieren. Aber nicht nur von der Solidarität der isländischen Frauen können wir uns einiges abschauen.

Frauen in Island wurden am Montag von Gewerkschaften und Frauenrechtsorganisationen dazu angehalten, ihre Arbeit um 14:38 Uhr niederzulegen. Der Grund ist der nach wie vor existierende Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Die Uhrzeit zeigt den Zeitpunkt, ab dem Frauen sozusagen "gratis" arbeiten.

Bereits der erste "Women's Day Off" war eine isländische Idee und wurde am 24. Oktober 1975 abgehalten. Damals wollten die Frauen auf ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft hinweisen. 2005 wurde wieder ein Tag abgehalten, an dem Frauen nicht zur Arbeit gingen - sie verließen ihre Arbeitsplätze um 14:08 Uhr. Immerhin eine halbe Stunde später machen sie es jetzt im Jahr 2016. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sollte die Lohngleichheit im Jahr 2068 in Island endlich Realität werden. Doch bereits jetzt ist Island jenes Land mit dem niedrigsten Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern.

Darum ist Island der Ort, an dem es Frauen am besten geht


Warum Island der beste Ort ist, um ein Leben als Frau zu führen - das hat kürzlich der britische "Guardian" zusammengefasst. Allein die Tatsache, dass es in Island Volksschulen gibt, in denen Mädchen lernen, ihre Stimme zu erheben und selbstbewusst zu sein, zeugt von der fortschrittlichen Denkweise des Landes in Sachen Geschlechtergerechtigkeit.

Der "Economist" kürte das Land zum besten Land für arbeitende Frauen. Und die Geschichte der starken Frauen Islands geht weit zurück: jahrzehntelang mussten die Frauen die Insel sozusagen alleine managen, während ihre Männer auf See waren. Weil sie dafür aber nicht gut genug bezahlt wurden, waren sie wütend - und organisierten 1975 den bereits erwähnten "Women's Day Off". 90 Prozent der Frauen in Island nahmen an dem Streik teil. Und ihr starker Protest hat sich ausgezahlt. Innerhalb von fünf Jahren hatte das Land die erste Frau als Präsidentin, sogar eine reine Frauenpartei wurde gegründet.

Im Vergleich zu Österreich ist Island ein Land der Seligen


Ein weiterer Meilenstein war eine Neuregelung der Karenz: jedes Elternteil hat drei Monate bezahlte Karenz - und weitere drei Monate, die sie selbst aufteilen können. Weil 80 Prozent des Gehalts weitergezahlt werden (bis zu einem Höchstbeitrag von etwa 2500 Euro), gehen 90 Prozent der isländischen Väter in Karenz. Die geteilte Kinderbetreuungsarbeit hat positive Auswirkungen auf den Wiedereinstieg von Frauen in den Job und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Allgemeinen.

Natürlich gibt es noch Baustellen: nur 22 Prozent der ManagerInnen sind Frauen und Männer verdienen noch immer 14 Prozent mehr. Dennoch: verglichen mit Österreich, wo ein Lohnunterschied von 24 Prozent vorherrscht und lediglich 4 Prozent Frauen in den Führungsetagen börsennotierter Unternehmen sitzen, ist Island wahrlich ein Paradies für Frauen.

 

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