Warum Frauen ihrem Friseur vertrauen

Die WIENERIN über eine ganz besondere Beziehung, die nicht nur von Spliss, sondern auch von Seelenballast befreien kann. Plus: 4 Gründe, warum wir unserem Friseur so sehr vertrauen.

Wir haben es ja schon immer gespürt: Eine gelungene, neue Frisur macht den Menschen nicht nur schöner, sondern auch fröhlicher, selbstbewusster, ja einfach glücklicher. Und während er das Selbstbewusstsein der Menschen auffrisiert, schlüpft ein guter Friseur auch oft in die Rolle eines Psychologen. Eine Tatsache, die nun auch schwarz auf weiß belegt ist, durch eine L’Oréal-Studie in Großbritannien. Untersucht wurde, gegenüber welchen Berufsgruppenmitgliedern Kunden am ehesten Persönliches preisgeben. Die britischen Stylisten landeten nach Ärzten, Arbeitskollegen und Krankenschwestern auf Platz vier und verwiesen damit sogar die Priester auf die hinteren Ränge.
Kein Wunder, dass es inzwischen bereits eine eigene Disziplin gibt, die sich mit der Psychodynamik im Friseursalon beschäftigt: Dr. Lew Loscony, Psychologe und Mitbegründer der Haarpflegeserie Matrix, stellt in seinem Buch Salon-Psychologie die These auf, dass ein Großteil der Menschen entscheidende Lebensfragen erst mit ihrem Friseur bespricht. Was wohl auch daran liegt, dass Kunden, die einen Look suchen, der zu ihrer Persönlichkeit passt, automatisch Teile ihres Innersten preisgeben.


Friseurstuhl statt Psychologencouch

In Fachvorträgen für Friseure erklärt Dr. Lew Loscony – basierend auf den Thesen von Freud, Jung und Adler –, wie die Friseure mit dem Vertrauensvorschuss ihrer Kunden bestmöglich umgehen sollen. „Zuerst zuhören, dann schneiden“, lautet das Motto des Coaches. Sein Rat an die Friseure: „Hüten Sie sich davor, den Kundinnen in privaten Dingen vorschnell Ratschläge zu erteilen oder gar mitleidig zu wirken, sondern zeigen Sie tiefes Verständnis und echtes Interesse.“
Das zahlt sich auch auf lange Sicht aus, denn ein Friseur des Vertrauens wird kaum gewechselt. Das ist ähnlich wie bei einem guten Arzt. Dem bleibt man ja auch treu.
Und für die Kunden gilt: Fühlen Sie sich nach einem Friseurbesuch mental besser, ist alles im grünen Bereich. Sorgen sollten Sie sich nur machen, wenn Ihre Psychohygiene mehr Zeit braucht, als ein wöchentlicher Friseurbesuch erlaubt. Dann ist es vielleicht wirklich Zeit, zu einem „echten“ Psychotherapeuten zu wechseln.


4 Gründe, warum wir unserem Friseur so sehr vertrauen

1. Er berührt uns.

Beim Friseur legen wir unseren Kopf in fremde Hände. Das ist im alltäglichen Umgang eine sehr intime Geste, die wir sonst nur unserem Partner erlauben. Experten gehen davon aus, dass diese intime Berührung am Kopf auch die Seele öffnet. Denn dazu gehören Nähe und Vertrauen, und somit wird der Haarkünstler damit rasch auch zu unserem Seelsorger.


2. Er hält sich im Hintergrund.

Während eines Haarschnittes steht der Stylist in der Regel hinter dem Kunden und wird von diesem nur als Spiegelbild wahrgenommen. Das ist für viele Menschen weniger einschüchternd als ein dominantes Gegenüber, das einem direkt in die Augen schaut. Und wer sich wohlfühlt, gibt mehr persönliche Details preis.


3. Er bohrt nicht nach.

Klar erzählen wir unserem Friseur gerne von aktuellen Problemen, die uns beschäftigen, aber zu sehr in die Tiefe gehen wollen wir dabei nicht. Im Gegensatz zu einem echten Therapeuten stochert ein Friseur nicht weiter und zwingt uns nicht, unseren eigenen Dämonen gegenüberzutreten. Für alle, die nur ein bisschen darüber reden wollen, was in ihrem Leben schiefläuft, ist ein Friseurbesuch wie ein tröstendes Pflaster, während eine echte Psychotherapie wohl eher einer heilenden OP mit Skalpell gleichkäme.


4. Er ist ein toller Gesprächspartner.

Erfolgreiche Friseure haben eines gemein: Sie lieben Menschen und den Dialog mit ihnen. Zumeist sind sie aufgeschlossen, schlagfertig, witzig und haben schon eine Menge gehört und gesehen. Denn wer bereits tausende Stunden Kundengespräche hinter sich hat, dem ist wenig Menschliches fremd.

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