Warum es nie zu spät ist für eine schöne Kindheit

Die Beziehung zu den eigenen Eltern ist manchmal schwierig, aber die Basis für das eigene (Beziehungs-)Leben. Beziehungscoach Dominik Borde weiß, wie sich Verletzungen aus der Kindheit heilen lassen.

Am Beispiel unserer Eltern lernen wir den Umgang zwischen den Geschlechtern und entwickeln daraus Verhaltensweisen und Muster für unsere eigenen Paarbeziehungen. Vieles von dem, was wir dort kennenlernen, wirkt weit über unsere Kindheit hinaus prägend auf uns. Je nachdem, wie wir das, was wir in unserer Kindheit erlebt und erfahren haben, interpretieren, verhalten wir uns sehr ähnlich oder entgegengesetzt in unserem weiteren Leben. Deshalb ist es für ein glückliches Beziehungsleben unbedingt notwendig, sich mit den Verletzungen aus der eigenen Kindheit und der Beziehung mit den Eltern auseinanderzusetzen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?


Jeder Mensch ist seine Eltern und jeder liebt diese tief in seinem Innersten, egal was er über sie sagt oder nach außen präsentiert. Selbst Kinder, die in Heimen aufgewachsen sind, weil sie aus unterschiedlichen Gründen ihren Eltern entzogen wurden, äußern den Wunsch, wieder heimgehen zu wollen, heim zu Mama und Papa.

Das Unterdrücken dieser selbstverständlichen und natürlichen Liebe, das Leugnen unserer Herkunft, schmerzt viele Menschen im Alltag und schadet ihrer Beziehungsfähigkeit. Ein Mensch, der einen oder beide Elternteile ablehnt und das Gute, das er von dort bekommen hat, leugnet, lehnt unbewusst ein Stück von sich selbst ab und versäumt, die positiven Eigenschaften beziehungsweise Aspekte in sein Leben zu integrieren. Stattdessen entwickelt er oft selbst genau jene Eigenschaften, die er oder sie bei Vater oder Mutter besonders verurteilt: Je mehr wir unsere Eltern ablehnen, umso ähnlicher werden wir ihnen.

Das mag für manchen einen kleinen Schock bedeuten, vor allem dann, wenn er oder sie schon vor längerem beschlossen hat, niemals so zu werden wie ein bestimmter Elternteil. Meine Erfahrung ist, die tiefe Bindung im Familiensystem wirkt ausgleichen dagegen. Unsere Treue zum System sorgt dafür, dass Kinder ausgleichend ein ähnliches Verhalten zeigen beziehungsweise ähnliche Probleme im Leben haben. Im Coaching begegne ich unzähligen Menschen, auf deren Leben diese Beschreibung zutrifft.

Es ist nie zu spät für eine gute Kindheit


Eltern sind keine Übermenschen, machen häufig Fehler und hatten meist selbst Eltern, von denen sie sich – auf oben beschriebene Weise – vieles abgeschaut haben.

„Wir tun, was wir tun, entweder aus Inspiration oder aus Desperation – manchmal, um Liebe zu unterdrücken, manchmal, um sie zu geben.“

Niemand ist absichtlich lieblos oder kalt, niemand schlägt verbal oder physisch um sich, weil er sich dabei besonders wohlfühlt, und keine Mutter und kein Vater wird gerne zum Alkoholiker oder Choleriker.

Eltern sind auch nur Menschen


Der Gedanke „Meine Eltern sind so, wie sie sind, genau die Richtigen für mich. Ich verdanke ihnen mein Leben und nehmen das Gute von ihnen als ihr Kind.“ wirkt befreiend, denn wer seine Eltern so nimmt, wie sie sind, kann das Gute von ihnen übernehmen und sich frei entscheiden, ihnen in problematischen Dingen nicht zu folgen.

Die inneren Aussöhnungen mit dem, was ist und war, und Eingestehen der naturgegebenen Liebe, die jedes Kind trotzdem für seine Eltern empfindet, löst seelische Knoten und belastende Verstrickungen – denn der größte Schmerz im Leben entsteht aus unterdrückter Liebe.
Sobald das natürliche Verhältnis zu den Eltern wiedergewonnen und die verdrängte Liebe zu ihnen zugelassen wird, erleben Klienten eine sofortige Besserung ihrer Anliegen. Ein Baum, der sich seine Wurzeln abhakt, steht unsicher. Wer seine Mutter, seinen Vater ablehnt, der kann das Gute in ihnen und damit auch in sich nicht mitnehmen.

„Nobody can go back and start a new beginning, but anyone can start today and make a new ending.”
von Mary Robinson
 

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