Warum es mich fertig macht, ein Joghurt zu kaufen!

Es gibt Konsumenten ohne Hirn und welche, die einfach zu viel denken. Kolumnistin Martina Parker über die hohe Kunst ein Joghurt zu kaufen.

Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, als es cirka 7 Joghurtsorten gab: Erdbeer, Banane, Heidelbeer, Himbeer, Kirsche, Marille, Vanille. Ok, es gab auch noch Kaffee, Apfel, Ananas und gemischte Früchte. Aber die mochte ich eh nicht. Heute gibt es gefühlte 700 Joghurts. Vom veganen Chia Gojibeerenjoghurt bis zu Karotte Koriander. Und ich stehe im Spupermarkt wie der Ochs vor dem Tor und habe keine Ahnung, was ich kaufen soll. Obwohl ich eigentlich eh weiß, was ich will. Ein simples Bananenjoghurt, aber das ist gar nicht so einfach.

Vor mir auf Augenhöhe sind die Biojoghurts, für mich erste Wahl, aber Banane gibt es nur im Halbkilopott und der verschimmelt bei uns angebrochen im Kühlschrank.

Heumilchjoghurts fallen aus, seit ich zum ersten Mal Heumilchkühe gesehen habe und draufgekommen bin, dass die auch nur den ganzen Tag im Stall angebunden sind.

Und die Joghurts des bösen Schweizer Konzerns fallen aus, weil mir die Praktiken des bösen Schweizer Konzerns nicht zusagen. Da muss ich jetzt als Konsument einfach meine Macht spielen lassen. Na gut, immerhin, weiß ich nach drei Minuten Selbstreflexion, was ich nicht will.

Ich könnte natürlich einfach meine Stammkunden-Gutscheine einlösen und die Joghurts aus Deutschland nehmen, die gerade in Aktion sind. Aber muss man Joghurt durch halb Europa transportieren, während bei uns die kleinen Molkereien eingehen? Die deutschen Markenjoghurts werben ausdrücklich damit genfrei zu sein – heißt das alle anderen sind genmanipuliert???

Ich steh da jetzt schon sicher 5 Minuten und hab noch immer kein Joghurt. Vielleicht lese ich zu viel. Kein normaler Mensch macht sich bitte solche Gedanken.

Eine Frau kommt vorbei und greift zur Eigenmarke des Supermarktes, die auf Fußhöhe platziert ist. Die ist billig und wahrscheinlich genauso gut oder schlecht wie die anderen. Bei Konsumententest schneiden die Eigenmarken ja oft am besten ab. Ich greife mir einen Becher und lese die Zutatenliste. 14g Zucker auf 150ml. Bist Du deppert. Haben die noch nie von der Zuckerfalle gehört?

Es gäb ja auch Diätjoghurts, aber die sind voller Aspartam und das soll ja bekanntlich Krebs erzeugen. Es gäbe auch noch fettfreie Joghurts voller Verdickungsmittel, probiotische Joghurts, Fastenjoghurts, laktosefreie Joghurts, Sojajoghurts, Kinderjoghurts mit Süßkram, Joghurts mit Cerealien, griechisches Joghurt, türkisches Joghurt, isländisches Joghurt...

Außerdem Ziegenmilchjoghurts, Schafmilchjoghurts ja sogar Kokosmilchjoghurts, aber die hinterlassen immer so einen fettigen Film am Gaumen. Ich komme vom Thema ab.

Vielleicht sollt ich mein eigenes Joghurt machen? Auf Youtube gibt es sicher ein Anleitungsvideo.

Ich stehe jetzt schon zehn Minuten da. Es reicht. Ich weiß, was ich mach, ich nehme neutrales Biojoghurt und Bananen und mach mir mein Bananen-Joghurt selber. Nur welche Bananen soll ich nehmen? Die Biobananen sind schon etwas überreif, es gäbe noch San Lucar, Fair Trade, normale Bananen, Diskontbananen, Babybananen.... AAAAAARRRR!!!

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