Warum "Es gibt nicht genug qualifizierte Frauen" echt kein Argument mehr ist

Auf Podien, in TV-Diskussionen oder Interviews kommen hauptsächlich Männer zu Wort. Zwei Initiativen wollen das ändern.

Es gibt ja doch eine Expertin!

Wer gestern Abend abseits der Elefantenrunde vor dem Fernseher saß, der sah vor allem: Männer. Auf Puls24 diskutierten 'Polit-Insider' das Wahlkampf-Finish. Vier Expert*innen hatte der Sender dazu ins Studio geladen: darunter drei Männer, eine Frau. "Wie schlugen sich die Spitzenkandidatinnen in der Elefantenrunde?", fragte gestern auch Ingrid Thurnher auf ORF III. Beantwortet wurde diese Frage in der "Runde der WahlbeobachterInnen": fünf Männer, eine Frau.

Nicht nur in diesem Wahlkampf kommen hauptsächlich Männer zu Wort, wenn es darum geht, die Welt zu erklären. Studien zur Repräsentation von Frauen in Medien - wie die jährlichen Untersuchungen von Media Affairs - zeigen, dass das in Österreich eher die Regel als eine Ausnahme ist: So entfiel 2018 nur ein knappes Drittel der Bildpräsenz in österreichischen Medien bei ExpertInnen auf Frauen.

Datenbanken gegen Ausreden

"Es gibt enorm viele Frauen mit politischer Expertise, trotzdem sind ihre männlichen Kollegen in den Medien viel häufiger vertreten. Das wollen wir ändern", sagt die stellvertretende Vorsitzende des überparteilichen Vereins Frauennetzwerks MedienMartina Madner Ende August in einer Presseaussendung. Fehlen Frauen als Expertinnen heißt es oft: Es gibt keine qualifizierten Frauen. Oder: Sie sind schwer zu finden.

Um diesem Argument etwas entgegen zu setzen, veröffentlichte das Frauennetzwerk Medien auf ihrer Website die Liste Mehr als 20 Politik-Expertinnen. Darauf sind Frauen mit politischer Expertise wie etwa Politikwissenschaftlerinnen, Kommunikationswissenschafterinnen und Meinungsforscherinnen zu finden. Aber auch Soziologinnen, Juristinnen und Frauen, die sich beruflich mit Online-Kommunikation auseinandersetzen. "Frauen sollen nicht nur studieren, forschen und analysieren und das im stillen Kämmerlein tun. Sie sollen ihre Expertise auch gleichberechtigt in den Medien präsentieren können", sagt Madner.

Auch das Projekt Frauendomäne will zukünftig eine kostenlose Übersicht über weibliche Kompetenz liefern. "Es gibt genügend qualifizierte Frauen, also muss es an den bestehenden Rahmenbedingungen liegen, dass zahlreiche Fachbereiche immer noch stark männerdominiert sind“, sagt die Kommunikationsberaterin Hannah Zach. Gemeinsam mit der Juristin Sophie Rendl hat Zach deshalb an einer Datenbank für Expertinnen gearbeitet. Unter frauendomaene.at können sich Frauen selbst als Expertinnen für verschiedenste Fachgebiete eintragen. Am 9. Oktober wird die Datenbank veröffentlicht.

"Unser Ziel war es mit 300 Expert*innen online zu gehen", sagt Zach. Wie viele Frauen sich bisher registriert haben, lässt sich noch nicht genau sagen. "Fest steht aber: Die Profile sind sehr vielfältig, wir mussten seit Beginn schon mehr als 300 neue Expertisen nachtragen." Bühnen ohne Frauen – egal zu welchem Thema? Lassen wir nicht mehr gelten!

 

Aktuell