Warum enge Kleidung unserer Gesundheit schadet

Eine Jeans die uns die Luft abschnürt, Riemchensandalen die die Füße anschwellen lassen und ein BH der auf unseren Busen drückt? Wir haben eine Gendermedizinerin gefragt, was das für unsere Gesundheit bedeutet.

Was zu enge Kleidung mit unserer Gesundheit macht

Wer sich noch nie aus Style-Gründen in zu enge Kleidung, Schuhe, BHs, you name it gequetscht hat, werfe den ersten Stein. Weil das aber nicht nur unbequem sondern auch ungesund werden kann, haben wir beschlossen, diesen Sommer endgültig damit aufzuhören uns irgendeinem imaginären Schönheits- oder Modediktat zu unterwerfen. Unser Körper läuft bei dieser Hitze nämlich auf Hochtouren und alles was er sich dabei wünscht ist, nicht ständig abgeschnürt und mit Plastikstoffen abgedichtet zu werden. Warum? Das hat uns die Gendermedizinerin Alexandra Kautzky-Willer erklärt.

Es ist so heiß! Warum du die enge Kleidung besser weglassen solltest

Sommer, enge Kleidung und den ganzen Tag im Büro sitzen - ist das noch gesund? Kautzky-Willer: "Frauen vertragen Temperaturextreme schlechter als Männer. Egal ob Hitze oder Kälte. Das liegt an der unterschiedlichen Körperzusammensetzung und weil Männer mehr Muskelmasse haben, Frauen aber von Natur aus mehr Fettanteil im Körper." Sie können also ihre Körpertemperatur schlechter regulieren und überhitzen schneller. "Frauen haben weniger Wassergehalt, schwitzen weniger und dehydrieren leichter. Das wird im Hinblick auf den Klimawandel noch relevanter. Gerade der Kreislauf von älteren Frauen leidet da schwer darunter." Enge Kleidung, die unsere Blutzirkulation abschnürt und unser Lymphsystem blockiert ist also in jeder Hinsicht kontraproduktiv.

Was viele außerdem nicht auf dem Radar haben: Klimaanlagen. Welche Temperatur in einem Büro als angenehm gilt, wurde ausschließlich an Männern getestet. In den meisten Büros kühlt die Klimaanlage also stärker als nötig, um den Herren in Sakko und Hemd zu entsprechen. Frauen im Trägerkleid frieren und werden von der Hitze draußen dann regelrecht "erschlagen", weil der Temperaturausgleich von drinnen zu draußen Frauenkörper stärker belastet.

Oben ohne? Soll man den BH im Sommer lieber weglassen?

Während Corona haben viele von uns im Homeoffice auf den BH verzichtet und sich die Frage gestellt: Warum tragen wir den überhaupt noch? Aber gibt es gesundheitliche Argumente für oder gegen den BH? Laut Kautzky-Willer lässt sich die Frage klar mit "Jein" beantworten: "Wenn ein BH gut und bequem sitzt und man ihn gerne trägt, spricht nichts dagegen. Schwangere oder Frauen mit großen, schweren Brüsten haben sogar Vorteile, wenn sie einen BH tragen. Wer unter der Brust stark schwitzt, kann Hautprobleme bekommen. Da kann etwas bequemer Stoff in der Hautfalte wunde Haut und manchmal sogar Ekzeme verhindern." Ganz anders bei Push-ups: "Seine Brust aus Schönheitsgründen einzuquetschen ist keine gute Idee. Drückende BHs und Push ups sind sicher nicht gesund, weil sie die Blutzirkulation stören, der Druck auf die Brust ist unangenehm und nicht gut für das Gewebe." Oben ohne ist also gesundheitlich gesehen eine gute Sache. "Außer beim Laufen oder anderen Sportarten wo man hüpft. Das würde den Busen und das Gewebe zu sehr belasten."

Und einfach mal die Schuhe weglassen? Was für Unten ohne spricht

Ja, auch im Sommer quetschen wir uns manchmal in Schuhe, die bei Hitze und geschwollenen Füßen sehr unangenehm werden können. Wenn Beine hochlegen keine Option ist, hilft nur eines: "Zwischendurch auch einmal barfuß gehen wäre gut. Wer gesunde Füße hat und ab und zu barfuß geht, trainiert die Beweglichkeit und stimuliert über die Fußsohle das gesamte Nervensystem.", so Kautzky-Willer. Das wirkt auch gleich unangenehmen Wassereinlagerungen entgegen.

 

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