Warum empathische Menschen so oft mit Narzisst*innen zusammen sind

Mitfühlende Menschen und Narzisst*innen stecken sehr oft in einer toxischen Beziehung - doch sie können ausbrechen.

Anete Lusina von Pexels

Gegensätze ziehen sich an. Das trifft wohl bei keiner Beziehung besser zu als bei jener zwischen Narzissten und sehr einfühlsamen, empathischen Menschen.

Narzisst*innen wissen schließlich, aus welchen Menschen sie den größten Nutzen ziehen können. Und empathische Menschen suchen sich Leute aus, bei denen sie sich ständig gebraucht fühlen. Denn sie sind "emotionale Schwämme", die die Gefühle anderer sehr leicht absorbieren - deshalb sind sie attraktiv für Narzisst*innen, weil sie darin jemanden finden, der ihnen alle Wünsche erfüllt, ganz selbstlos.

Das sagt die Psychiaterin Judith Orloff, die das Buch "The Empath's Survival Guide" geschrieben hat gegenüber dem Magazin "Business Insider". Bei der Beziehung zwischen Narzisst*innen und empathischen Menschen sei die Katastrophe vorprogrammiert, so Orloff.

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"Narzisst*innen werden kalt, abweisend, bestrafend"

"Narzisst*innen sehen in empathischen Menschen eine liebende Person, die alles versuchen wird und sie lieben und ihnen zuhören wird", sagt sie. "Leider fühlen sich empathische Menschen zu Narzisst*innen hingezogen, weil ihnen diese am Anfang etwas vorspielen. Sie wirken charmant, intelligent und sogar großzügig - bis man die Dinge nicht so macht, wie sie sich das vorstellen. Dann werden sie kalt, abweisend und bestrafend."

Narzisst*innen, so die Psychiaterin, wüssten genau, wie sie sich jemanden angeln: zuerst sind sie einfühlsam und aufmerksam - doch bald würde ihre Maske fallen und sie würden die geringschätzige, missachtende Seite von sich zeigen. Wenn sie die Fehler des Partners/der Partnerin erkennen, fangen sie an, den anderen dafür verantwortlich machen, dass er/sie nicht perfekt ist.

Und weil empathische Menschen daran glauben, sie könnten Menschen verändern und heilen, würden sie in einer solchen Beziehung bleiben, so Orloff. "Sie denken, sie müssten nur besser zuhören, mehr geben. Sie können nicht glauben, dass jemand kein Mitgefühl hat und dass sie jemanden nicht mit Liebe heilen können." Harmonie sei ihnen wichtig, während Narzissten genau das Gegenteil bewirken. Sie blühen auf im Chaos und sie manipulieren andere.

Empathische Menschen wollen andere "heilen"

Laut Orloff schaffen sie das, indem sie empathischen Menschen das Gefühl geben, sie zu lieben - mit Komplimenten und manchmal Fürsorglichkeit. So glauben ihre Partner*innen, dass sie sich nur in einer bestimmten Weise verhalten müssen, um die liebende Person zurückzubekommen, die sie von früher kannten. Das wird verstärkt, indem Narzissten Sätze sagen wie "Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin. Ich werde mich ändern." Doch solche Aussagen seien laut Expertin nur dazu da, um den Partner wieder einzufangen, und ihn weiter auszubeuten. Und irgendwann machen sich die empathischen Personen in der Beziehung nur noch Gedanken darüber, was sie selbst falsch machen.

Doch eine Erkenntnis kann helfen, um aus so einer Beziehung auszubrechen: zu verstehen, dass jeder selbst für sein persönliches Wachstum verantwortlich ist. Zu erkennen, dass manche Menschen einfach nicht gut für unsere psychische Gesundheit sind - und diese auch loslassen zu können, sei ein wichtiger Schritt, um sich zu befreien.

 

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