Warum Eltern an den Verkehrsunfällen von Kindern schuld sind

Das Verkehrsministerium hat in einer Studie die Rolle von Aufsichtspersonen und Erziehungsbrechtigten im Verkehr analysiert.

Kinder lernen sehr viel durch Beobachtung und Nachahmung. Vor allem im Straßenverkehr kommt den Erwachsenen, allen voran den Eltern, dabei eine große Rolle zu. Viel zu oft wird das aber im Alltagsstress vergessen, wie das vom Verkehrsministerium geförderte Projekt "Role Model – sei Kindern ein Vorbild" deutlich zeigt - mit oft verheerenden Folgen.

Kinder machen Vorbilder nach

2.600 Kinder sind im Vorjahr bei Verkehrsunfällen in Österreich verunglückt. Jedes zweite dieser Kinder war zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Doch wie können Kinder ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr erlernen? Ein aktuelles Projekt des Verkehrsministeriums in Kooperation mit dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) belegt: Die Kinder brauchen vor allem gute Vorbilder. Das sind in erster Linie die Eltern und andere Bezugspersonen, aber auch alle anderen Erwachsenen auf der Straße.

Verkehrsminister Jörg Leichtfried dazu: "Kinder lernen, indem sie uns nachahmen. Wir Erwachsene überqueren manchmal knapp vor einem Auto die Straße, weil wir abschätzen können, dass es sich noch ausgeht. Ein Kind kann nicht so gut einschätzen wie weit das Auto entfernt und wie schnell es unterwegs ist. Dasselbe Verhalten kann für Kinder tödlich enden. Wir Erwachsene sind Vorbilder und sollten uns deshalb auch entsprechend verhalten, um unsere Kinder besser zu schützen."

Korrektes Verhalten im Straßenverkehr essenziell

Wie lernen Kinder korrektes Verkehrsverhalten und was können Eltern tun? Im Projekt wurde eine Drei-Jahres-Analyse aller Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung durchgeführt. Zudem wurde das Verhalten von Kindern (0 bis 14 Jahre) vor Schulen beleuchtet, sowie die Daten aus der umfangreichen KFV-Verkehrsverhaltensstudie "Naturalistic Driving" ausgewertet. Auch Gruppeninterviews mit Erst-und Zweitklässlern und Elternbefragungen wurden durchgeführt.

Die Experten sind sich einig: Kinder lernen sehr viel durch Nachahmung und Beobachtung. Gerade für die Eltern und Aufsichtspersonen ist es daher essenziell, sich korrekt im Straßenverkehr zu verhalten. Erwachsene können schlechte Entscheidungen oft mit einer schnellen Reaktion noch ausgleichen. Kindern gelingt das in einer Gefahrensituation nicht.

Daher sollten sich Eltern Zeit nehmen, um mit ihren Kindern sicheres Verhalten im Straßenverkehr zu üben. Zudem sollten sie stets mit gutem Beispiel vorangehen. Das gilt übrigens für Erwachsene im Allgemeinen: Denn Kinder beobachten alle Verkehrsteilnehmenden und nehmen in schwierigen Situationen jeden Erwachsenen zum Vorbild. "Durch unsere Vorbildwirkung können wir erheblich zur Erhöhung der Sicherheit von Kindern beitragen. Wir müssen uns unserer Wirkung auf die Kleinsten bewusst sein. Machen Kinder unser Fehlverhalten nach, stehen wir in der Verantwortung", so KFV-Direktor Othmar Thann.

Sechs praktische Tipps zur Verkehrserziehung für Eltern/Aufsichtspersonen:

1. Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind, wenn etwas nicht gleich klappt. Es dauert, bis Ihr Kind die Regeln und Bewegungsabläufe verinnerlicht hat. Kritisieren Sie Ihr Kind nicht, sondern zeigen oder erklären Sie noch einmal! Wichtig ist auch Kinder für richtiges Verhalten zu loben.

2. Es ist günstig, mehrmals pro Woche zu üben, und nicht alles auf einmal zu vermitteln. Beginnen Sie mit leichteren Situationen und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad, wenn Ihr Kind die leichtere Situation sicher bewältigen kann. Zeigen Sie richtiges Verhalten genau vor und kommentieren Sie, was Sie gerade tun.

3. Begleiten Sie Ihr Kind gelegentlich auf Wegen, die es schon alleine geht und besprechen Sie das Verhalten.

4. Auch wenn Ihr Kind die Verkehrsregeln kennt, heißt das noch nicht automatisch, dass es sie auch schon richtig anwenden kann. Lassen Sie Ihr Kind daher immer wieder erklären, was es gerade gemacht hat und warum.

5. Erklären Sie Ihrem Kind unbedingt, wo es am besten die Straße quert. Fußgängerampeln sind Zebrastreifen vorzuziehen. Ist beides nicht vorhanden, sollte eine Stelle ausgewählt werden, wo die Sichtverhältnisse möglichst gut sind, wenig Verkehr herrscht und die Fahrgeschwindigkeit niedrig ist.

6. Gehen Sie gelegentlich in die Hocke auf die Augenhöhe Ihres Kindes. So können Sie leichter erkennen, was Ihrem Kind Schwierigkeiten bereiten könnte.

 

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