Warum eine Pocahontas-Verkleidung rassistisch ist

Wenn sich weiße Menschen als Indianer*in oder Pocahontas kostümieren, ist das nicht süß, sondern problematisch.

kulturelle Aneignung

Das Gute, aber eben auch Anstrengende bei politischem Lernen ist ja, dass es nie aufhört. Werden Ansichten, Meinungen, Sprache reflektiert, hört es nie auf, sich weiterzuentwickeln – und es wird immer wieder Momente geben, in denen man mit Schrecken auf das in der Vergangenheit getätigte Handeln blickt. Wörter, Dinge, Handlungen, die man gesagt oder gemacht hat und heute rückblickend betrachtet extrem problematisch findet. Etwa die Verkleidung als „Indianerin“ oder „Chinesin“ zu Schulzeiten. Wie aufwendig und aufregend das Outfit doch damals war – und wahrscheinlich war die Kostümierung gar nicht bewusst rassistisch oder zumindest „nicht so gemeint“. Das Ding ist nur: Weiße, privilegierte Menschen sind nicht die Personen, die zu beurteilen haben, „wie es gemeint ist“.

Kulturen sind keine Kostüme

Weil wirkende Machtstrukturen und damit auch die eigenen Privilegien meistens unsichtbar sind, werden rassistische Verhaltensweisen oft aus Unwissenheit oder eben ohne „böse Absicht“ reproduziert, aber Diskriminierung wird nunmal nicht von Privilegierten definiert. Demnach kann eine Kostümierung, die von den Einen als Spaß verstanden wird, Anderen zu nahe treten und sich der kulturellen Aneignung bedienen. Konkret betrifft das ethnifizierende Kostüme wie amerikanische Ureinwohner*innen, Inuit, chinesische Reissammler*innen, etc. Abgesehen davon, dass etwa die Verkleidung als Indianer*in über 500 indigene Stämme mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen über einen Kamm schert und daraus eine stereotypisierte Gestalt schafft, ist die Kostümierung auf mehreren Ebenen problematisch.

Welcher Geschichte bedient sich mein Kostüm?

Wer Indianer*innen-Kostüme trägt und mit dem Argument „Ist doch nur ein Kostüm“ abtut, ignoriert indigene Geschichte und deren Relevanz. Jene Geschichte, die von kolonialem Raub, sowie Unterdrückung und Vertreibung durch weiße Siedler*innen geprägt ist. Der Rassismus, dem sie direkt oder indirekt ausgesetzt sind, beeinflusst bis heute die Lebensrealität. Ebendiese Lebensrealität wird durch Verkleidungen aus Spaß zur Schau gestellt.

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„Was darf man denn jetzt noch?“

Elemente einer anderen Kultur zu verwenden, etwa in Hinblick auf multikulturelle Küche, ist per se nichts Negatives – aber es gibt einen Unterschied zwischen kultureller Adaption und kultureller Aneignung. Bei kultureller Aneignung kommt zusätzlich zu den übernommenen Elementen anderer Kulturen auch die Bedienung von Machtstrukturen hinzu, das heißt: Ein weißer Mensch, der sich mit Symbolen einer unterdrückten Kultur schmückt, sieht dann für einen Tag oder einen Abend anders aus. Die Person unter dem Kostüm bleibt allerdings weiß – und genießt dementsprechend auch weiterhin die Privilegien. Jenen Personen, die durch Kostüme abgebildet werden (sollen), fehlt genau dieses Privileg – bis heute. Wie sich das anfühlt, wenn Kulturen und Körper zu Kostümen anderer werden, zeigt folgendes Video:

Dazu kommt: Wie im Video bereits erwähnt, werden Kulturen durch Kostüme oft als primitiv oder rückständig abgestempelt und damit sexualisiert.
Und wer jetzt fragt, was man denn heute überhaupt noch darf und sich denkt, das sei ja „alles nur ein Kostüm!!1!!1“, dem sei gesagt: Für dich vielleicht. Check your privilege.

Fabienne Sand betreibt unter @ffabae zu Themen wie kulturelle Aneignung Bildungsarbeit auf Instagram: Am besten gleich das Story-Highlight "PC Kostüme" ansehen und dazulernen!

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