Warum ein freundliches "Ich musste dich einfach ansprechen" vielleicht doch nicht so freundlich ist

Klar, auf der Straße angesprochen werden, kann richtig nett sein. Allerdings gilt es auch aufzupassen: Beim sogenannten "Daygaming" handelt es sich nämlich um eine beliebte Technik von Pick-Up-Artists.

Mann und Frau sitzen auf Mauer

Du bist am Weg in die Arbeit, ziemlich gestresst, gleichzeitig noch halb verschlafen und wünscht dich eigentlich nur zurück in dein kuscheliges Bettchen. Auf einmal tippt dir jemand auf die Schulter, du hörst: "Hi, du siehst so sympathisch aus, ich musste dich einfach ansprechen!" Du denkst nur "Äh, wos? Jetzt? Hier? Wo mir wahrscheinlich noch Zahnpasta-Reste im Mundwinkel kleben und meine Augenringe bis zu den Knien reichen? Aber gut, irgendwie ja auch nett, passiert ja nicht alle Tage."Moooment! Eventuell fällst du gerade auf einen Daygaming-Trick herein!

Worum geht’s beim Daygaming?

Beim Daygaming handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine Art Spiel, in dem Männer Frauen tagsüber auf der Straße ansprechen und versuchen, deren Nummer zu ergattern – anstatt dasselbe im finsteren Club in schummriger Atmosphäre zu tun. Auf diese Weise möchten sie seriöser und vertrauenswürdiger rüberkommen und machen sich zunutze, dass Frauen nicht damit rechnen, angesprochen zu werden – wie sie es in Bar oder Club vielleicht eher würden.

Alles ganz harmlos?

James Tusk ist selbsternannter "Daygame Coach" und Gründer der Website Project Tusk, die sich rund um Tipps und Tricks zum Daygaming dreht ("Learn to Meet, Date & Seduce Girls in a Direct, Authentic & Masculine Manner"). Laut ihm handelt es sich um eine völlig harmlose, ehrliche Technik, die Männern helfen soll, selbstbewusster auf Frauen zuzugehen, ohne sich auf Alkohol oder Dating Apps zu verlassen.

Sorge um Sicherheit

Frauen, die mit der Technik bereits in Berührung kamen, scheinen das allerdings etwas anders zu sehen. Sorge würde ihnen vor allem bereiten, dass in klassischen Daygame-Situationen kaum Sicherheit gegeben ist. So berichtet eine junge Londonerin auf medium.com, dass sie es bevorzugt, in einer Bar angesprochen zu werden, wenn ihre Freundinnen nicht weit sind, als allein in der U-Bahnstation, wo sie sich nicht auf die Hilfe von anderen verlassen kann.

Pick-Up-Foren geben Einblick

Wirft man einen Blick in eines der zahlreichen Pick-Up-Foren, die man online findet, entdeckt man seitenlange Diskussionen, in denen Männer ihre besten Daygame-Strategien und -sprüche austauschen und ihre Erfolgsraten vergleichen. Da wird schnell klar: Um ehrliche Absichten geht es hier nicht, Frauen dienen lediglich als Spielfiguren in einem ziemlich schmierigen Pick Up-Game.

 

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