Warum du als Frau auf Pensionssplitting bei gemeinsamen Kindern bestehen solltest

Pensionssplitting ist eine gute Möglichkeit, um in der Pension die Kinderbetreuungszeiten eines Elternteils auszugleichen und die Pension dieser Person zu erhöhen. Viele Paare haben davon aber noch nie gehört. Wir haben mit der SVS gesprochen und alle wichtigen Fakten für euch erfragt.

Warum du als Frau auf Pensionssplitting bei gemeinsamen Kindern bestehen solltest

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen öfter von Altersarmut betroffen sind und eine geringere Pension bekommen als Männer. Das hat einerseits damit zu tun, dass diese oft weniger gut verdienen, liegt aber auch daran, dass Frauen öfter die Kinder betreuen und in dieser Zeit weniger oder nichts ins Pensionskonto einzahlen. Pensionssplitting ist eine gute Möglichkeit um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, muss aber extra beantragt werden. Wir haben mit der SVS gesprochen und haben alle Infos.

WIENERIN: Was genau ist Pensionssplitting?

SVS: Eltern können für Jahre, in denen sich ein Elternteil überwiegend um das Kind gekümmert hat, ein freiwilliges Pensionssplitting vereinbaren. Dabei wird ein Teil der Gutschriften aus dem Pensionskonto des anderen Elternteils übertragen, wodurch sich die Pension jenes Elternteils, der sich überwiegend um das Kind gekümmert hat, erhöht.

Für Personen ab Jahrgang 1955 wird ein Pensionskonto geführt. Für jedes Jahr, in dem Pensionsversicherungszeiten erworben werden, wird eine Gutschrift ins Konto gestellt. Gutschriften gibt es für Beitragsgrundlagen aus einer Erwerbstätigkeit, aber auch für die Zeit des Präsenzdienstes, der Kindererziehung oder für Phasen der Arbeitslosigkeit u.a.. Aus der Gesamtgutschrift bei Pensionsbeginn wird dann die Pension berechnet.

Welche Vorteile bietet Pensionssplitting Paaren?

Wenn ein Elternteil seine Erwerbstätigkeit einschränkt oder gar unterbricht, um sich um das gemeinsame Kind zu kümmern, nimmt dieser Pensionsnachteile auf sich. Denn in dieser Zeit werden die Gutschriften auf seinem Pensionskonto geringer ausfallen oder ganz wegfallen. Es werden zwar für die ersten vier Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet, diese können den Ausfall aber nicht immer ausgleichen. Das Splitting bietet Eltern die Möglichkeit, die Gutschriften zwischen ihren Konten umzuschichten und so gerechter zu verteilen und die Nachteile teilweise auszugleichen.

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Was sind die Voraussetzungen für das Pensionssplitting?

Der Elternteil, der Gutschriften übertragen will, muss das Splitting bei seinem Pensionsversicherungsträger beantragen. Zuständig ist der Pensionsversicherungsträger, von dem er*sie die Pension bekäme. Das Pensionssplitting muss bis zum 10. Geburtstag des Kindes beantragt werden. Wird ein zweites oder drittes Kind geboren, läuft die Frist bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes.

Beide Elternteile müssen mit der Übertragung einverstanden sein und eine gemeinsame Vereinbarung unterschreiben. Sie müssen festlegen, welche Jahre sie splitten wollen und wieviel sie in diesen Jahren übertragen wollen.

Die Übertragung ist der Höhe nach begrenzt – sowohl beim übertragenden als auch beim übernehmenden Elternteil. Der übertragende Elternteil kann höchstens 50% seiner Gutschriften in einem Kalenderjahr übertragen.

Das Splitting ist endgültig. Wenn ein Jahr gesplittet und der Bescheid rechtskräftig geworden ist, kann man es nicht mehr widerrufen.

In welcher Familienkonstellation macht Pensionssplitting Sinn?

Das Splitting ist für alle Eltern unabhängig vom Familienstand eine Option. Die Vorteile, die man mit dem Splitting erreichen kann, sind für verheiratete oder verpartnerte Paare die gleichen wie für nicht verheiratete oder verpartnerte.

Können auch Eltern, die getrennt leben, Pensionssplitting in Anspruch nehmen?

Ja, auch getrennt lebende Eltern können ein Splitting vereinbaren.

Bis zu welchem Alter der Kinder wird die Pension dann geteilt?

Splitten kann man vom Kalenderjahr, in dem das Kind geboren wird, bis zum Kalenderjahr, in dem das Kind sieben Jahre alt wird. Wird in der Zwischenzeit ein zweites oder drittes Kind geboren, kann man bis zum Jahr, in dem das jüngste Kind sieben Jahre alt wird, splitten. Insgesamt können aber höchstens 14 Jahre gesplittet werden. Gesplittet wird die Gutschrift immer für das ganze Jahr; auch für die Zeit vor der Geburt und nach dem siebenten Geburtstag.

Splitten kann man übrigens auch für Stiefkinder, Adoptivkinder und Pflegekinder. Das Splitting beginnt dann nicht mit dem Geburtsjahr, sondern mit der Eheschließung/Verpartnerung, der Adoption oder der Übernahme der Pflege.

Kann man das nur beantragen, wenn ein Elternteil komplett zu Hause ist oder auch, wenn der Elternteil in Teilzeit ist?

Splitten kann man auch, wenn der Elternteil, der das Kind überwiegend betreut, selbst erwerbstätig ist – nicht nur Teilzeit, sondern auch Vollzeit. Es ist nicht notwendig, dass ein Elternteil ganz zu Hause bleibt.

Warum machen viele Paare kein Pensionssplitting? Was hält sie zurück?

Für viele junge Menschen liegt die Pension gedanklich noch in weiter Ferne, weshalb sie sich kaum damit beschäftigen. Das gilt auch für Eltern. Zudem ist die Antragsfrist für das Pensionssplitting beschränkt und das Angebot vielen bislang auch noch nicht bekannt.

Dabei ist es bereits in jungen Jahren wichtig, auf die künftige Alterssicherung zu achten und entsprechend vorzusorgen. Manchen erscheint das Pensionssplitting noch komplizierter als es eigentlich ist – was sich bei näherer Betrachtung und ein wenig Beschäftigung mit dem Pensionskonto schnell ändert. Mit dem Pensionskontorechner lässt sich zusätzlich die weitere Entwicklung des Pensionskontos abschätzen: pensionskontorechner.at

Was muss man tun, damit die Pension geteilt wird? Wie läuft das Verfahren ab?

Man meldet sich beim zuständigen Pensionsversicherungsträger. Informationen und Formulare für das Splitting findet man auf den Websites der PV-Träger: svs.at, pv.at, bvaeb.at. Man kann sich ohne Weiteres auch an jeden dieser Pensionsversicherungsträger wenden; Anträge werden an den zuständigen Träger weitergeleitet.

Der PV-Träger prüft dann, ob die Daten komplett sind, und führt das Splitting durch. Bei Selbständigen muss der Einkommensteuerbescheid für das gesplittete Jahr, als Basis für die Berechnung der Gutschrift am Pensionskonto vorliegen.

Läuft das Splitting nach einmaligem Einrichten automatisch oder muss man dies jedes Jahr neu einrichten?

Man muss nicht für jedes Jahr einen eigenen Antrag stellen. Es genügt, einmal zu vereinbaren, wieviel man für welche Jahre übertragen möchte. Das kann man für alle Splittingjahre auf einmal erledigen, auch für zukünftige Jahre im Vorhinein. Den Rest erledigt der Pensionsversicherungsträger. Wenn sich etwas ändert, können die Eltern den Antrag für die zukünftigen Jahre, die noch nicht gesplittet sind, jederzeit anpassen oder auch zurückziehen.

 

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