Warum in diesem Buch 15 Tampons versteckt sind

Tampons werden bis heute als Luxusartikel besteuert. Das Start-up The Female Company will dafür mit einem gefinkelten Steuer-Trick Bewusstsein schaffen.

The Tampon Book

„Mhh. So ein Tampon am Ende eines anstrengenden Tages ist schon was Feines, nicht? Pure Gönnung!“ – said no woman ever. Monatshygieneartikel reihen sich nämlich bis heute neben Kaviar, Champagner und Trüffel in die Kategorie der Luxusartikel ein – zumindest in Sachen Besteuerung. Denn wenn es um unsere Periode geht, verdient der Staat fleißig mit.

Tampons und Binden sind so hoch besteuert wie Champagner

Die Situationen in Deutschland und Österreich sind ähnlich: Lebensmittel, Bücher und sämtliche andere Artikel des täglichen Gebrauchs werden geringer besteuert als Produkte wie Drogerieartikel, bei denen der höchstmögliche Steuersatz gilt. Umgangssprachlich wird dieser höchstmögliche Steuersatz bis heute gerne als "Luxussteuer" bezeichnet, obwohl das so nicht stimmt: Die Luxussteuer war in Österreich ein Steuersatz mit 30 Prozent, der 1978 eingeführt wurde und auf Luxusgüter wie Schmuck, Uhren, Pelze oder Autos galt. 1992 entfiel dieser Steuersatz allerdings wieder zur Gänze. Der höchste Steuersatz liegt also heute in Österreich bei 20, in Deutschland bei 19 Prozent - und wird fälschlicherweise oft als "Luxussteuer" betitelt, weil Produkte wie Champagner oder Trüffel in diese Steuerklasse fallen. Oder eben auch Drogerieartikel. Dazu zählen zwar neben Tampons, Binden & Co. auch Produkte wie Rasierer, aber: Deren Verwendung ist optional, während Artikel wie Tampons für die meisten Frauen eine Notwendigkeit darstellen. Dazu kommt: Andere Drogerieartikel wie Klopapier werden unabhängig vom Geschlecht gekauft, bei Produkten rund um die Menstruation werden hingegen nur Frauen zur Kasse gebeten. Eine Produktgruppe, bei der das umgekehrt der Fall wäre -die also nur für Männer quasi unverzichtbar ist-, gibt es nicht. Das deutsche Start-up The Female Company will auf genau diese unzureichende Aufmerksamkeit für frauenpolitische Anliegen hinweisen – und setzt mit „The Tampon Book“ ein wichtiges gesellschaftspolitisches Zeichen.

Tampons in Buch-Form

Um die Besteuerung von Tampons zu umgehen, lanciert The Female Company in Kooperation mit der Kreativagentur Scholz & Friends ein mit Tampons gefülltes Buch. Bücher sind im Gegensatz zu Tampons nämlich in Deutschland mit nur 7 Prozent, in Österreich mit 10 Prozent, besteuert, wodurch dieses Projekt die Luxussteuer auf Tampons geschickt umgeht. Zusätzlich zu den 15 Tampons finden sich Inneren des Buches auch 46 Seiten rund um die Aufklärung und Enttabuisierung der weiblichen Menstruation.

Das Ziel dieser Aktion ist klar: Die Tampon-Steuer muss abgeschafft werden! In Australien, Irland, Kanada oder Kenia konnte das bereits bewirkt werden, nichtsdestotrotz ist das Problem bis heute ein globales. Auch in Österreich formte sich diesbezüglich bereits 2016 ein Protest: Die Gründerinnen des Portals Erdbeerwoche schrieben einen offenen Brief an den damaligen Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) mit der Forderung, die hohe Besteuerung von Monatshygieneprodukten abzuschaffen – was bis heute nicht passiert ist. Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier, Gründerinnen von The Female Company stellen mit The Tampon Book erneut klar: „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer gleichberechtigten Gesellschaft, denn Tampons dürfen kein Luxusprodukt sein!“

Das Buch mit Illustrationen von der Künstlerin Ana Cuberlo ist ab sofort zum Preis von 3,11 Euro HIER erhältlich.

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