Warum die Sucht nach Online-Shopping als psychische Erkrankung gelten sollte

Für Suchtgefährdete kann das ständige "Zum Warenkorb hinzufügen" gefährlich werden - und wie jede andere Sucht die mentale Gesundheit angreifen. Psychotherapeut*innen fordern nun, dass die Sucht nach Online-Shopping offiziell als psychische Erkrankung anerkannt wird.

Online-Shopping-Sucht soll eigenständiges Krankheitsbild werden

"Wer sagt, dass Geld nicht glücklich macht, hat keine Ahnung von Shopping", behaupten augenzwinkernd-lustige Sprüche im Internet. Da mag was Wahres dran sein, weil Geld in einer kapitalistischen Gesellschaft eben Grundlage des Lebens ist - nur: Wenn Kaufen zur Sucht wird, hat das mit Glück auch nichts mehr zu tun. Kaufsucht, oder BSD (Buying-shopping disorder) wie es im englischsprachigen Raum heißt, ist zwar ein bekanntes Phänomen, wird aber noch nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Dabei spitzen sich die Umstände zu: Expert*innen weisen nun auf die zusätzlichen Gefahren des Internets hin. Online-Shopping habe der Kaufsucht eine neue und gefährliche Facette hinzugefügt.

Eine*r von zwanzig Menschen würde an einer Online-Shopping-Sucht leiden, schreiben Wissenschafter*innen in einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift Comprehensive Psychiatry veröffentlicht wurde.

"Es ist an der Zeit, dass Kaufsucht als eigene psychische Erkrankung anerkannt wird und mehr Wissen über die Bedeutung von Online-Kaufsucht gesammelt wird", sagt Studienautorin Dr. Astrid Müller. Das Leiden sei viel zu lange unbeachtet geblieben. Die ständig verfügbaren Onlineshops, Shopping-Apps und Hauszustellungen hätten der Kaufsucht eine völlig neue Dimension gegeben.

Die Folgen der Online-Kaufsucht

Betroffene sind in einem Kreislauf aus Verlangen nach neuen Waren und Befriedigung durch Geld ausgeben gefangen - was in weiterer Folge zu einem Verlust der Selbstkontrolle, extremer Verzweiflung und anderen psychischen Beeinträchtigungen, Beziehungsproblemen und auch schlicht einer unüberschaubaren Ansammlung an Besitztümern und nicht zuletzt Schulden führen kann.

In der Studie haben die Forscher*innen die Daten von 122 Patient*innen analysiert, die wegen ihrer Online-Shopping-Sucht Hilfe gesucht hatten. Die Betroffenen litten überdurchschnittlich häufig an Depressionen und Angstzuständen. Zusätzlich würden immer jüngere Menschen in die Kaufsucht rutschen. "Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse zur Verbreitung von Online-Kaufsucht unter Kaufsüchtigen weitere Forschungen ermöglicht", so Müller. "Damit wir die Charakteristiken der Sucht besser verstehen und geeignete Therapien entwickeln können."

 

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