Warum die neue Media Markt-Kampagne zum Kotzen ist

Media Markt hat eine neue Kampagne und wir müssen uns jetzt übergeben.

Wir haben ja schon vieles gesehen und beanstandet - von sexistischen Werbungen wie: "Backe deinen Mann glücklich" bis hin zu einem frauenverachtenden Plakat eines Sportwettenanbieters. Aber was sich Media Markt gerade leistet, lässt sogar uns fast vom Schreibtischsessel fallen. Unter dem Namen "Männertage" setzt der Elektrofachhandel neue Maßstäbe in punkto Sexismus und bedient dabei alle Männer-Klischees, die sich auftreiben ließen: Feuer, Grillen, Brüste, Zocken, Aggressionen, Fußball und und und. 

Das wäre an und für sich ja nichts Neues, wie einige Negativbeispiele aus der Vergangenheit beweisen. Das dreiste hierbei ist aber, dass die Verantwortlichen das problematische Werbesujet als Gesundheitsförderung anpreisen. Ihre Idee: Nicht nur Frauen haben "ihre Tage", sondern auch Männer. Um das zu belegen, haben sie sogar eine Emnid-Studie in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis: 64 Prozent aller befragten Männer gaben an, gelegentlich oder regelmäßige Stimmungsschwankungen zu haben. 50 Prozent der Frauen meinten, ihre Männer hätten mindestens einmal im Monat Stimmungsschwankungen. 

 

Stimmungsschwankungen sind: einen Penis auf die Straße zu schmieren

Was Horizont.net als großes Kino sieht, lässt uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen und unser Mittagessen gleich wieder hochkommen: Eingeleitet wird der Videoclip mit einem Familienfrühstück, bei dem der Vater komplett auszuckt: Er reißt voller Wut eine Packung Cornflakes auf und wirft den Inhalt um sich und auf seine Familie. Nachdem er das Chaos angerichtet hat, isst er seine Cornflakes. Danach geht es weiter mit einem jungen Mann, der mit seinem Dampfreiniger einen Penis auf die Straße malt, einem presslufthämmernden Geschäftsmann, der einem Arbeiter einen Zehner zusteckt damit er kurz Hämmern darf oder aber einem frustrierten Hausbesitzer, der Benzin in seinen in Flammen stehenden Grill pinkelt. Die Auflösung ist immer dieselbe: Sie werden,wie soll es anders sein, von ihren verständnisvollen Frauen zum Media-Markt kutschiert, um ihre Gefühle mit Playstation, Flatscreen und Co während ihrer "Tage" zu beruhigen.

 

 

 

Unsere lächerliche Periode

Während das gesamte Video nicht nur einen Haufen von Klischees bedient, zieht es die Periode und Frauen generell total ins Lächerliche - was die Verantwortlichen scheinbar komplett in Ordnung finden. Sie rechtfertigen es mit der Aussage, man solle die Werbung mit Augenzwinkern sehen. Mal ehrlich: Wir würden bei diesem unsensiblen Versuch PMS zu verharmlosen, am liebsten beide Augen komplett zu machen, und die Werbung ungesehen machen - Augenzwinkern reicht da nicht. 

Daran haben die Macher der Werbung jedoch nicht gedacht, und dass, obwohl sie dazu sogar eine Studie veranlasst haben. Das Ergebnis: Männer haben auch Gefühle und Stimmungsschwankungen.

 

Was wirklich? Männer haben auch Gefühle?

Was für Neuigkeiten. Dass Männer "auch Gefühle" oder nicht nur einen permanenten Gemütszustand haben, sollte im Jahr 2018 nun wirklich jeder begriffen haben. Und während sich die Verantwortlichen als große Aufklärer geben und sich wünschen, dass das Thema mehr gesellschaftliche Bedeutung gewinnt, meinen sie mit "Gefühle haben" folgendes, wie eines der Plakate mit dem Schauspieler Jürgen Vogel zeigt: "Männer haben auch Gefühle. Ich hab' das Gefühl, ich brauch 'ne Playstation." Fazit also: Der Mann, das zockende Wesen, wessen einziges Gefühl ist, eine neue Konsole kaufen zu wollen. Wow - wie tiefgründig.

Neben diesem sorgt ein weiteres Plakat für Empörung: Zu sehen ist die bauchfreie Sophia Thomalla in tief ausgeschnittener Bluse, die direkt in die Kamera schaut. Dazu der Schriftzug „#Männertage“ und als Zitat „An diesen Tagen streichelt er einfach alles, was Knöpfe hat.“ Das ist Sexismus in seiner Reinform, denn hier werden elektronische Produkte zusammenhangslos mit einem leicht bekleideten Frauenkörper beworben.

 

Das lässt nicht nur uns sauer aufstoßen. Auch auf Twitter gab es Kritik:

 

Laut den Verantwortlichen soll die neue Kampagne unter dem Motto „Hauptsache ihr habt Spaß“ vor allem zum Lachen bringen und mit Humor gesehen werden. Naja - gelacht haben wir nicht. Wir wundern uns eher über die vielen Widersprüche des Sujets: Denn es wird kläglich versucht ein "neues" Männerbild zu vermitteln, während unzählige Klischees bedient werden und Konsum als einzig wahre Lösung für Stimmungsschwankungen angeboten wird. Und dass auf Kosten von Frauen, die unter PMS leiden. Wer weibliche Hormone ins Lächerliche zieht und sich selbst auch noch als reflektierte Männerversteherabfeiert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. 

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