Warum die "guten Schüler" auf der Strecke bleiben

"Die guten Schüler bleiben auf der Strecke", das ist ein Satz, der derzeit in Österreich diskutiert wird. Und die Lehrerinnen-Freundinnen von Kolumnistin Ursula Neubauer bestätigen diesen Umstand auch.

In meinem Lehrerinnen-Freundinnen-Umfeld wird grad diskutiert. Nämlich, ob die Volksschullehrerin, die im Interview mit orf.at gesagt hat, dass die guten SchülerInnen auf der Strecke bleiben würden, Recht hat. Die meisten Meinungen aus meinem Lehrerinnen-Freundinnen-und-Bekanntenkreis: "Ja, das haben wir auch so erlebt." Wie traurig.

Alle durchbringen ...

Vor allem eine, die als AHS-Lehrerin in dem Schulversuch "Neue Mittelschule" mitverwendet (ja, so heißt das) wurde und dort im Team mit einer Pflichtschullehrerin arbeitete, erzählt Ähnliches wie die Wiener Volksschullehrerin:

"Wir waren zwar zu zweit in der Klasse, aber das Niveau war auch unter den Kindern mit Muttersprache Deutsch schlecht. Und wir waren so mit den leistungsschwachen Kindern beschäftigt, brauchten so viel Zeit, um die auch nur halbwegs durchzubringen, dass wir - obwohl wir zu zweit waren - keine Zeit hatten, die Guten irgendwie zu fordern oder zu fördern. Da mussten wir froh sein, wenn es wenigstens ein paar gab, bei denen manches von selbst lief. Mit kleineren Klassen in allen Unterstufenjahrgängen - auch in der AHS - wäre allen geholfen."

Lernen darf nicht mehr anstrengend sein

Was manche auch frustriert: Einsatz, Disziplin oder Pflichtbewusstsein dürfen sie kaum noch einfordern. (Schließlich geht es ja auch um Schülerzahlen an den einzelnen Schulen und darum, Eltern zufrieden zu stellen). In dieser "Neuen Mittelschule", an der M. war, durfte Schule ausschließlich spielerisch stattfinden, erzählt sie.: "Anstrengend darf Lernen nicht mehr sein, die Kinder sollen regelrecht durch die 4 Jahre durchgestreichelt werden. Als ich damals dort an die Schule kam, hat man mir gesagt, ich dürfe keine 5er geben. Sollte ich das tun, würde die Note von der Direktion wieder nach oben gesetzt werden. Leistung einfordern? Das war dort ein No-Go. Alles musste Spaß machen. Damit es die Kinder schön bequem haben. Und die Eltern auch."

Das finde ich schon schade und frage mich, ob man den Kindern damit wirklich etwas Gutes tut? Ich finde, zu lernen, sich irgendwo reinzuarbeiten, sich Inhalte und Kompetenzen anzueignen, das darf natürlich Spaß machen, aber es darf auch mal anstrengend sein! Und sich wo richtig reinzutigern, kann einen auch in den berühmten "Flow-Zustand" bringen, der sich richtig gut anfühlt, auch wenn man sich anstrengt. Eine gute und wertvolle Erfahrung! Außerdem macht dann eben der Erfolg danach Spaß, geht ja auch. Vokabel lernen zum Beispiel ist halt einfach zach, aber sie danach verwenden zu können und flüssig in einer Fremdsprache zu reden etwa, das ist echt die Mühe wert!

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

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