Warum der Kampf für die LGBTQ+Community inklusiver werden muss

Was ist Intersektionalität? Wir erklären den Begriff und wie wir bessere Verbündete für marginalisierte Gruppen der LGBTQ+ Community werden können.

Marsha P. Johnson - Aktivistin und Ikone der LGBTQ+ Community

Wenn es um die Pride geht, denken viele zuerst an Party, sexpositive Kleidung und gaaanz viel Glitzer. Klar, bei der Regenbogenparade sollen vor allem Menschen der LGBTQ+ Community sichtbar gemacht und diese gefeiert werden. Ihr Leben, ihre sexuelle Identität, wen und wie sie lieben (oder eben nicht). All das wird zelebriert. Protest muss schließlich nicht immer traurig sein.

Doch oft wird vergessen, dass die Pride vorrangig eine politische Demonstration und kein hemmungsloses Besäufnis in coolen Outfits ist. Es soll für die Rechte queerer Menschen gekämpft werden. In unserer Gesellschaft leiden diese nämlich immer noch unter starken Diskriminierungen und Anfeindungen. Zusätzlich bedeutet Queer-sein für Schwarze Menschen und People Of Color der Community eine doppelte Belastung. Deswegen muss auch die Pride und der Kampf für die LGBTQ+ Community inklusiver und intersektionell gedacht werden.


Wir erklären, was der Begriff Intersektionalität bedeutet und stellen Marsha P. Johnson vor eine Schwarze trans Frau, die die Bewegung der LGBTQ+ Community revolutioniert hat.

Stonewall

Christopher Street Day, Regenbogenparade oder Pride. Das sind Namen für die extravaganten Partys, die weltweit im Pride Month gefeiert werden. Doch ihr Ursprung ist ein tragischer: Es ist gerade einmal 53 Jahre her, dass es in New York zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Polizist*innen und Besucher*innen des "Stonewall Inn" auf der Christopher Street kam. Diese Bar galt als Treffpunkt queerer Menschen. Als es in den 1960er Jahren immer wieder zu Polizeirazzien kam, stürmten diese in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 die Bar. Es folgten tagelange Proteste. Das Ereignis gilt als Wendepunkt und Geburtsstunde der modernen LGBTQ+ Bewegung.

Marsha P. Johnson, eine queere, afroamerikanische Frau stand bei den Kämpfen an vorderster Front. Es wird berichtet, dass sie bei den Stonewall-Unruhen den ersten Stein auf einen Polizisten geworfen haben soll. Deswegen wird die Sexarbeiterin und Aktivistin noch heute als Ikone der LGBTQ+ Community gefeiert.

Intersektionalität

Um Johnson aber als Person zelebrieren zu können, müssen alle ihre Facetten betrachtet werden! Sie war eine queere Schwarze Frau, die somit unter doppelter Diskriminierung litt – Rassismus und Transfeindlichkeit. Wenn Menschen von mehreren Diskriminierungsformen betroffen sind, spricht man von Intersektionalität. Auch heterosexuelle Schwarze Frauen sind von dieser betroffen. Neben rassistischen Anfeindungen haben diese nämlich auch mit Sexismus zu kämpfen. Psychisch und körperlich kann das Betroffene sogar im Alltag belasten.

Deswegen ist es wichtig den Kampf der Queer-Community inklusiv, intersektionell aber auch anti-rassistisch zu denken. Menschen, die im Vergleich von weniger Diskriminierungsformen betroffen sind, gelten als privilegierter. Und sollten die zusätzlichen Kämpfe berücksichtigen, um für alle eine Veränderung zu bewirken und ein richtiger Ally (=Verbündete*r) zu sein. Denn die Situation für die queere Community ist erst dann gut, wenn sie für alle Betroffenen verbessert wird.

Gegendemo am Stephansplatz

Die Pride findet jährlich in Wien statt. Gleichzeitig kommt es am selben Tag auf dem Wiener Stephansplatz jedes Jahr zu Gegendemonstrationen. Bei dieser Demo kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Polizist*innen und Demonstrierenden. Auch dieses Jahr wurde Pfefferspray eingesetzt.

Die Wiener LGBTQ+Community forderte in den Sozialen Netzwerken, dass vor allem nicht-queere Menschen, die auf die Regenbogenparade gehen, auch die Gegendemo besuchen. Um so wahren Support für die Community zu zeigen und an ihrer Seite zu kämpfen.

 

Aktuell