Warum das Kayla Itsines Workout für mich nicht funktioniert

Es galt als das "Wunder-Workout" der letzten Jahre. Online-Redakteurin Arnika hat es probiert... und zieht Bilanz.

Seit etwas mehr als einem Jahr liegt das Kayla Itsines-Trainings-Programm nun schon ausdruckt in meiner Wohnung herum. Einige Male habe ich bereits begonnen - aber wirklich durchgezogen habe ich den Workout-Plan nie.

Der Kayla Itsines Bikini Body Guide ist bereits seit einigen Jahren bekannt und ist dank vielversprechender Vorher/Nachher Bilder auf Instagram weltweit berühmt geworden. Es besteht aus ca. 25-minütigen Workouts, die montags, mittwochs und freitags ausgeführt werden. An den Tagen dazwischen sollte man sich von den Muskelübungen erholen und ca. 30 Minuten Power-Walken oder 10-15 Minuten HIIT-Sprint Übungen durchführen. Bevor man mit dem Kayla-Programm beginnt, sollte man allerdings mindestens 2-3 Wochen regelmäßige Bewegung in seinen Alltag integrieren.

Nachdem ich mich nun Anfang Mai endlich dazu aufraffen konnte, das Workout regelmäßig durchzuziehen, musste ich nach einigen Wochen resignierend feststellen: Des is nix für mich. Das hat mehrere Gründe.

1. Die Workouts

Die Grundidee, nämlich mit kurzen Workouts, die nicht einmal täglich durchzuführen sind, in kürzester Zeit Muskeln aufzubauen, findet wohl jeder sehr verlockend. Auch, dass die Workouts immer nur einen bestimmten Teil des Körpers beanspruchen und sich abwechseln, halte ich für sinnvoll. Allerdings war die Auswahl der Workouts für mich zum Teil ziemlich fraglich und nicht nachvollziehbar. Teilweise waren die Übungen wirklich einfach, an anderen Tagen kamen in den ersten Wochen aber auch Hammer-Workouts wie Klappmesser dazu. Diese Bauchmuskel-Übung ist gerade für Leute, deren Bauchmuskeln noch nicht so gut trainiert sind, kaum ausführbar und daher überhaupt nicht zielführend.

In Summe passierte es also oft, dass ich mich an manchen Tagen nicht wirklich ausgepowert fühlte und an anderen nach der Hälfte abbrechen musste (Stichwort Klappmesser). Beides empfand ich im Nachhinein als ziemlich frustrierend und demotivierend.

2. Der Plan

3 Workouts á 20 Minuten pro Woche klingen in der Theorie einfach machbar. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sich der Plan zusammen mit einer 38h-Arbeitswoche (inkl. Sozialleben!) aber schwer in den Alltag integrieren lässt. Da ich eindeutig kein Morgenmensch bin, kamen die Workouts in der Früh für mich nicht in Frage, weswegen ich sie meist für den Abend einplante. Mein Sozialleben wollte ich deshalb allerdings nicht den Kayla Workouts unterordnen, sodass ich öfters ein Workout auslassen musste und an anderen Tagen dreimal hintereinander trainierte. Dass dies aber nicht unbedingt im Sinne des Erfinders ist, hat mein Körper mir dann auch ziemlich schnell mitgeteilt. Die Workouts sind nicht dafür konzipiert ohne Pause an mehreren Tagen hintereinander wiederholt zu werden. Am Ende war ich einfach nur genervt, dass ich die geplanten Workouts nicht einhalten konnte und irgendwie der Zeit immer hinterherhinkte.

3. Die Abwechslung

Der Workout-Plan besteht aus zwei Zyklen mit je vier Übungen - jeder Zyklus wird zweimal durchgeführt. Im Gegensatz zu anderen Trainings, empfand ich dies schnell als langweilig und unmotivierend. Es gab wenig, das mich antrieb, die Workouts zu beenden und so wurde das Training spätestens beim zweiten Zyklus eher zur Qual als zum Spaß. Auch das war auf Dauer nicht lustig.

Alternativen

Ganz wollte ich mein Sport-Vorhaben aber doch nicht aufgeben, weswegen ich bereits während den ersten Trainingseinheiten begonnen hatte, mich nach Alternativen umzusehen. Auf Snapchat stieß ich bei Bloggerin Vicky Heiler auf die "Jen Selter Challenge", die sie als Tabata-Workout durchführte. Die Übungen sagten mir auf Anhieb zu - und das obwohl sie in Summe länger dauerten und anstrengender waren. Da die Tabata-Workouts allerdings viel abwechslungsreicher und (jeweils) kürzer sind, verging das Training wie im Flug und ganz ohne Frust.

Das Schöne an Tabata ist, dass man sich die Workouts individuell zusammenstellen kann und die Teile des Körpers trainieren, die man verbessern möchte (mehr hier). Ich habe an dieser Art von Workout viel mehr Freude und führe sie mittlerweile fast täglich durch (und damit deutlich öfter als es bei Kayla der Fall war). Das liegt nicht etwa daran, dass ich so viel mehr Zeit habe (schön wär's) - sondern daran, dass ich mir selbst aussuchen kann, wann und was ich trainiere. Ich habe für mich erkannt, dass es eben diese Freiheit ist, die mir persönlich den größten Motivationsschub verpasst.

Mit der richtigen Mischung und guten Workouts habe ich schon nach wenigen Wochen ein ganz anderes Körpergefühl entwickelt, das ich davor lange vermisst hatte (Stichwort Winterspeck). Am Ende des Tages darf Sport für mich keine Selbstgeiselung sein, sondern ist etwas, dass ich für meinen Körper und mich selbst tue (und schon gar nicht für irgendjemand anderen).

Welche Art von Sport das letztlich ist, muss jeder für sich selbst entscheiden und so banal es klingt: Wenn man dabei keinen Spaß hat oder danach keine Genugtuung verspürt, dann wird man früher oder später abbrechen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Training a la Kayla, durch das man sich Woche für Woche durchkämpft, weniger zielführend ist, als ein individuell zusammengestelltes Workout, das nachhaltig Muskeln aufbaut und Freude bereitet.

Ich schließe aber nicht aus, dass das Workout bei vielen funktioniert und auch Spaß machen kann. Am Ende des Tages sollte aber nicht irgendeine absurde Körpervorstellung das Ziel des Trainings sein, sondern die Gesundheit und das eigene Gefühl für den Körper.

 

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