Warum Clubs kein sicherer Ort für Frauen sind

Sexuelle Belästigung in Clubs ist leider Alltag - und soll endlich der Vergangenheit angehören. Weil Frauen endlich tanzen gehen sollen, ohne sich vor Übergriffen fürchten zu müssen.

Dicht aneinander gedrängtes Tanzen, viel Alkohol und dunkle Clubs ergeben meist eine explosive Mischung – vor allem für Frauen. Nirgendwo sonst werden Frauen als größeres Freiwild angesehen und sind sexuellen Belästigungen derart ausgesetzt wie abends beim Fortgehen.

Dass das sogar als etwas Selbstverständliches angesehen wird, musste ich mein Leben lang selbst erfahren. Eigentlich kann ich nicht mehr zählen, wie viele Männerhände sich bereits ungewollt auf meinem Hintern befanden, wie viele abwertende Anmachsprüche und übergriffige Annäherungen es gab, während ich durch die Diskotheken dieser Stadt wandelte. Trotzdem gibt es immer eine Steigerung, wie ich erst kürzlich feststellen musste.

„Geh einfach weg von ihm"


Diese Nachricht habe ich letzte Woche an einen Wiener Club im sechsten Bezirk geschrieben – und sie steht stellvertretend für viele Erfahrungen, die Frauen beim Ausgehen machen. Vor allem aber soll sie Clubbetreiber zum Umdenken bewegen – sexuelle Belästigung ist immerhin eine Straftat.

„Ich bin leider maßlos enttäuscht von eurem Personal. Euer Club ist kein sicherer Ort für Frauen. Bereits zum zweiten Mal wurde ich bei euch massiv von einem Mann belästigt (zwei unterschiedliche Events, zwei unterschiedliche Männer). Beim ersten Mal, das bereits einige Wochen her ist, wurde ich mehrmals von ihm an unterschiedlichen Körperstellen angegriffen. Auch als ich gesagt habe, er soll es lassen, bedrängte er mich weiterhin. Ich teilte das schließlich dem Barkeeper mit, seine einzige Reaktion war: „Da kann ich nix machen.“

So auch gestern. Ein Mann hat mich bedrängt, angegriffen und nachdem ich ihm gesagt habe, er soll weggehen, hat er mich gefragt: ,Soll ich dich schlagen?‘ Dann hat er mich gestoßen, sodass ich zu Boden gefallen bin. Zuvor hatte er mich bereits längere Zeit belästigt, hat mir den Arm um die Schultern gelegt und betrunken herumgeschrien. Ich teilte das wiederum eurem Barkeeper mit, seine Antwort: „Geh einfach weg von ihm.“ Und noch viel besser: „Wenn er dich noch einmal belästigt, komm noch einmal her.“ Das heißt im Klartext: euer Personal wird dazu geschult, Frauen, die von Gewalt berichten, einfach zu ignorieren? Ich sollte mich also weiterhin seiner Gewalt aussetzen, damit ich ernst genommen werde? Ich rate euch dringend, hier etwas zu ändern. Sonst bleibt euer Club einfach weiterhin einer, in dem munter weiter belästigt (= Straftat!) werden kann.“

Frauen müssen sich rechtfertigen


Ziemlich rasch kam auch die Antwort des Clubbetreibers, der schrieb: „Es tut uns Leid dass du bei uns schlechte Erfahrungen gemacht hast und wir tolerieren dieses Verhalten nicht! Die richtige Ansprechperson für Fälle wie diesen sind unsere Security, sie stehen immer im Eingangsbereich und sind im Gegensatz zum Kellner geschult und auch dafür da, um Unheil von dir fern zu halten.“

Ich war positiv überrascht über die Entschuldigung und die schnelle Reaktion. Dennoch wurde ein wichtiger Punkt ausgelassen: dass nicht nur ein Security-Mann, sondern das gesamte Personal für das Thema sexuelle Belästigung sensibilisiert werden muss. In meinem Fall hat man mich nicht einmal darauf hingewiesen, dass es eine Ansprechperson gibt. Stattdessen musste ich mich dafür rechtfertigen, dass mir das überhaupt passiert ist. Ein Mann an der Bar meinte sogar zu mir – weil er das Gespräch mit dem Barkeeper mitverfolgt hatte – ich solle doch nicht so hysterisch sein.

Immer diese Österreicher


Und das Wort „Verhalten“ greift in diesem Fall einfach zu kurz. Sexuelle Belästigung ist kein „Verhalten“. Es ist eine Straftat. Wenn aber Frauen nicht geglaubt wird, wird es leider nur sehr wenige Anzeigen geben. Denn dass mir bereits von der ersten Person, der ich die Vorfälle anvertraue, gesagt wird, ich soll mich damit abfinden, zeigt nur: sexuelle Belästigung wird noch immer als ein Kavaliersdelikt angesehen.

Übrigens: die Täter hatten vermutlich keinen Migrationshintergrund, dem ersten Blick nach zu urteilen war der eine vielleicht Oberösterreicher und der andere Wiener. Vielleicht waren sie aber auch beide Kärntner – aber das ist ja komplett wurscht, oder? Hauptsache wir stellen fest, woher sie kommen. Wie in dem Fall der Freiburger Clubs, die Flüchtlinge an der Tür abweisen, weil sie sonst "übergriffig werden". Dabei sind es doch immer diese Österreicher, die ständig Frauen belästigen.

(Anmerkung: Im letzten Absatz können Spuren von Sarkasmus enthalten sein.)

 

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