Warum Body Checking gar nicht gut für deine mentale Gesundheit ist

Bleibst du auch vor jedem Spiegel stehen und überprüfst dein Aussehen?

Frau schaut in den Spiegel

An keinem Spiegel vorbeilaufen können, alte Fotos mit neuen vergleichen, Kleidung aufheben, die schon längst nicht mehr passt oder Körperumfänge messen – all das fällt unters so genannte "Body Checking" und wurzelt (meistens) in einer tiefliegenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und/oder dem Drang, Kontrolle zurückzuerlangen. Wird dem Bedürfnis, das eigene Aussehen zu überprüfen, auch regelmäßig nachgegeben, so kann das für die mentale Gesundheit schädlich sein und die Obsession noch mehr verstärken, so Expert*innen.

Kontrollverlust als Ursache für Fixierung auf den Körper

Vor allem im Zuge der Corona-bedingten vielen daheimverbrachten Zeit, hat sich die Fixierung auf das eigene Aussehen verstärkt: "Viele meiner Klient*innen haben mehr Zeit drinnen verbracht, haben sich weniger bewegt und im Zusammenhang damit vermehrt negative Gedanken in Bezug auf ihr Aussehen wahrgenommen", erklärt Psychologin Sadi Fox gegenüber HuffPost. "Angst und Unsicherheit haben allgemein zugenommen, was oft mit einer Fixierung auf das Körperbild einhergeht." Vor allem Menschen, die das Gefühl haben, die Kontrolle verloren zu haben, neigen zu Body Checking, so Therapeutin Jessica Sprengle im Gespräch mit HuffPost.

Was du tun kannst, wenn du mit Body Checking aufhören willst:

Hast du das Gefühl, dass du dich überdurchschnittlich oft im Spiegel betrachtest und deine Gedanken vermehrt um dein Aussehen kreisen, hier ein paar Tipps der Expertinnen:

1. Finde heraus, was dich triggert

Als Erstes empfiehlt Fox, alles loszuwerden, was dich dazu bringt, deinen Körper zu kontrollieren, wie etwa Waagen oder altes Gewand, das nicht mehr passt (wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann auch Spiegel verhängen). Auch Sport kann ein Trigger für Body Checking sein: Laut Fox hilft es, sich vor dem Workout zu fragen, warum man es denn überhaupt macht: Hat die Antwort nix mit Gesundheit, sondern eher nur mit Body Image zu tun, so rät Fox das Workout für den Tag vielleicht lieber auszulassen und erst dann wieder zu sporteln, wenn man tatsächlich gesunde Motivation aufbringen kann.

2. Achte auf deinen Social Media-Konsum

Zusätzlich empfiehlt die Psychologin, den eigenen Social-Media-Konsum unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen: Welchen Accounts folge ich und warum? Welches Körperimage bzw. welche Einstellung gegenüber dem eigenen Aussehen wird auf dem Kanal vermittelt? Fühle ich mich schlecht, wenn ich Beiträge eines*r bestimmten Users*in sehe? Merke ich, dass vieles mithilfe von Filtern und Bildbearbeitungsprogrammen gar nicht der Realität entspricht? Sprengle rät zudem: "Ich ermutige alle, ihren Feed möglichst abwechslungsreich zu gestalten und sicherzustellen, Menschen aller Formen und Backgrounds zu folgen."

3. Mache dir Notizen

Ein weiterer Tipp von Sprengle: Aufschreiben, wann bzw. wie oft man das eigene Aussehen kontrolliert. "Dadurch wird vielen erst klar, wie 'besessen' sie von ihrem Körper sind."

4. Frage dich, warum du Body Checking betreibst

Oftmals dient Body Checking als Bewältigungsmechanismus für Angstzustände, Unsicherheit, niedriges Selbstbewusstsein oder Machtlosigkeit – ist das der Fall, rät Fox, zu hinterfragen, woher diese Gefühle kommen: "Könnte es daran liegen, dass ich ein gewisses Trauma noch nicht verarbeitet habe? Oder liegt der Grund vielleicht in meiner Beziehung?" Sich diese Dinge zu fragen, sei laut Fox der erste wichtige Schritt, sich weniger aufs eigene Aussehen zu fixieren und die mentale Gesundheit zu stärken.

 

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