Warum bleiben Depressionen bei Männern meist unentdeckt und unbehandelt?

Depressionen sind keine Frauensache. Doch bei Männern bleiben diese oft unentdeckt und damit unbehandelt. Wie kann sich das ändern?

Mann in Hemd mit Händen auf Kopf

Unter Depressionen können alle leiden. Spätestens als sich der Fußballprofi und deutsche Nationaltorwart Robert Enke 2009 oder der Schauspieler Robin Williams 2014 wegen Depressionen das Leben nahmen, wurde die Öffentlichkeit nicht nur darauf aufmerksam, dass auch Spitzensportler*innen und Stars von dieser "Volkskrankheit" heimgesucht werden können, sondern auch, dass sie bei Männern häufiger unentdeckt bleibt als bei Frauen. Toxische Männlichkeit, unerreichbare Rollenbilder? Was sind die Auslöser für Depressionen bei Männern? Und wie können diese schneller entdeckt und damit behandelt werden?

Inzwischen sprechen im Fernsehen zwar Künstler*innen wie etwa der Comedian und Kabarettist Torsten Sträter und andere bekannte Personen recht offen über ihre Depressionen. Aber ist damit dem Tabuthema "Männer mit Depressionen" die Brisanz genommen? Nicht wirklich, meinen Fachleute. Die Studiengesellschaft TAILOR-MADE recherchiert.

Wissenschaft

Zwar leiden in Deutschland erheblich mehr Frauen an einer Depression als Männer, aber die Suizidrate bei Männern ist Statistiken zufolge deutlich höher. Und am häufigsten erfolgen Suizide nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe vor dem Hintergrund einer unzureichend behandelten Depression. Konkret leiden nach Angaben der Depressionshilfe rund 5,3 Millionen Erwachsene in unserem Nachbarland an einer behandlungsbedürftigen Depression. Hierzulande leiden laut Infos des Sozialministeriums 6,5 Prozent der erwachsenen österreichischen Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer depressiven Erkrankung. Bei Männern wird diese immer häufiger diagnostiziert.

Toxische Männlichkeit?

Der Begriff "Toxische Männlichkeit" umfasst Verhaltensmuster, die traditionell als typische Attribute des "starken Geschlechts" und von "echter" Männlichkeit gelten. Letztlich wirken diese sich jedoch schädlich für die Betroffenen, aber auch für andere aus. Dazu zählen unter anderem Dominanz, Kontrolle, Aggressivität und eine höhere Gewaltbereitschaft, aber nicht zuletzt die Unfähigkeit, zum Beispiel Minderwertigkeitsgefühle, Misserfolgserlebnisse, Versagensängste oder eben Depressionen zu verbalisieren. Diese "Kommunikationsschwäche" hat oft zur Folge, dass Depressionen bei Männern nicht erkannt werden und infolgedessen unbehandelt bleiben.

Angst vor Diskriminierung

Oft unterhalten sich Männer nicht über ihre Gefühlswelt. Weder mit ihren Partner*innen, noch mit den engsten Buddies. Dieses Verhalten ist vielfach der Angst geschuldet, im jeweiligen sozialen Umfeld wegen der Erkrankung diskriminiert zu werden. So bekommen Männer vermehrt erst die notwendige Behandlung, wenn ihre Symptome so ausgeprägt sind, dass sie sich nicht mehr kaschieren lassen – wenn sie als körperlich krank gelten, etwa durch hohe Belastung im Beruf. Denn das gilt als akzeptabel.

Veränderung

Die medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten zur erfolgreichen Behandlung einer Depression entwickeln sich immer weiter: angefangen von fortschrittlichen Medikamenten über Verfahren, die eine wirksamere und gezieltere Medikation ermöglichen, bis hin zu innovativen Methoden, Depressionen per Bluttests zu erkennen.

Außerdem ist es wichtig, dass auch Prominente das Thema Depression bei Männern gesellschaftsfähig machen, so TAILOR MADE. Mittlerweile ist es in der Gesellschaft auch akzeptierter, wenn Männer ihre Gefühle und Verletzlichkeit zeigen. Das "starke" Geschlecht "darf" inzwischen seinen Emotionen freien Lauf lassen und auch Schwäche zeigen. Ein Schritt in die richtige Richtung!

 

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