Warum bei Ikea so viele Paare streiten

Immer mehr Wissenschafter widmen sich seit 2015 einer verhältnismäßig jungen Gefahr für zwischenmenschliche Beziehungen: Dem Ikea Einrichtungshaus. Warum kann ein Besuch beim Möbel-Schweden die Liebe derartig ins Wanken bringen?

Wer die Worte "Ikea+Beziehungen" bei Google eingibt, der weiß gleich, was da schiefläuft:

"Warum Ikea Beziehungen zerrüttet", "Ikea-Beziehungskrisen: Schuld war nur der neue Ivar", "Ikea als Beziehungsfalle".

Was macht Shoppen bei Ikea so gefährlich für die Liebe?

1. "Jedes große Einkaufserlebnis ist ein potentieller Konfliktherd"

Cari Romm, Redakteurin desNY Mag The Science of Us und selbst Opfer der "Ikea Beziehungstodesfalle" fragte bei Psychologieprofessorin Julie Peterson nach. Dr. Peterson gibt der großen Auswahl beim Möbelhaus die Schuld: "Jeder große Einkauf birgt die Gefahr von Konflikten, wenn man sie zu zweit erlebt. Es gibt so viele Auswahlmöglichkeiten auf der einen Seite, auf der anderen möchte man natürlich auch auf die Wünsche und Bedürfnisse des Partners eingehen, dabei aber seine eigenen nicht zu sehr hintanstellen. Das Resultat: Der perfekte Streit."

2. "Das Geschäft wird buchstäblich zur Landkarte eines Beziehungs-Albtraums"

Dr. Ramani Durvasula, Psychologieprofessor an der California State University in Los Angeles, sprach gegenüber dem Wall Street Journal eine andere Theorie an. Sie glaubt, dass Paare auf dem Weg durch das Einrichtungshaus, vorbei an perfekten Küchen und Schlafzimmern, zunehmend an ihre nicht halb so perfekten eigenen vier Wände und ihr vielleicht auch nicht halb so perfektes (Liebes-)Leben erinnert werden: Der Anblick einer blitzblanken Küche könnte etwa daran erinnern, dass der andere nie sein Geschirr wegräumt.

3. Das nächste Level an (Beziehungs-)Arbeit: Die Möbel gemeinsam aufbauen

Es gibt einen Grund dafür, warum Ikea Anleitungen so oft für Spott und Hohn herhalten müssen. Dr. Peterson erklärt im Gespräch mit dem NY Mag: "Man muss viele Schritte erledigen, um zum finalen Produkt zu kommen, und auf jedem Schritt muss man Kompromisse machen - denn die wenigsten von uns machen alles genauso wie der Partner." Das Aufbauen der Möbel birgt also weiters Stress- und Frustrationspotential.

Für einige Paare können die Anleitungen sogar ein Test für ihre Kommunikation sein. Dr. Durvasula lässt in ihre Patienten im Rahmen der Therapiesitzungen sogar manchmal Ikea-Möbel gemeinsam aufbauen, als Übung für die Beziehung. Sie nennt die Ikea Liatorp Regale gegenüber dem Wall Street Journal "den Scheidungsmacher".

IKEA Liatorp TV-Möbel

Dr. Petersons Tipp für Paare, denen ein gemeinsamer Ikea-Besuch bevorsteht: Einen Plan haben und dabei bleiben. Und sollte es doch zum Streit kommen, weiß man wenigstens, dass man damit nicht alleine ist.

 

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