Warum Autofahren für Frauen gefährlicher ist als für Männer

Männer sind häufiger in Autounfälle verwickelt, das Verletzungsrisiko bei Unfällen ist für Frauen aber deutlich höher. Warum?

Autounfall

Ganz egal welche Wissenschaft – Ökonomie, Medien, Naturwissenschaft, Wirtschaft, you name it. Was alle Wissenschaften eint, ist der „Gender Data Gap“. Das heißt: Es gibt grundsätzlich mehr Studien und Daten zu Männern als zu Frauen. Was in manchen (wenigen) Bereichen kaum Unterschiede macht, ist in anderen Bereichen problematisch – und da geht es nicht „nur“ um sexistische Smartphone-Designs, sondern um lebensbedrohliche Auswirkungen: Weil zu wenig zu Frauen geforscht wird, wurden Autos und deren Sicherheitskonzepte in den vergangenen 60 Jahren basierend auf der männlichen Anatomie erstellt. Die Konsequenz: Frauen sind in Autos weniger sicher als Männer.

Weibliche Dummys sind bei Crash-Tests nicht verpflichtend

Astrid Lindner, Forscherin zum Thema Verkehrssicherheit am Swedish National Road and Transport Research Institute, präsentierte 2018 auf der Verkehrssicherheits-Konferenz in Südkorea eine Studie, in der sie die EU-Anforderungen an Crash-Tests analysiert hatte. Laut Guardian wird in keinem Crash-Test ein Dummy, der sich an der weiblichen Anatomie orientiert, vorausgesetzt.

Frauen sterben bei Verkehrsunfällen eher

Männer sind häufiger in Autounfälle verwickelt – das heißt, dass es auf den ersten Blick auch mehr männliche Verletzte gibt. Setzt man die Zahl der männlichen und weiblichen Verletzten allerdings in Relation, wird deutlich, dass bei Frauen das Risiko einer schweren Verletzung um 47 Prozent und das Risiko einer leichten Verletzung sogar um 71 Prozent höher ist als bei Männern. Ein Unfall endet auch zu 17 Prozent eher für Frauen tödlich als für Männer.

Jahrzehntelange Forschung nur mit männlichen Dummys

Crash-Test-Dummys gibt es seit den 50ern – und für Jahrzehnte wurden nur männliche Dummys verwendet. Das gängigste Modell ist 1,77 m groß und 76 Kilogramm schwer. Dazu kommen männliche Muskelproportionen und eine anatomisch männliche Wirbelsäule. In den 80ern haben laut Guardian erstmal ForscherInnen vorgeschlagen, auch weibliche Modelle zu verwenden. Dieser Vorschlag sei allerdings von den Autoherstellern ignoriert worden – und das, obwohl Frauen andere Sicherheitsmaßnahmen brauchen als Männer: Je kleiner eine Person ist, desto näher sitzt sie am Lenkrad, weshalb Frauen etwa bei einem Seitenaufprall besonderen Schutz benötigen. Zudem besteht für Frauen bei vielen der aktuell verwendeten Autositze ein erhöhtes Risiko, ein Schleudertrauma zu erleiden.

Wie Autos sicherer werden können

Der Autohersteller Volvo hat nun eine Initiative ins Leben gerufen, um zu zeigen, wie Autos künftig alle besser schützen können. Die E.V.A. Initiative steht für „Equal Vehicles for All“.

Volvo erfasst seit den 1970er Jahren Daten aus echten Unfällen, um zu verstehen, was bei einer Kollision passiert. Das Volvo Traffic Accident Research Team hat seitdem Daten von mehr als 40.000 Autos und 70.000 LenkerInnen gesammelt und analysiert. In diesen Daten sind Männer und Frauen gleichermaßen vertreten. Mit E.V.A. bietet Volvo die Ergebnisse aus über 40 Jahren Forschung nun zum öffentlichen Download und macht die Daten damit der gesamten Autoindustrie kostenlos zugänglich. Denn: Autos sollen für alle sicherer werden – nicht nur für Männer.

 

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