Warum auf Nachrichten antworten manchmal so furchtbar anstrengend ist

Es gibt einen Grund dafür, warum wir das Zurückschreiben oft ewig rauszögern (um dann ein "OMG, upsi, erst jetzt gesehen" zu schicken, das uns sowieso niemand glaubt).

Texting

Noch eine Benachrichtigung á la "Steffi hat dich zur Gruppe 'Theo Geburtstagsgeschenk' hinzugefügt" und du wirst dein Handy gegen die Wand schmeißen? Und jede Notification, mit der die kleine rote Zahl am Home-Bildschirm steigt, lässt die Anxiety ein bissi größer werden, sodass du die App irgendwann gar nicht mehr öffnest? Jup, du bist nicht allein.

Manchmal schafft man es eben erst Tage später, ein "Huch, total übersehen, sorry!" abzuschicken (und alle beteiligten Personen wissen, dass man es völlig bewusst übersehen hat). Und nein, das ist nicht, weil du faul bist und deine Freund*innen nicht magst: "Wenn sich selbst vermeintliche Banalitäten wie Small Talk zu anstrengend anfühlen, spricht man von emotionaler Müdigkeit", erklärt Therapeutin Caroline Given gegenüber Bustle.

Warum wir nach Corona unser Handy hassen

Ebendiese emotionale Müdigkeit hat sich durch Corona weiter verstärkt: Vor dem Lockdown hat bei den meisten ein Großteil des Soziallebens in real life stattgefunden, durch die Ausgangsbeschränkungen hat sich das digitale Kontakthalten intensiviert, viele sind ins Home Office übersiedelt. Das macht etwas mit uns: "Unsere Gehirne lieben es, Assoziationen zu knüpfen. Durch den Lockdown verbinden viele Menschen ihre Telefone mit Arbeit. Das schaffe eine Abneigung gegen das Gerät insgesamt", so die Psychologin Alexandra Lash gegenüber Bustle. Das Beantworten einer SMS möge sich deshalb im Moment emotional besonders anstrengend und auslaugend anfühlen.

Warum wir online schlechter Grenzen setzen können

Dazu kommt, dass wir digitaler Kommunikation unsere Grenzen (noch) nicht so gut kennen, wie in real life, sagt Therapeutin Caroline Given: "Im echten Leben ist es einfach, ein Gefühl für unsere Grenzen zu bekommen. Wenn wir uns körperlich müde fühlen, gehen wir nicht hinaus. Wenn wir uns gestresst fühlen, sagen wir Treffen ab. Via SMS ist es schwieriger, diese Grenzen zu erkennen."

Die Bedeutung von Textnachrichten habe sich durch Corona möglicherweise langfristig verändert, daher sei es umso wichtiger, sich in Nachsicht mit sich selbst zu üben: Wenn man bedenkt, dass wir gerade eine globale Pandemie durchleben, die Wirtschaft für viele von uns schon zum zweiten Mal in einer "once-in-a-lifetime"-Krise steckt, Rassismus auch 2020 immer noch existiert und Kanye West Präsident der USA werden will und wir das alles irgendwie verarbeiten sollen, dann kann man eine WhatsApp-Nachrichten hin und wieder guten Gewissens schon mal übersehen.

 

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