Warum auch Männer ihre Fruchtbarkeit im Blick haben sollten

Der Ärztlicher Leiter und Gründer des Kinderwunschzentrum an der Wien Dr. Heinz Strohmer spricht von einer Spermakrise, in der sich Männer befinden. Denn in 55,1 % ist der Grund für ungewollte Kinderlosigkeit von Paaren der Mann. Was hat es damit auf sich?

Spermakrise

Wenn der Kinderwunsch von Paaren unerfüllt bleibt, ist der*die erste Ansprechpartner*in meist die*der Gynäkolog*in. Bevor der Mann abgeklärt wird, wird die Frau häufig auf Herz und Nieren geprüft. Und das, obwohl die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit zu 55,1 % beim Mann liegen und die Frau nur in 14,8 % der Grund dafür ist.

Langsam ist eine Trendwende in dieser Praxis zu erkennen und auch die Fruchtbarkeit von Männern rückt stärker in den Vordergrund, wie ärztlicher Leiter und Gründer des Kinderwunschzentrum an der Wien Dr. Heinz Strohmer weiß: "Die erste Anlaufstelle bei unerfülltem Kinderwunsch ist üblicherweise die*der Frauenärzt*in. Das führt dazu, dass die ersten Abklärungsschritte bei der Frau veranlasst werden, auch weil der Mann häufig bei diesen ersten Terminen selbst nicht anwesend ist. Mittlerweile erfolgt aber mehr und mehr die Einbindung des Mannes und damit verbunden die Zuweisung zum Spermiogramm auch durch Frauenärzt*innen."

Die Spermakrise

Das ist vor allem auch deshalb wichtig, weil Männer immer unfruchtbarer werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt diese Abnahme der Spermienkonzentration. Noch vor 50 Jahren lag der Durchschnitt pro Milliliter Ejakulat bei 100 Millionen Samenzellen – heute sind es nur noch zwischen 20 und 6 Millionen.

Strohmer geht sogar so weit, die aktuelle Situation als Spermakrise zu bezeichnen und hat einige Tipps, wie Männer durch ihren Lebensstil ihre Spermienqualität verbessern könnten: "Wir weisen immer wieder darauf hin, wie schlecht sich Nikotinabusus, Bewegungsarmut, Übergewicht, falsche Ernährung etc. auf die Samenqualität auswirkt. All diese Faktoren haben aber nicht nur Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, sondern auch auf die Allgemeingesundheit der Männer. Gerade jetzt in der Pandemie gilt es trotz der Bewegungseinschränkung und der Notwendigkeit selbst zu kochen, auf einen gesunden Lebensstil Wert zu legen."

Kinderwunsch vorziehen

Während des früher hieß, Männer können bis ins späte Alter Kinder zeugen, so ändert sich diese Wahrnehmung gerade in der Medizin. Aktuelle Studien beschäftigen sich verstärkt mit der Frage, welche Auswirkungen ein erhöhtes Alter des Mannes auf die Kinder haben kann. Professor Strohmer erklärt: "Hier zeigt sich eine erhöhte Krankheitsneigung bei Kindern, die von älteren Männern gezeugt werden. Unter Umständen kann dieser Effekt durch einen entsprechenden Lebensstil gelindert werden, hier müssen die Studienergebnisse aber noch abgewartet werden." Er rät, den Kinderwunsch lieber vorzuziehen und bei Kinderwunsch nicht zu lange zu warten.

Impfung statt Krankheit

Zusätzlich zu genug Bewegung, einem normalen Körpergewicht und dem Nichtrauchen empfiehlt Strohmer eine ausgewogene Ernährung, die aus einer Mischkost aus frischem Obst und Gemüse, Olivenöl, wenig rotem Fleisch und stattdessen viel Fisch besteht. Auch die Covid-19 Schutzimpfung empfiehlt er ganz klar für Männer mit künftigem Kinderwunsch, da eine Covid-19 Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Fertilitätseinschränkungen führen kann.

Dr. Strohmer erklärt: "Wir haben Hinweise, dass es durch Covid zu einer Schädigung des Hodens und zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit kommen kann. Das ist nicht überraschend, da stark erhöhte Körpertemperatur auch bei anderen Erkrankungen zu einer monatelangen Einschränkung der Samenqualität führt. Daher gilt es für Kinderwunschpatienten eine derartige Infektion mittels Impfung zu verhindern."

 

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