Warum Allergien von Jahr zu Jahr schlimmer werden

Schnupfnase, juckende Augen, Hautausschlag, Müdigkeit oder Durchfall – eine Allergie kann sich auf viele Arten zeigen. Wie sie entsteht und was wirklich helfen kann.

Frau nießt

Wie entsteht eine Allergie? Was unterscheidet sie von einer Intoleranz? Und sind Allergien eine Zivilisationskrankheit? Wir haben die Antworten.

Fehlalarm

Der Begriff "Allergie" bedeutet aus dem Altgriechischen übersetzt "Fremdreaktion" und beschreibt eine Art Fehlalarm bzw. eine Überreaktion des Immunsystems gegen von außen in den Körper eindringende Stoffe, also Fremdstoffe, wie es Allergene sind. Die Aufgabe unseres Immunsystems ist, zu unterscheiden, ob in den Körper eindringende Stoffe harmlos oder gefährlich sind. Dabei sollte es harmlose Stoffe ignorieren und gegen Krankheitserreger aktiv werden. Bei einer allergischen Reaktion schätzt unser Abwehrsystem die Lage allerdings falsch ein – es kommt zu einer überschießenden Abwehrreaktion und zur Bildung von IgE-Immunglobulinen.

Keime und Mikroben

Weltweit steigen die Zahlen an Allergiker*innen. Warum ist das so? "Die Entstehung von Allergien wird unterstützt durch den veränderten Lebensstil in Industrieländern, etwa durch übertriebene Hygiene, die auch zu einer Verarmung unseres Mikrobioms führt, also der guten Keime, die unsere Körperoberflächen außen und innen besiedeln", erklärt die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, Erika Jensen-Jarolim.

Umweltbelastungen und Klimawandel

"Vor allem Umweltbelastungen und der Klimawandel führen dazu, dass sich die Blühzeiten der Pflanzen verlängern und im Kalender nach vorne verschieben sowie invasive Pflanzenarten nun auch bei uns gedeihen. Verschmutzte Luft belastet die ohnehin schon überreizten Atemwege und versetzt Pflanzen derart unter Stress, dass sie mehr Pollen produzieren, der durch die Umweltschadstoffe noch dazu aggressiver wird."

Bei der Entstehung von Allergien spielen allerdings – abgesehen von Umwelteinflüssen, Hygiene und Medikamenteneinnahmen, etwa Antibiotika – auch Nährstoffdefizite unserer Immunzellen und auch genetische Faktoren, die für die Dichtheit der Körperbarriere gegen Allergene verantwortlich sind, eine Rolle.

Behandlung

Eine Allergie kann übrigens in jedem Alter entstehen und sollte auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Was tun, wenn eine Allergie festgestellt wird? "Der sicherste Weg ist die Vermeidung der auslösenden Allergene. Ist das wie bei Pollen allerdings nicht möglich, gibt es verschiedene Medikamente und Möglichkeiten, die Symptome zu lindern – etwa die Einnahme von ­Antihistaminika oder Kortikoiden, die Anwendung unterschiedlicher Sprays und Cremes oder der Einsatz von Luftfiltern und das Tragen von Gesichtsmasken", erklärt die Immunologin.

Allergenspezifische Immuntherapie (AIT) bzw. Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem wiederkehrend über Spritzen, Tropfen oder Tabletten mit steigenden Mengen des Aller­gens konfrontiert wird und somit lernt, eine Toleranz gegenüber den Antigenen zu entwickeln, können auch helfen.

 

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